Muss man an Astrologie glauben?

Wenn ich im Gespräch mit Freunden und Bekannten das Thema Astrologie anschneide, werde ich immer wieder gefragt: „Glaubst du denn daran?“ Wenn ich dann diese Frage ebenso klar mit „Nein“ beantworte, ernte ich meist große Verblüffung. Aber meines Erachtens ist die Astrologie tatsächlich keine Sache des Glaubens. Woran sollte man auch glauben, wenn man an Astrologie glaubt? Etwa an den Einfluss der „Sterne“, die eigentlich Planeten sind? Das wäre sicherlich eine Möglichkeit, aber ich glaube auch daran nicht. Und zwar, weil es gar nicht notwendig ist. Wenn man sich jahrelang mit Astrologie und der Interpretation von Horoskopen beschäftigt, macht man schlicht und einfach die Erfahrung, dass sie „funktioniert“.

Nicht wenige Menschen sind verblüfft, wenn ich ihnen, ohne sie jemals zuvor gesehen zu haben, erkläre, welche subtilen Mechanismen in ihren Beziehungen ablaufen oder welcher Art ein befriedigender Job für sie zu sein hat und wo die geheimen Vorlieben und die Lebensschwerpunkte liegen. Wie kann ich das alles wissen? Ich meine, weitaus die meisten Menschen machen, wenn sie sich das Horoskop deuten lassen, die Erfahrung, dass „irgendwie was dran ist“. Und sofern es unangenehm ist, was sie erfahren, kommt rasch die Reaktion: „Aber ich glaube ja nicht an so was!“ Das ist vielleicht ein berechtigter Bewältigungsmechanismus. Ich habe auch schon Menschen getroffen, die ganz unverblümt gesagt haben: „Solange es positiv ist, was du mir sagst, glaube ich daran, sonst nicht.“ Solche Sätze sind sicherlich auch ein Hinweis, dass die Astrologie Angst auslöst.

Irgendwie wissen wir alle, dass wir bestimmte Lebensbereiche nicht voll unter Kontrolle haben, dass sie unter einem anderen Einfluss stehen, der jenseits unseres Macht- und Wirkungsbereiches liegt. Wir reden im alltäglichen Sprachgebrauch ja auch von „sinnlosem Leid“ und „schwerem Schicksal“, wenn wir den Eindruck haben, dass es jemanden im Leben besonders hart getroffen hat. Wenn wir so reden, ist für uns klar, dass jemand dieses Leid oder jenes Schicksal nicht selbst gewählt hat. Es läuft also alles auf die Frage hinaus: „Wie viel in unserem Leben ist völlig frei gewählt und selbstbestimmt und wie viel ist schicksalhaft (oder besonders zeitgemäß ausgedrückt: genetisch) bedingt?“ Für die beunruhigende Färbung der Frage nach dem Schicksal spielt es keine Rolle, ob man von Genetik, Gott oder Karma spricht. All diese Begriffe führen uns zu dem Bewusstsein: „Wir haben nicht alles unter Kontrolle.“

Die Astrologie ist letztlich genauso wenig oder genauso viel eine Sache des Glaubens wie etwa die Genetik. Und vielleicht wird uns eine vollständige DNA-Analyse eines Tages genauso viel Information liefern, wie ein guter Astrologe aus einem Geburtshoroskop entnehmen kann. Die Astrologie ist, wenn man so will, eine der ältesten empirischen Wissenschaften überhaupt. Denn es waren Astrologen, die jahrhunderte- und jahrtausendelang Planetenstände, Konstellationen und Zyklen beobachtet und ihre Schlüsse daraus gezogen haben. Im einfachsten Fall kamen sie zu solchen Schlüssen wie: Wenn auf der Nordhalbkugel die Sonne im Steinbock steht, ist Winter und wenn sie im Krebs steht, sagen wir es ist Sommer. Im komplexeren Fall konnten sie schließlich die Geburtshoroskope von Individuen interpretieren und stellten zum Beispiel fest, dass ein Mensch mit sehr vielen Planeten in Luftzeichen (Zwilling, Waage und Wassermann) sehr intellektuell und geistig orientiert ist und ein anderer mit besonders vielen Planeten in Wasserzeichen (Krebs, Skorpion und Fische) überwiegend emotional auf das Leben reagiert.

Die empirische Beobachtung zeigt, dass die Astrologie funktioniert und das ist keine Frage des Glaubens. Eine berechtigte Frage ist aber sicherlich, warum sie funktioniert. Ich habe dazu zwei Theorien und neige eher zur Annahme, dass die zweitere richtig ist:

  1. Es gibt eine physikalische Wirkung der einzelnen Planeten, die lediglich mit bisherigen wissenschaftlichen Methoden noch nicht nachweisbar ist.
  2. Die Planeten und ihre Konstellationen bewirken für sich gar nichts, sie zeigen lediglich Zeitqualitäten an, analog einer Uhr, die zwar anzeigt, dass es 15:00 Uhr ist, aber dies nicht bewirkt.

Ich rede hier vom Synchronizitätsprinzip oder dem Prinzip akausaler Zusammenhänge. Diese Prinzip entspricht (vereinfacht ausgedrückt) auch dem östlichen Denken. Im Westen denkt man überwiegend kausal. Wenn A dann B (z.B.: wenn es regnet, werde ich nass; wenn ich einen Regenschirm benutze, werde ich weniger oder gar nicht nass). Das östliche Denken gestaltet sich eher nach dem Muster: es geschah A und B und C. Es ist also beobachtend und beschreibend und nicht wertend und erklärend.

So gesehen ist es eigentlich unzulässig, zu sagen: „Jemand ist Widder und deshalb handelt er impulsiv.“ Es müsste vielmehr heißen: „Jemand ist Widder und er ist impulsiv und spontan.“ Die Astrologie zieht daraus den Schluss, dass Widder spontan und impulsiv sind und zwar weil das immer wieder beobachtet wurde.

Meine Antwort auf die Frage, ob man an Astrologie glauben muss, ist daher ein klares Nein. Was vielmehr notwendig ist, ist die Offenheit, sich auf die Astrologie einzulassen und zu sehen, dass sie funktioniert. Was der Einzelne dann mit dieser Erkenntnis machen will und ob er sie sinnvoll nutzen oder beiseite schieben will, steht auf einem anderen Blatt und ist eine individuelle Entscheidung. Auch die Frage, wie viel von unserem Leben selbstbestimmt ist und wie viel „schicksalhaft“ ist, wird hier noch zu beantworten sein. Ich bin nämlich sehr wohl der Ansicht, dass der Mensch sich zu seinem Schicksal verhalten und konstruktiv damit umgehen kann. Dazu aber mehr in einem späteren Artikel.

One thought on “Muss man an Astrologie glauben?

  1. Pingback: Astrologie, kritisch betrachtet « hofastro

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