Gedanken zu Pluto

Ich bin der Geist, der stets verneint!
Und das mit Recht: denn alles, was entsteht,
Ist wert, dass es zugrunde geht;
Drum besser wärs, dass nichts entstünde.
So ist denn alles, was ihr Sünde,
Zerstörung, kurz das Böse nennt,
Mein eigentliches Element.
(Faust, Mephistopheles)

Pluto direktläufig

Am 16.9.2011 wird Pluto um 20:23 Uhr (MEZ/S) auf 4°53‘ Steinbock direktläufig. Er war am 9.4.2011 um 10:49 Uhr auf 7°30‘ Steinbock rückläufig geworden. Die Tierkreisgrade 4°53‘ bis 7°30‘ Steinbock hat Pluto damit seit 19.12.2010 inzwischen zwei Mal passiert, einmal direktläufig bis 9.4.2011 und ein zweites Mal rückläufig zwischen 9.4.2011 und 16.9.2011. Bis 6.1.2012 wird er diese Grade nun ein drittes und letztes Mal passieren, um ab dem 6.1.2012 neue, bisher nicht erreichte Grade, zu transitieren. Im persönlichen Erleben dürften alle Menschen, bei denen ein Planet oder eine Achse rund um 4°53‘ Steinbock, Krebs, Widder oder Waage im Geburtshoroskop steht, die plutonischen Energien den ganzen September über sehr stark spüren. Dies auch deshalb, weil sich Pluto wegen seiner Station zur Direktläufigkeit den ganzen September nur wenige Bogenminuten bewegt.

Pluto – ein neuer Himmelskörper

Pluto, der in der Astrologie ungleich der Astronomie nach wie vor als Planet gilt, wurde erst 1930 entdeckt. Damals stand er auf 17°46‘ Krebs. Damit hat er seit seiner Entdeckung noch nicht einmal die Hälfte des Tierkreises durchquert. Wir können also davon ausgehen, dass wir über diesen Planeten noch nicht allzu viel wissen. Pluto wird im Jahr 2017 (25.1., 24.7. und 29.11.2017) drei Mal den Oppositionspunkt zu 17°46‘ Krebs überqueren, womit er dann genau die Hälfte des Tierkreises seit seiner Entdeckung durchquert haben wird. Im Jahr 2178 wird er wieder auf 17°46‘ Krebs zurückkehren und dann einmal den gesamten Tierkreis durchquert haben. Die unterschiedlichen Zeiten der beiden Hälften des Tierkreises, die hier offenbar werden (87 Jahre von 17°46‘ Krebs bis 17°46‘ Steinbock und 161 Jahre von 17°46‘ Steinbock bis 17°46‘ Krebs), ergeben sich aus der extrem elliptischen Bahn Plutos, die dafür verantwortlich ist, dass Pluto nur etwa 12 Jahre benötigt um den Skorpion zu durchqueren, während er mehr als 30 Jahre für den Transit durch das Zeichen Stier benötigt.

Pluto mythologisch

Hades bezeichnet in der griechischen Mythologie den Totengott und Herrscher über die Unterwerlt, die ebenfalls Hades genannt wurde. Als Herrscher über die unterirdischen Gefilde wurde er sowohl mit Plutos, dem Gott der (unterirdischen) Reichtümer, als auch mit dem Unterweltsgott Pluton identifiziert (Quelle: Wikipedia).

Pluto ist der Bruder von Jupiter und Neptun und Sohn von Saturn (in der griechischen Variante heißen die Götter Hades, Zeus und Poseidon sowie Kronos). Nach der Herrschaft des Uranus, der von Saturn entmachtet wurde und Saturn, der von Jupiter entmachtet wurde, teilten sich Jupiter, Neptun und Pluto die Regentschaft. Pluto herrschte fortan über die Unterwelt, die Welt der Schatten, die Welt der Toten sowie über die unterirdischen Reichtümer, Jupiter über den Himmel und Neptun über das Meer.

