Chiron in Fische (2010 – 2019)

Die Astrologie geht davon aus, dass die Stellungen der Planeten im Tierkreis bestimmte Zeitqualitäten anzeigen. Dies gilt insbesondere für die Planeten ab Saturn und außerhalb der Saturnbahn. Für Astronomen gehören einige Himmelskörper, die die Astrologen als Planeten betrachten, ihrer Klasse nach nicht zu den Planeten, so etwa Pluto und Chiron. Chiron ist ein kleiner Planetoid, der erst 1977 von Charles Koval entdeckt wurde. Seine Bahn ist stark elliptisch und er bewegt sich zwischen Saturn und Uranus. Dieser kleine Planet wird am 8.2.2011 endgültig in das Tierkreiszeichen Fische eintreten, nachdem er zuvor schon zwischen 20.4.2010 und 20.7.2010 im Zeichen Fische stand.

Die Bedeutung Chirons erschließt sich am einfachsten über den Chiron-Mythos. (Anmerkung: Wieso die Mythen, die unseren Planeten ihre Namen geben, etwas über ihre Bedeutung für die Zeitqualität auf der Erde auszusagen vermögen, ist ein eigenes sehr komplexes und höchst mysteriöses Thema, auf das ich hierorts nicht eingehen möchte.) Dem griechischen Mythos zufolge war Chiron ein Kentaur mit einem menschlichen Torso und einem Pferdekörper. Chiron war ein weiser Lehrer, der die Göttersöhne und -töchter auf dem Olymp Musik, Mathematik, Astronomie, Kriegskünste, Medizin und alle anderen Künste und Wissenschaften lehrte. Er verfügte auch über besondere Heilkräfte. Allerdings sind Kentauren – besonders unter Alkoholeinfluss – gewalttätige Wesen, die sich gern in wilde Kämpfe und Raufereien verwickeln. Bei einer Hochzeitsfeier, zu der auch die Kentauren eingeladen waren, kam es zu einem Krawall, und unversehens bohrte sich einer von Herkules’ Giftpfeilen in Chirons Oberschenkel. Das Wesentliche bei dieser Geschichte ist, dass Chiron trotz aller Bemühungen seine eigene Wunde nicht heilen konnte, obwohl er doch so ein wundertätiger Heilkundiger war. Dies ist die Grundlage des Mythos vom verwundeten Heiler. Nach schwerem und langem Leiden, an dem er als unsterblicher Sohn des Zeus aber nicht sterben konnte, entschloss sich Chiron dazu, mit Prometheus den Platz zu tauschen, der zur Strafe für den Diebstahl des göttlichen Feuers an einen Felsen gekettet worden war. Durch diesen Tausch konnte Chiron seine Unsterblichkeit aufgeben und sterben. Nach seinem Tod wurde er zur Belohnung als Sternbild des Schützen an den Sternenhimmel gesetzt (zit. nach www.astro.com).

Chiron hat also zu tun mit Leiden, mit Schmerzen, mit unverhofftem und unverschuldetem Schicksal, aber auch mit Weisheit, Heilkräften, Opferbereitschaft, Mitgefühl und Mut. Der Kentaur an sich, der halb Pferd, halb Mensch ist, symbolisiert meines Erachtens den Menschen selbst, nämlich das beseelte, göttliche Wesen im Säugetier-Körper. Auch wir Menschen (lat. homo sapiens sapiens), die die Weisheit gleich zwei Mal im Namen tragen, sind zu hoher Kunst, Musik, Philosophie, Mathematik und Wissenschaft fähig. Andererseits können wir nicht leugnen, dass auch die wilden, tierischen und grausamen Instinkte immer wieder aus uns hervorbrechen. Wer Beispiele dafür benötigt, möge nur eine Tageszeitung aufschlagen. Und vielleicht symbolisiert Chiron aus diesem Grund sehr viel allgemeiner das Leiden des Menschen an seiner Tiernatur und das Bestreben diese Tiernatur ein für alle Mal zu überwinden. Ganzheitlich betrachtet wäre nicht eine Überwindung, sondern eine Integration, also eine Versöhnung unserer tierischen und seelischen (=göttlichen?) Natur, zielführender.

