Zeitenwende

Im Jahr 2011 wechseln zwei Trans-Saturnier (außerhalb der Saturnbahn kreisende Planeten), nämlich Uranus und Neptun das Zeichen. Uranus tritt am 12.3.2011 endgültig in das Zeichen Widder ein und Neptun tritt am 4.4.2011 erstmals in das Zeichen Fische. Neptun wird das Zeichen Fische am 5.8.2011 noch einmal rückläufig in Richtung Wassermann verlassen, um am 3.2.2012 endgültig in das Zeichen Fische zu wechseln. Mit diesen Zeichenwechseln endet auch eine außergewöhnlich lange Periode von Neptun und Uranus im Wassermann bzw. der wechselseitigen Rezeption von Neptun im (Uranus-)Zeichen Wassermann und Uranus im (Neptun-)Zeichen Fische.

Nur zur Erinnerung: Am 28.1.1998 wechselte Neptun erstmals in den Wassermann. Damit standen ab diesem Zeitpunkt sowohl Uranus als auch Neptun im Zeichen Wassermann. Neptun wechselte dann am 22.8.1998 noch einmal zurück in den Steinbock, um am 27.11.1998 endgültig in das Zeichen Wassermann zu wechseln.

Diese ganze Zeitperiode 1998 bis 2011 war bzw. ist unter anderem geprägt vom Siegeszug neuer Kommunikations-Technologien. Galten Handy-Benutzer Mitte der 90-er und teilweise auch in den späten 90-er Jahren des 20. Jahrhunderts noch als Angeber und Exzentriker, so war bereits wenige Jahre später eine Marktsättigung in diesem Bereich gegeben. Kaum eine andere technische Errungenschaft in der Geschichte der Menschheit schaffte das in so kurzer Zeit! Auch das Internet erreichte erst in den späten 90-er Jahren und in den ersten Jahren des 21. Jahrhunderts wirklich nahezu jeden Haushalt. Wenn wir an Wassermann denken, sind aber immer auch gesellschaftliche Veränderungen zu erwarten, sozialer Wandel, Umbrüche in politischen Systemen und ein allgemeiner Bewusstseinswandel. Neue Bündnisse werden geschmiedet, die Zusammensetzung der Gesellschaft verändert sich, Glaubenssysteme werden in Frage gestellt (Stichworte: Migration, Integration von zugewanderten Ausländern, Überalterung, Pensionssysteme, hohe Arbeitslosenraten, neue Beschäftigungsverhältnisse wie freie Dienstnehmer, Prekariate, „Generation Praktikum“, Klimawandel und damit zusammenhängende Umdenkprozesse, etc.)

Mit 2011 ändert sich nun die Zeitqualität. Uranus in Widder könnte vermehrt neue Technologien im Verkehr und in der Kriegsführung bringen. So geistert etwa seit einigen Monaten das Stichwort „Cyberwar“ durch die Medien, also der Krieg aus dem Internet. Es entstehen ganz neue Bedrohungsszenarien, etwa terroristische oder geheimdienstliche Angriffe aus dem Internet, die die Energieversorgung ganzer Länder mittels Viren, Trojanern und Hacker-Angriffen lahmlegen. Auch die Kriminalität im Internet hat heuer (Uranus war zwischen 28.5.2010 und 14.8.2010 bereits erstmals im Zeichen Widder) laut Medienberichten enorm zugenommen. Wenn Uranus sich also mit Widder „paart“, werden die Zeiten erheblich dynamischer, kriegerischer und angriffslustiger als mit Uranus in Fische. Widder hat als Zeichen mit Kampf, Neubeginn, Beschleunigung, Angriffslust, unüberlegtem Handeln und ähnlichem zu tun. Kombiniert mit Uranus, dem Zeichen der Innovation, der Sprunghaftigkeit, der Geistesblitze, der Erfindungen, der Technik und des Bewusstseins, ergibt das neue Kriegstechnik, Innovationen im Bereich Verkehr, insbesondere der Luftfahrt. Aus dem Bereich Technik hörten wir dieses Jahr von einem Flugkörper, der 5-fache Schallgeschwindigkeit erreicht oder von Drohnen, die völlig unbemannt und ohne (eigene) Menschenleben zu gefährden großen Schaden beim Kriegsgegner anrichten können. Es kann also mit Uranus im Widder überhaupt nicht schnell genug gehen! Wer weiß, vielleicht erleben wir in den nächsten sieben Jahren (so lange bleibt Uranus in Widder) sogar die Einführung raketengetriebener Flugautos…

Neptun in Fische andererseits verstärkt unser Bedürfnis nach Rückzug, Hingabe und Spiritualität. Neptun ging letztmals zwischen 1848 und 1861 durch das Zeichen Fische (genaue Daten: 26.4.1847 bis 12.7.1847; 6.12.1848 bis 14.4.1861; 1.10.1861 bis 14.2.1862; die kurzen Perioden vor 1848 und nach 1861 ergeben sich aus den Rückläufigkeiten Neptuns). 1848/49 galten in Europa als Revolutionsjahre. Es ging um Demokratisierung, mehr Einfluss des Bürgertums und um Liberalismus. Gleichzeitig nahm auch die Arbeitslosigkeit als Folge der Industrialisierung sowie durch vorangegangenes Bevölkerungswachstum und Missernten stark zu. Die Menschen verlangten nach mehr sozialer Gerechtigkeit und sozialer Absicherung (mehr dazu lesen Sie unter Revolution 1848/49).