Es galt als ein Tabu, Plutos Namen auch nur auszusprechen, denn er konnte jederzeit aus dem Untergrund auftauchen und den eben noch Lebenden mitnehmen. Das geschah zum Beispiel Persephone, die ganz unschuldig Narzissen pflückte, als sich plötzlich die Erde auftat und Pluto sie in sein Reich entführte, um sie zu vergewaltigen und zu seiner Gemahlin zu machen. Erst durch die Erpressung ihrer Mutter Demeter, die es nie wieder regnen lassen wollte, musste Pluto zustimmen, Persephone jeweils 6 Monate (21.3. bis 23.9.) an die Oberfläche zu lassen.

Pluto wurde von den Griechen einerseits euphemistisch „der Reiche“ genannt, um seinen Namen nicht aussprechen zu müssen. Andererseits galt er auch als der Herrscher über die unterirdischen Reichtümer. Aber Plutos Reichtum besteht nicht oder nicht nur in materiellen Gütern, Plutos Reichtum ist ein seelischer, innerer Reichtum. Er herrscht über die Schatten, die Seelen. Die griechische Vorstellung der Unterwelt ist nicht ident mit der christlichen Vorstellung der Hölle, aber zumindest ähnlich.

Nach den ältesten griechischen Auffassungen war der Hades für alle Sterblichen bestimmt, egal ob sie hohen Ranges oder niederen Ranges waren, gute oder böse Taten in ihrem Leben getan hatten. Sie lebten dort nicht weiter, sondern irrten nur als scheue Schatten herum. Der Hades blieb nur ganz wenigen, wirklich auserwählten Menschen erspart. Sie wurden vergöttlicht und zu den Göttern auf den Olymp gesellt, wie Herakles.

Nach späteren Vorstellungen gab es verschiedene Abteilungen in der Unterwelt. Die meisten gingen demnach in die von der Lethe (Strom des Vergessens) umflossenen elysischen Gefilde ein, wo sie als Schatten schmerzlos fortwesen oder auch in ewiger Glückseligkeit leben. Die bösen Menschen aber werden in den Tartaros gestoßen, die tiefste Region, die von unheimlichen Gestalten bewohnt wurde. Diejenigen, die Verfehlungen gegen die Götter begangen haben, sollten hier ewige Qualen erleiden.

Nach manchen Vorstellungen sind die verstorbenen Menschen im Hades weiterhin mit alltäglichen Dingen beschäftigt, sie wirken schattenhaft und scheinen nicht zu wissen, dass sie tot sind. Aus der Unterwelt gibt es kein Entkommen bzw. können nur ganz wenige Ausnahmen wieder aus der Unterwelt in die Welt der Lebenden kommen (der Gott Hermes, Persephone, Orpheus).

Annäherung an eine mögliche Bedeutung von Pluto

Die Vorstellung, dass die Toten in der Unterwelt endlos das wiederholen, was sie als Lebende taten, scheint einen Hinweis zu liefern auf die Leere und Sinnlosigkeit unseres Tuns. Wiederholen wir z.B. ein x-beliebiges Wort unseres Sprachgebrauches in sehr schneller Folge 20, 30 oder gar 50 Mal hintereinander, so wird dieses Wort zu einem bloß akustischen Geräusch. Probieren Sie es selbst und sagen Sie ganz schnell hintereinander 50 Mal „Geld“ und fragen Sie sich anschließend, welche Bedeutung dieses Wort hat.

Aus eigener Erfahrung mit Pluto-Transiten weiß ich, dass Pluto unglaublich starke Vorstellungen erzeugt, fast eine Besessenheit. Es ist dann so, als wollten wir diese Vorstellung gewaltsam in die Realität zwingen, was oft auch gelingt. Und dann fühlt es sich so an, als würde die Vorstellung geradezu implodieren. Das, was wir bisher wollten und mit aller Macht begehrten, verliert jeden Sinn und jede Bedeutung. Es ist als ob Pluto uns lehren wollte, dass jede Anhaftung sinnlos- und bedeutungslos ist. Das ist wohl auch der Grund, warum mir beim Denken an Pluto das Zitat von Mephistopheles aus Goethes Faust einfiel. Plutos Essenz scheint der Geist der Verneinung zu sein.