Um den Durchgang Chirons durch die Fische deuten zu können, müssen wir noch wissen, welche Bedeutung das Tierkreiszeichen Fische hat. Die Fische sind das zwölfte und letzte Zeichen des Tierkreises (kalendarisch 20.2. bis 21.3. eines Jahres). Hier geht es um den Wunsch des Individuums, in etwas Größerem aufzugehen, das über die Begrenzungen des menschlichen Daseins hinausgeht. Die Symbolik eines nach unten und eines nach oben schwimmenden Fisches weist auch darauf hin, dass dieses Zeichen mit einer zweifachen Sehnsucht zu tun hat. Einerseits der Sehnsucht nach Rückkehr in den Mutterleib, psychologisch ausgedrückt also totaler Regression, andererseits der Sehnsucht nach spiritueller Entgrenzung nach oben. Man könnte das auch als Todes- oder Erlösungssehnsucht bezeichnen, weil das irdische Leben viel zu schwierig und hart erscheint. Menschen, die mit einer Betonung dieses Zeichens geboren wurden, verfügen über viel Fantasie, Sehnsucht und Ahnungsvermögen. Spiritualität und Religion spielen in ihrem Leben eine wichtige Rolle. Außerdem ist ihre soziale Ader stark ausgeprägt. Sie können anderen selbstlos helfen und sich für deren Wohl aufopfern, denn sie empfinden deren Leid in einer Weise, als wäre es das eigene. Mit seismographischer Genauigkeit nehmen sie Dinge wahr, die um sie herum stattfinden. Die Gefahr besteht darin, die Grenzen zwischen sich und anderen nicht mehr wahrzunehmen und sich zu verlieren. Weil die Sehnsucht nach Verschmelzung so ausgeprägt ist, neigen sie dazu, im anderen aufzugehen und sich selbst völlig zu vergessen. Nicht selten kämpfen Fische-Geborene auch mit Gefühlen und Stimmungen, die sie sich gar nicht erklären können, weil sie in Wirklichkeit von Menschen in ihrer Umgebung übernommen wurden und gar nichts mit ihnen zu tun haben (zit. nach http://wiki.astro.com).

Im Kollektiv hat das Zeichen Fische am ehesten mit dem zu tun, was C.G. Jung das „kollektive Unbewusste“ nannte. Das kollektive Unbewusste ist nach Jung überindividuell und kulturunabhängig und wird anhand interkultureller Vergleiche in Mythen, Magie und Märchen studiert. In ihm wirken die sogenannten Archetypen, das sind wiederkehrende psychische Muster, die strukturierend auf die kollektive und individuelle Psyche wirken. Sie entwickeln eine bedeutende, unwillkürliche Kraft („Numinosum“), der sich keine individuelle Psyche auf Dauer entziehen kann. (zit. nach http://de.wikipedia.org/wiki/Kollektives_Unbewusstes). Genau mit diesem Numinosum haben wir es auch sehr häufig beim Zeichen Fische zu tun. Es ist als ob wir vom Wirken eines Gottes berührt würden.

Wenn wir nun die beiden Symbol-Ebenen, diejenige die für den Planetoiden Chiron steht und diejenige die für das Zeichen Fische steht, kombinieren, kommen wir auf Entsprechungen hinsichtlich der Zeitqualität. Also Leiden (Chiron) des Kollektivs (Fische), Heilung (Chiron) gesellschaftlicher Probleme (Fische), Verschmutzung (Chiron) von Wasser (Fische), Philosophie (Chiron) der Hingabe und des Friedens (Fische), Verletzung (Chiron) der Natur (Fische), Gifte (Chiron) in der Erde und im Meer (Fische) usw. Der Leser möge die Entsprechungen nach Belieben fortsetzen. Um herauszufinden, was der Durchgang Chirons durch das Zeichen Fische (auch) bedeuten könnte, können wir auch frühere Aufenthalte von Chiron in Fische betrachten. Als Beispiel sei hier der letzte Durchgang Chirons durch die Fische in den 60-er Jahren des 20. Jahrhunderts genannt. Die Daten waren folgende:

  • 26.3.1960 – 18.8.1960 (Fische)
  • 18.8.1960 – 20.1.1961 (Wassermann)
  • 20.1.1961 – 1.4.1968 (Fische)
  • 1.4.1968 – 18.10.1968 (Widder)
  • 18.10.1968 – 30.1.1969 (Fische)
  • ab 30.1.1969 (Widder)

Chiron stand also mit Unterbrechungen von Ende März 1960 bis Ende Jänner 1969 im Zeichen Fische. Die kurzen Aufenthalte dazwischen, in den Zeichen Wassermann und Widder, sind durch die Rückläufigkeiten Chirons zu erklären.

