Astrologen-Bashing zu Neujahr

Es ist wieder einmal Hochsaison beim beliebten Astrologen-Bashing (engl. „bashing“ bedeutet „öffentlich beschimpfen“) am Beginn eines neuen Jahres. Für viele Astrologie-Kritiker oder solche, die sich selbst so nennen, ist es bereits eine liebgewordene Tradition, sich zu Beginn eines neuen Jahres über Astrologen und Astrologinnen lustig zu machen. Eigentlich ist es in der Wissenschaft üblich, etwas vom Fachgebiet zu verstehen, um Kritik üben zu können. Nicht so bei den sogenannten Astrologie-Kritikern. Sie outen sich reihenweise als völlig ahnungslos, was die Astrologie betrifft und kritisieren trotzdem.

In einem aktuellen Beispiel wird in der heutigen Ausgabe eines sowohl physischen wie intellektuellen Kleinformats geschrieben, dass ein amerikanischer Astronomie-Professor herausgefunden hätte, dass unsere Erdachse schwanke und sich deshalb die Sternzeichen (!) heute anders verteilen würden als vor 3000 Jahren.

Der erste Fehler in dieser sogenannten Kritik ist der, dass unsere Erdachse nicht schwankt. Richtig ist vielmehr, dass unsere Erdachse eine leichte Kreiselbewegung aufweist. Dies tut sie in Folge der Massenanziehung des Mondes und der Sonne in Verbindung mit der Abweichung der Erdfigur von der Kugelform. Man nennt dieses Phänomen Präzession. Für einen vollen Kegelumlauf benötigt die Erdachse um die 25.700–25.800 Jahre. Und dieser Effekt ist schon seit mindestens 2000 Jahren bekannt.

Der zweite Fehler betrifft den Begriff „Sternzeichen“ selbst. Der Begriff ist eigentlich ein irreführender Neologismus, eine Zusammenziehung aus dem Begriff „Sternbild“ und „Tierkreiszeichen“. Beide haben grundsätzlich nichts miteinander zu tun. Das Band der zwölf Tierkreiszeichen entlang der Ekliptik, auf der sich die Sonne, der Mond und die Planeten um die Erde bewegen, wird als Tierkreis oder Zodiak bezeichnet. Die Sternbilder, die sich auf der Ekliptik befinden, haben den Tierkreiszeichen ursprünglich ihre Namen gegeben, sind in der modernen Astrologie von diesen aber völlig unabhängig. Die Sternbilder haben eine unterschiedliche Längenausdehnung, während die Tierkreiszeichen auf dem 360-Grad-Kreis jeweils einen Abschnitt von genau 30 Grad umfassen. Vor ungefähr 4000 Jahren waren, ebenfalls aufgrund der Präzession, Sternbilder und Tierkreiszeichen deckungsgleich. In etwa 21.800 Jahren wird das wieder der Fall sein. Heute haben sich die Sternbilder gegenüber den Tierkreiszeichen verschoben, sodass am 21.3. eines Jahres das Tierkreiszeichen Widder beginnt, während im Hintergrund das Sternbild Fische bzw. Wassermann aufgeht. Je nachdem wo man die Sternbildgrenze ansetzt. Was die Tierkreiszeichen angeht wird am 21.3. auch noch in 15.000 Jahren das Tierkreiszeichen Widder beginnen, ganz unabhängig davon, welches Sternbild sich im Hintergrund befindet.

Die moderne Astrologie beschäftigt sich ausschließlich mit den Tierkreiszeichen und den Planeten (!) unseres Sonnensystems. Sie hat jedoch mit den Sternbildern nichts zu tun. Es gibt nur einen einzigen Überschneidungspunkt, der allerdings auch unter Astrologen umstritten ist. Angeblich sollen, gerade durch das Phänomen der Präzession, die sogenannten großen astrologischen Monate oder Weltzeitalter definiert werden. Indem in den letzten 2000 Jahren jeweils am 21.3. eines Jahres (beim Eintritt der Sonne in das Tierkreiszeichen Widder) im Hintergrund das Sternbild der Fische aufging, sprach man vom Fischezeitalter. Irgendwann zwischen den Jahren 1700 und 2300 wird dann im Hintergrund das Sternbild Wassermann aufgehen. Der genaue Zeitpunkt dafür ist nicht präzise anzugeben, da die Sternbilder verschieden groß sind und daher kein exakter Anfang und kein exaktes Ende definiert werden kann. Deshalb, so wird behauptet, befinden wir uns jetzt am Übergang vom Fische- zum Wassermannzeitalter. Diese Idee soll ursprünglich von Plato stammen, weshalb man die Zeitalter auch „große platonische Monate“ nennt. Ein solcher platonischer Monat dauert etwa 2.150 Jahre und soll vor allem die Werte, Religionen und Interessen der Menschheit bestimmen. Also zum Beispiel: Glaube, Jenseits, Hingabe im Fischezeitalter und Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit im Wassermannzeitalter. Der Höhepunkt des Wassermannzeitalters wird erst um das Jahr 3000 herum erreicht sein, weshalb diese Weltzeitalter meines Erachtens nur von philosophischem Interesse sind.

3 thoughts on “Astrologen-Bashing zu Neujahr

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