„Alles, was entsteht, ist wert, dass es zu Grunde geht.“ Thomas Bernhard, der österreichische Schriftsteller, drückte es ähnlich aus, wenn er sagte: „Es ist alles lächerlich, wenn man an den Tod denkt.“ Vom Tod her betrachtet, hat wenig wirklich Bestand. Wir verdienen Geld, wir verausgaben uns für unseren Chef, wir kaufen Waren, Kleidung und Häuser. Und nichts davon bleibt. So reich wir auch zu Lebzeiten gewesen sein mögen, wir können nicht einen Cent mitnehmen in unsere „endgültige Wohnung“. Unsere Häuser werden abgerissen werden. Uns galten sie als modern, großartig, wunderschön. Dereinst werden sie alle zu Ruinen. Unsere Kleidung wird künftigen Generationen lächerlich altmodisch anmuten und von unserem Körper bleibt nur Staub, den der Wind verweht.

Pluto zerstört die Form, wieder und wieder. Plutos Reichtum ist immaterieller Art und in seinem Reich hat nur das Ewige Bestand. Mit ein Grund dafür, dass Orpheus mit seinem Gesang – der immaterieller Natur ist – den Gott Pluto überzeugen konnte und die Unterwelt wieder verlassen durfte?

Im faustischen Pakt heißt es sinngemäß: „Wenn ich zum Augenblicke sage: Verweile doch, du bist so schön! Sei`s sogleich um mich geschehen!“ Es geht darum, immer weiter zu suchen, denn wir haben das Endgültige noch nicht gefunden. Da ist etwas, das tiefer gründet, das bleibt, aber es ist immateriell. Deshalb ist es so sinnlos, sich an die Materie zu binden. Bei Osho las ich den Satz: „Du besitzt nur das wirklich, was dir nicht genommen werden kann!“ Wenn du Liebe hast, kann niemand sie dir wegnehmen. Geld jedoch kann dir jederzeit gestohlen oder vom Finanzamt, von Erbschleichern oder wem auch immer abgenommen werden.

Im neuen Testament sagt Jesus: „Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt.“ (Mk 10,25) Die Welt der Materie ist letztendlich nicht real, nicht dauerhaft. Allmählich findet das auch die moderne Physik heraus. Wenn wir nämlich immer tiefer in die Bestandteile der Materie hineingehen, finden wir nur noch Energie. Und etwas bewusstere Zeitgenossen wissen schon längst, dass sie nicht ihr Bankkonto sind oder ihr Haus oder ihr Auto. Wir sind noch nicht einmal unsere Leidenschaften, denn die kommen und gehen wie die Wellen des Meeres. Wir haben sie nicht in der Hand. Und wenn wir sie zu kontrollieren oder gar zu unterdrücken versuchen, erreichen wir nur eines, sie werden stärker! Was bin ich dann? Das scheinen die Fragen zu sein, die uns Pluto stellt.

Der viel ältere sumerische Mythos von Erešhkigal weist in eine ähnliche Richtung. Im Epos Inannas Abstieg in die Unterwelt muss Inanna ihre göttlichen Insignien, allen weltlichen Besitz und sogar ihre Kleidung ablegen, ehe sie vor Ereškigal tritt. Nachdem Inanna die Macht Ereškigals anerkannt hat und von ihr getötet wird, erfolgt durch Intervention Asu-šu-namirs die Wiedergeburt Inannas durch Ereškigal selbst. Inanna tritt den Rückweg in das Reich der Lebenden an. Auch hier gibt es also schon die Vorstellung, alles Weltliche, jeden Besitz, alles Materielle ablegen zu müssen, damit wir zu unserer eigentlichen Essenz, dem Immateriellen kommen.