Die 60-er Jahre des 20. Jahrhunderts waren (ohne Anspruch auf Vollständigkeit) die Zeit der Bürgerrechtsbewegung in den USA, die Zeit der Studentenbewegung, die Zeit des Vatikanischen Konzils, des Vietnamkriegs und der Friedensbewegung, des Contergan-Skandals und der Ermordung von J.F. Kennedy bzw. Martin Luther King.

Das Kollektiv oder genauer das kollektive Unbewusste (Fische) war mit Leid, Ungerechtigkeit und Verwundungen (Chiron) konfrontiert, wie das etwa klar in der Diskriminierung von Afro-Amerikanern in Amerika sichtbar wurde. Hier „wollte“ Chiron eine Heilung herbeiführen. („Wollte“ steht unter Anführungszeichen, weil der Gesteinsbrocken Chiron natürlich gar nichts will oder bewirkt. Wir erinnern uns, dass die Planeten in der Astrologie lediglich Zeitqualitäten anzeigen, sie aber nicht bewirken.) Dies scheint vordergründig auch gelungen zu sein. Immerhin haben die USA heute, beinahe einen ganzen Umlauf Chirons durch den Tierkreis später, einen afro-amerikanischen Präsidenten. In den 60-er Jahren hätte das wohl kaum jemand für möglich gehalten. Einige jedoch träumten (Fische) von einer besseren Welt (Fische), wie das berühmte Zitat von Martin Luther King – „I have a dream“ – klar zum Ausdruck brachte. Auch die Studenten träumten von einer besseren Welt und erreichten eine Reihe von Liberalisierungen. Inzwischen liegt in unseren Bildungssystemen wieder einiges im Argen und es wird wohl Zeit, neue Träume zu formulieren.

Das Zeichen Fische, wie wir oben gesehen haben, hat zu tun mit hoher Sensibilität, mit der Sehnsucht nach Gerechtigkeit, Mitgefühl und einer besseren Welt. Chiron legte damals den Finger auf das Leiden, die Ungerechtigkeit und Verletzungen in diesen „Fische-Bereichen“. Mehr Menschlichkeit, mehr Mitgefühl, mehr Frieden in der Welt und auch die Sehnsucht nach Entgrenzung (Meditation, Drogen,…) waren wesentliche Elemente dieser Zeit. Sogar die katholische Kirche wollte sich im 2. vatikanischen Konzil ein moderneres, menschlicheres, demokratischeres Image zulegen.

Chiron forschte ein Leben lang nach einer Medizin für seine Wunde und so wird Chiron für manche Astrologen dem Zeichen Jungfrau zugeordnet. Als Kleinplanet hat Chiron in der Astrologie übrigens keinen fixen Platz als sogenannter Herrscher eines Zeichens, wie etwa Mars dem Widder oder Venus dem Stier zugeordnet wird. Viele Astrologen ordnen ihn jedoch lose der Jungfrau, dem Zeichen des Weiblichen und der Heilkunst zu. Insofern passt auch der Contergan-Skandal gut in den Durchgang von Chiron durch die Fische. Hier wird ein unzulänglich geprüftes Arzneimittel (Chiron) für die Allgemeinheit (Fische) zugelassen und führt zu verheerenden Missbildungen (Chiron) an Föten (Fische). Nachfolgend wird dann von Seiten der Pharmaindustrie (Chiron und Jungfrau) versucht, alles zu vertuschen (Fische). Auch die Friedensbewegung (Fische) nach den Erfahrungen des Vietnamkriegs (Chiron) passt gut zu Chiron in Fische, nicht nur wegen des Leids der Soldaten und Angehörigen, sondern auch wegen der Verwendung neuer Kampfmittel wie Napalm, das grauenhafte Wunden (Chiron) verursachte. Napalm ist zudem ein Brandstoff auf Ölbasis. Und hier scheint es ebenfalls einen Zusammenhang mit Chiron zu geben. Denn im Jahr 2010 stand Chiron bereits einmal für kurze Zeit in den Fischen, nämlich von 20.4.2010 bis 20.7.2010. Präzise an dem Tag als Chiron das erste Mal in Fische eintrat, geriet die Ölplattform Deepwater Horizon in Brand und ging zwei Tage später unter. Das ausströmende Öl führte zur Ölpest (Chiron) im Golf von Mexiko (Fische), einer der schwersten Umweltkatastrophen dieser Art in der Geschichte. Erdöl ist für Pflanzen und Tiere auf der Erde und im Wasser extrem giftig. Und wenn wir es verbrennen, verpestet es unsere Luft und führt obendrein zur Klima-Erwärmung. Die Entsprechung Öl und Chiron scheint also sehr gut zu passen. Insofern ist Erdöl (Chiron) im Meer (Fische) eine fast wortwörtliche Entsprechung.