Ebenfalls noch beim Durchgang Neptuns durch die Fische kam es 1857 bis 1859 zur ersten Weltwirtschaftskrise. Wissenschaftlich stellt Charles Darwins „Die Entstehung der Arten“, eine der bedeutendsten Publikationen dar. Später wurde dieses Werk als die zweite große narzisstische Kränkung der Menschheit bezeichnet (Die erste Kränkung stellte die Entdeckung Galileos dar, dass die Erde um die Sonne kreist und nicht umgekehrt, die zweite Charles Darwin mit seiner Evolutionstheorie und die dritte Sigmund Freud mit seiner Entdeckung des Unbewussten und der damit zusammenhängenden Erkenntnis, dass wir nicht einmal „Herr im eigenen Haus“ sind). Und in der Literatur wurde unter anderem Herman Melvilles „Moby Dick“ veröffentlicht. Interessant an diesem Roman ist die zahlreiche Fische-Symbolik: Walfang, Meer, Kap der guten Hoffnung, Religiosität, Mystizismus. In dem ausgezeichneten Buch „Neptun“ von Liz Greene weist die Autorin übrigens ausdrücklich darauf hin, dass der Durchgang Neptuns durch die einzelnen Tierkreiszeichen besonders gut an Literatur, Malerei und Musik abzulesen sei (vgl. Literaturverweis im Infopool).

Viele dieser Entwicklungen und Themen beschäftigen uns in ähnlicher Form auch heute. Wie damals waren dem Eintritt Neptuns in die Fische große technische und gesellschaftliche Veränderungen vorangegangen, die nun ihre sozialen Auswirkungen zeigen. Damals war es die industrielle Revolution, heute sind es die Auswirkungen der Globalisierung und des technologischen Fortschrittes. Viele Tätigkeiten, die noch vor 40 oder 50 Jahren von fünf oder gar zehn Arbeitskräften erledigt wurden, schafft heute ein Computer oder ein Industrieroboter weitaus billiger. Dazu kommt noch, dass zahlreiche Firmen ihre Produktion, da ohnehin alles vernetzt ist, ins Ausland verlegten, wo Arbeitskräfte meist viel billiger sind. Mit Neptun in Fische wird es darum gehen, wieder sozialer zu denken und Menschen, die aus der Gesellschaft herausgefallen sind oder herauszufallen drohen, besser abzusichern. Übrigens hatte auch der Sozialismus seine frühen Wurzeln in dieser Zeit (Erstveröffentlichung des kommunistischen Manifests 1848!). Mehr soziale Gerechtigkeit, mehr Menschlichkeit, bessere Verteilung der (finanziellen) Ressourcen, nachhaltigere soziale Absicherung, Grundeinkommen, Sicherung der Pensionssysteme einer sich verändernden Gesellschaft, gerechtere Verteilung und Entlohnung von Arbeit, Work Life Balance, Erholungszeiten, neue Spiritualität, etc. werden wichtige Schlagworte der nächsten 15 Jahre sein. Insbesondere die Verteilung der Arbeit wird schon wie in den 40-er und 50-er Jahren des 19. Jahrhunderts einen sehr großen Stellenwert einnehmen. Denn Arbeit ist ja in Wahrheit genug da, sie ist nur sehr ungerecht verteilt. Während ein Teil der Bevölkerung bei stagnierenden Löhnen immer mehr arbeiten muss und zunehmend von Burnout und anderen psychischen Erkrankungen bedroht ist, ist der andere Teil jahrelang arbeitslos und kann mit der vorhandenen Qualifikation auch nicht damit rechnen, bald einen angemessenen Job zu finden.

Die Lösung könnte mittelfristig darin liegen, die gesellschaftlichen Strukturen (Steinbock) komplett umzubauen, Bildungssysteme komplett neu auszurichten und sehr tief und gründlich nach neuen Werten (Steinbock) zu forschen, die dem heutigen Menschen wirklich nützlich (Steinbock) und menschlich angemessen (Fische) sind. Hier dürfte der Durchgang Plutos durch den Steinbock äußerst hilfreich, wenngleich zunächst schmerzhaft sein. Spätestens mit dem Eintritt Plutos in den Wassermann 2023/24 könnten diese neuen Werte allmählich sichtbar und greifbar werden.

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