Astrologische Zyklen und Prognose

Wann immer wir zwei Planeten im Tierkreis betrachten, stehen diese in einem bestimmten Winkelabstand zueinander. Ähnlich wie wir den Zyklus von Sonne und Mond als Neumond, zunehmender Mond, Vollmond und abnehmender Mond betrachten, können wir auch alle anderen Planeten zueinander in Beziehung setzen. So gibt es einen Pluto-Neptun-Zyklus, einen Mars-Venus-Zyklus, einen Uranus-Saturn-Zyklus usw. Dabei wird jeweils der langsamer laufende Planet zuerst genannt und der schneller laufende an zweiter Stelle. Aufgrund der Umlaufzeiten der einzelnen Planeten, dauern auch die Zyklen unterschiedlich lange.

Nehmen wir nur die langsam laufenden Planeten Pluto, Neptun, Uranus, Saturn und Jupiter, so können wir 10 Planetenpaare bzw. Planetenzyklen bilden, die folgende Zeiten (jeweils von einer Konjunktion der beiden Planeten zur nächsten Konjunktion) dauern:

Pluto-Neptun: etwa 492 Jahre, Neptun-Uranus: etwa 172 Jahre, Pluto-Uranus: etwa 127 Jahre, Uranus-Saturn: etwa 45 Jahre, Neptun-Saturn: etwa 36 Jahre, Pluto-Saturn: etwa 33 Jahre, Saturn-Jupiter: etwa 20 Jahre, Uranus-Jupiter: etwa 14 Jahre, Neptun-Jupiter: etwa 13 Jahre, Pluto-Jupiter: etwa 12 Jahre

Index des zyklischen Gleichgewichts

Und wie Sonne und Mond auch, bilden die beiden langsam laufenden Planeten zunächst eine Konjunktion, später ein Quadrat, eine Opposition, ein abnehmendes Quadrat und wiederum eine Konjunktion. Gemäß Dane Rudhyar können wir auch hier von einer Samenperiode, von einer Phase des Wachstums und Durchbruchs (zunehmendes Quadrat), der vollen Blüte (Opposition, analog dem Vollmond beim Sonne-Mond-Zyklus), der Reife und des Verfalls sprechen. Jeder einzelne astrologische Zyklus entspräche dabei je nach Zeichen- und Planetenqualität einer bestimmten Idee, die sich in der Welt ausbreitet, ihren Höhepunkt überschreitet und wieder im kollektiven Unbewussten versickert. Die ganz große Schwierigkeit der astrologischen Prognose ist dabei, dass permanent 10, 15 oder gar 20 Zyklen gleichzeitig zu- und abnehmen, von denen wir hier ohnehin nur 10 betrachten wollen. Und so sagen dann die Optimisten, die Welt werde immer besser, die Pessimisten, alles werde immer schlechter und die Realisten, es werde jeden Tag alles anders. Es erhebt sich die Frage, ob es eine Methode gibt, diese Zyklen besser zu überblicken und prognostisch einzuschätzen.

André Barbault hat  den sogenannten Index des zyklischen Gleichgewichts vorgeschlagen, der von Claude Ganeau aufgegriffen wurde. Dieser Index ist eine mundanastrologische Methode, um die Planetenzyklen quantitativ zu betrachten (zit. nach Baigent, Campion und Harvey, 1989). Dabei werden die applikativen (=abnehmenden) und separativen (=zunehmenden) Zyklen der oben genannten fünf Planeten Pluto, Neptun, Uranus, Saturn und Jupiter in eine Kennzahl bzw. Indexzahl übersetzt. Dies geschieht, indem jeweils die Winkeldistanz von zwei Planeten zu einem bestimmten Zeitpunkt abgelesen wird. Ein Beispiel soll das verdeutlichen. Nehmen wir beispielsweise für das 20. Jahrhundert den 21.3.1937 und betrachten wir nacheinander die Winkeldistanzen der Zyklen von Pluto-Neptun, Pluto-Uranus, Pluto-Saturn, Pluto-Jupiter, Neptun-Uranus, Neptun-Saturn, Neptun-Jupiter, Uranus-Saturn, Uranus-Jupiter sowie Saturn-Jupiter. Moderne Astrologie-Programme können diese Winkeldistanzen sehr leicht mit einer einzigen Funktion ausgeben. Wir erhalten folgende Zahlen:

  • 50,67° für Pluto-Neptun
  • -79,16° für Pluto-Uranus
  • -120,68° für Pluto-Saturn
  • 176,33° für Pluto-Jupiter
  • -129,83° für Neptun-Uranus
  • -171,35° für Neptun-Saturn
  • 125,66° für Neptun-Jupiter
  • -41,52° für Uranus-Saturn
  • -104,51° für Uranus-Jupiter
  • -62,99° für Saturn-Jupiter

Dabei bedeutet eine positive Winkelzahl, dass der jeweilige Zyklus separativ ist, also analog zum Sonne-Mond-Zyklus sich in seiner zunehmenden Phase befindet und eine negative Kennzahl, dass der Zyklus applikativ ist, also in seiner abnehmenden Phase ist.