Der Vollständigkeit halber sei hier noch erwähnt, dass die genannten historischen Fakten nicht nur eine Entsprechung von Chiron in Fische waren, sondern ganz wesentlich auch der Zeitqualität von Pluto und Uranus entsprachen, die um das Jahr 1966 in Jungfrau eine Konjunktion bildeten. Damals wie heute spielen auch diese beiden Planeten eine zentrale Rolle. Pluto und Uranus bildeten in den 1960-er Jahren eine Konjunktion. Heute hingegen befinden sie sich in einem zunehmenden Quadrat, das im Wesentlichen die Jahre 2010 bis 2016 prägt bzw. prägen wird. Zwischen 2012 und 2015 finden insgesamt 7 (!) exakte Quadrate zwischen Uranus und Pluto statt. Was in den 1960-er Jahren begann, erlebt in unseren Tagen eine Durchbruchskrise. Die revolutionäre Stimmung von damals könnte in den 10-er Jahren des 21. Jahrhunderts sogar noch übertroffen werden, zumal jetzt auch Chiron und Neptun im Zeichen Fische stehen. Hier verbindet sich revolutionäre Kraft (Pluto, Uranus) mit Visionen von einer besseren Welt (Chiron, Neptun in Fische).

Wir können also für den neuerlichen Durchgang Chirons durch die Fische Ereignisse im Zusammenhang mit Umweltkatastrophen im Wasser, Pharma-Skandale, Aufstände im Zusammenhang mit sozialen Ungerechtigkeiten, religiöse Reformen und Revolutionen, ein Wiedererwachen der Friedensbewegung sowie ein zunehmendes Bedürfnis nach Bewusstseinserweiterung erwarten. Auch eine Bewegung zurück zu Natur, Einfachheit, Bescheidenheit und mehr Spiritualität ist denkbar. Und in all diesen Bereichen ist natürlich (vgl. Ermordung Kennedys und Martin Luther Kings) auch mit herben Enttäuschungen und Rückschlägen zu rechnen. Möglicherweise könnte es auch zu einer Zunahme von Erkrankungen wie Depressionen und Burnout kommen. Wir erinnern uns an die nach unten schwimmenden Fische, die eher das regressive Bedürfnis nach Rückzug und vollkommener Verantwortungs-Verweigerung haben. Dies könnte in einigen Menschen dazu führen, dass sie sich durch die zahlreichen kollektiven Probleme nur noch frustriert und ohnmächtig fühlen und sich als Konsequenz komplett zurückziehen und in die Depression oder in Traumwelten flüchten.

Zuletzt noch die Daten des diesmaligen Durchgangs von Chiron durch die Fische:

  • 20.4.2010 – 20.7.2010 (Fische)
  • 20.7.2010 – 8.2.2011 (Wassermann)
  • 8.2.2011 – 17.4.2018 (Fische)
  • 17.4.2018 – 25.9.2018 (Widder)
  • 25.9.2018 – 18.2.2019 (Fische)
  • ab 18.2.2019 (Widder)

Chiron steht  also mit Unterbrechungen von Ende April 2010 bis Mitte Februar 2019 im Zeichen Fische. Die kurzen Aufenthalte in den Zeichen Wassermann und Widder dazwischen sind durch die Rückläufigkeiten Chirons zu erklären.

6 thoughts on “Chiron in Fische (2010 – 2019)

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