Genau genommen ist das nicht ganz präzise. Applikativ bedeutet eigentlich, dass sich ein Planet auf einen anderen zubewegt und separativ bedeutet, dass er sich von einem anderen Planeten wegbewegt. Daher müsste beispielsweise ein Zyklus auch dann applikativ genannt werden, wenn die Opposition überschritten ist, jedoch einer der beiden Planeten rückläufig ist. Für diesen Artikel werden jedoch, der Einfachheit halber, alle Zyklen, die die Konjunktion überschritten haben, separativ genannt und alle, die die Opposition überschritten haben, applikativ.

Wenn wir jetzt die Summe aus den oben angeführten Zahlen berechnen, so ergibt das -357,38. Berechnet man nun für jedes Jahr die jeweiligen Winkeldistanzen, etwa für den Stichtag 21.3., wie das Ganeau getan hat, so können wir für jedes Jahr eine Winkelsumme aus den 10 genannten Zyklen erhalten. Diese Zahlen grafisch dargestellt, ergeben den sogenannten Index des zyklischen Gleichgewichts, der im Folgenden für das 20. und 21. Jahrhundert abgebildet ist (siehe Grafik 1 und 2).

Index des zyklischen Gleichgewichts, 20. Jahrhundert

Grafik 1. Index des zyklischen Gleichgewichts, 20. Jahrhundert

Index des zyklischen Gleichgewichts, 21. Jahrhundert

Grafik 2. Index des zyklischen Gleichgewichts, 21. Jahrhundert

Im 20. Jahrhundert erkennen wir hier auf den ersten Blick zwei besonders tiefe Zacken nach unten in den Jahren 1914 und 1940, weitere nicht ganz so tiefe Zacken in den frühen 50-er Jahren, Ende der 60-er Jahre und Ende der 70-er Jahre. Der Tiefpunkt von 1940 wird aber während des gesamten 20. Jahrhunderts nicht mehr erreicht. Interessanterweise decken sich die beiden tiefsten Zacken mit dem Beginn des 1. und 2. Weltkrieges. Die höchsten Spitzen erreicht der zyklische Index 1960, 1989 und 2000. Im Jahr 1960 wurde J.F. Kennedy zum Präsidenten gewählt. 1989 markiert den Zusammenbruch der Sowjetunion und 2000 sowie 2001 den Höhepunkt des Internet Hypes. Aber die Zuordnung lediglich eines einzigen historischen Ereignisses ist wahrscheinlich zu willkürlich. Natürlich kann man nicht davon ausgehen, dass hohe Werte in dieser Grafik automatisch positive Ereignisse im Weltgeschehen und niedrige Werte automatisch negative Ereignisse anzeigen. Der Index des zyklischen Gleichgewichts bildet ja lediglich ab, ob die oben genannten 5 Planeten sich mehrheitlich in zunehmenden oder abnehmenden Zyklen befinden. Möglicherweise könnte man spekulieren, dass mehrheitlich zunehmende Zyklen mundanastrologisch betrachtet eher für Wachstum und Entwicklung, eventuell auch Optimismus stehen und mehrheitlich abnehmende Zyklen für Niedergang, Regression und vielleicht Pessimismus? Es wäre eventuell auch zu untersuchen, ob die oben abgebildeten Zyklen sich annähernd mit Börsenzyklen decken.

Standardisierung

Da man inhaltlich nicht davon ausgehen kann, dass ein zunehmendes Quadrat (=90 Grad Winkeldistanz) weniger Bedeutung hat als eine sich annähernde Opposition (=170 bis 180° Winkeldistanz), habe ich im Folgenden versucht eine Standardisierung zu finden, die lediglich die Summe der zunehmenden und abnehmenden Zyklen, nicht aber die Winkeldistanz abbildet. Jede positive Winkeldistanz zwischen 0,01° und 179,99° wurde dazu gleich „1“ gesetzt und jede negative Winkeldistanz zwischen -179,99° und -0,01° wurde gleich „-1“ gesetzt. Die so entstandenen Werte wurden wieder addiert. Im Beispiel für 1937 würden die Werte wie folgt lauten:

  • +1 für Pluto-Neptun
  • -1 für Pluto-Uranus
  • -1 für Pluto-Saturn
  • +1 für Pluto-Jupiter
  • -1 für Neptun-Uranus
  • -1 für Neptun-Saturn
  • +1 für Neptun-Jupiter
  • -1 für Uranus-Saturn
  • -1° für Uranus-Jupiter
  • -1 für Saturn-Jupiter

Die Summe dieser Werte für das Beispiel 1937 ergibt -4. Wie ohne weiteres nachvollziehbar ist, kann sich der entsprechende Wert nur zwischen -10 und +10 bewegen, da wir insgesamt 10 Zyklen betrachten. Für eine bessere grafische Darstellbarkeit wurden diese Indexsummen mit 100 multipliziert, um sie leichter mit den Winkelsummen vergleichen zu können (in den Grafiken 1 und 2 sind sowohl die rohen Winkelsummen (rot) als auch die standardisierten Werte (grau) eingetragen). Die Verhältnisse der Werte zueinander ändern sich durch diese Multiplikation nicht. Ein Wert von +1000 bedeutete, dass alle 10 Zyklen für den Stichtag 21.3. gerade zunehmend waren. Dies ist in den gesamten 200 Jahren von 1900 bis 2100 genau einmal der Fall, nämlich im Jahr 2001 (Grafiken 3 und 4).

Grafik 3. Index des zyklischen Gleichgewichts, standardisiert, 20. Jahrhundert

Grafik 4. Index des zyklischen Gleichgewichts, standardisiert, 21. Jahrhundert

Der Wert +800 wird übrigens in den Jahren 1997 bis 2000 erreicht und dann noch einmal im Jahr 2026. Die tiefsten Indexwerte wurden im Jahr 1940 (-800) und 1978 bis 1981 (-600) erreicht. Im gesamten 21. Jahrhundert erreicht der Wert niemals einen tieferen Punkt als -400, dies in den Jahren 2018 und 2019 sowie 2078 und 2079 und noch einmal im Jahr 2091. Übrigens mag es manchen Leser vielleicht wundern, wieso der Wert ausgerechnet im Jahr 2001 maximal ist, einem Jahr das mit dem 11.9.2001 und dem Terror-Anschlag auf das World-Trade-Center in Verbindung gebracht wird. Dies ist deshalb so, weil die Werte hier jeweils mit Stichtag 21.3. abgelesen wurden. Ein Blick in die Ephemeriden (Planetenstände) des Jahres 2001 zeigt, dass im März noch zwei große Zyklen zunehmend waren, nämlich Pluto-Saturn und Pluto-Jupiter. Im Mai 2001 überschritt dann der Pluto-Jupiter-Zyklus mit einer Opposition seinen Höhepunkt und war von diesem Zeitpunkt an abnehmend und im August überschritt der Pluto-Saturn-Zyklus seinen Höhepunkt und war von da an abnehmend. Erreichte die Winkelsumme am 1. Mai 2001 noch einen Wert von +940 und der Index den Wert +1000, so sank die Winkelsumme bis zum 1. September 2001 bereits auf +314 und der Index erreichte nur mehr +800. Diese Werte sinken dann bis 2004 und darüber hinaus ständig weiter ab und sie erreichen 2018 und 2019 den tiefsten Punkt in der ersten Hälfte des 21. Jahrhunderts.

Betrachten wir nun die Indexwerte, so ergibt sich ein weitgehend ähnliches Bild wie bei den Winkelsummen selbst. Die tiefsten Werte im 20. Jahrhundert ergeben sich 1913 bis 1915 (Wert: -400), 1936 bis 1942 (Werte: -400 in den Jahren 1936 und 1937, -600 in den Jahren 1938 und 1939, -800 im Jahr 1940, -600 im Jahr 1941 und -400 im Jahr 1942). Danach gibt es noch einmal eine Zacke nach unten in den Jahren 1977 bis 1981. Eine Zeit, die unter anderem den Afghanistan- sowie den Irak-Iran-Krieg sieht.

Prognostisch ist der Index des zyklischen Gleichgewichts wohl ein Anhaltspunkt, aber auch nicht mehr. Verwendet man ihn aber zusammen mit wichtigen anderen Instrumenten, wie zum Beispiel dem Pluto-Saturn-Zyklus für die Entwicklungen der Börse oder relevanten Staatenhoroskopen, also solchen Horoskopen, die von wichtigen Zyklen aktiviert werden, könnten sich daraus interessante Ansatzpunkte für mundanastrologische Entwicklungen ergeben.

Literatur

Baigent, Campion und Harvey (1989). Mundan-Astrologie. Handbuch der Astrologie des Weltgeschehens. Edition Astrodata.

Rudhyar, Dane & Rael-Rudhyar, Leyla (1994). Der Sonne/Mond-Zyklus. Ein Schlüssel zum Verständnis der Persönlichkeit. Edition Astrodata.

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