Ein neues Bewusstsein

Die Entdeckung eines neuen Planeten wird häufig als Synchronizität gewertet, dass die Menschheit parallel mit dieser Entdeckung bereit ist für ein neues, erweitertes Bewusstsein. In diesem Zusammenhang wurde oft betont, dass Pluto mit Macht, Totalitarismus, etc. zu tun habe, weil er praktisch zeitgleich mit dem Aufstieg der Nationalsozialisten entdeckt wurde. Oft wurden auch Zusammenhänge mit der Kernspaltung vermutet, die nur wenige Jahre später entdeckt wurde. Allerdings bezweifle ich diese Zusammenhänge, sie sind ein wenig zu sehr an der Oberfläche gedacht. Pluto hat meines Erachtens mehr mit der Macht hinter den Dingen zu tun. Parallel zu seiner Entdeckung wurde die Psychoanalyse entwickelt, das Unbewusste entdeckt und in der Physik wurde die Quantenmechanik veröffentlicht. Die Menschheit entdeckte immer mehr, dass die Dinge nicht sind, was sie zu sein scheinen. Und alleine der Gedanke, Materie könnte nicht real sein, ist absolut revolutionär und vollkommen neu.

Auch der Nationalsozialismus konnte psychologisch nur deshalb solche Macht erlangen, weil wir als Menschen viel zu wenig über uns selbst wussten. Wir sind alle Tiere, wir sind Monster, wir sind bisweilen Psychopathen und weil wir darüber nicht Bescheid wussten, konnten die Auswirkungen des Nationalsozialismus derart katastrophale Ausmaße erreichen. Wir müssen endlich aufhören, den „Teufel“ irgendwo da draußen zu vermuten! Wir selbst sind Teufel und zwar alle! Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass ausnahmslos jeder Mensch in eine Situation geraten kann, in der er zum Mörder oder zur wilden Bestie werden kann. Es ist nur ein glücklicher Zufall, dass unsere Lebensumstände meist so relativ glücklich sind, dass das nicht geschieht. Wenn wir es jedoch schaffen, diese wilde Bestie in uns angstfrei und ohne Wertung zu konfrontieren, also anzusehen, kann es sein, dass sie zum Schoßhündchen mutiert. Nur wenn wir glauben, dass diese wilde Bestie nicht da wäre und wir nicht hinsehen, wird sie gefährlich!

Wenn Mephistopheles im Faust sagt: „Ich bin ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft“, könnte das viel mit der Bedeutung von Pluto zu tun haben, der immer wieder Erstarrtes wegnimmt, uns damit Schmerz verursacht, aber letztendlich lebendiger, größer und bewusster werden lässt.

Pluto in Steinbock

USA Gründungshoroskop

USA Gründung, 4.7.1776, 16:47 Uhr, Philadelphia/PA

Pluto bewegt sich seit 2008 im Steinbock. Er trat am 26.1.2008 erstmals in den Steinbock ein und bewegte sich ab 14.7.2008 dann nochmals in Schütze zurück, um schließlich am 27.11.2008 endgültig in den Steinbock einzutreten. Mit dem Transit Plutos durch den Steinbock geht es um Hierarchien, Machtstrukturen und alte Wahrheiten, die eingerissen werden sollen. Aber auch ganz konkret Berge, Kontinentalplatten und die Erdkruste könnten einer starken Wandlung unterzogen werden. Es würde mich nicht wundern, wenn Erdbeben, Vulkanausbrüche und Felsstürze sich in der Zeit mit Pluto in Steinbock (2008 bis 2024) häufen würden. Auch glaube ich, dass die katholische Kirche, als uralte Machtstruktur mit sehr wenig Wandlungsbereitschaft, sich dramatisch verändern könnte. Vielleicht verschwindet sie sogar gänzlich als die starke Institution, die wir bisher kennen. Als Land sind übrigens die USA ganz besonders stark vom Transit Plutos durch den Steinbock betroffen (siehe nebenstehende Grafik), weil Pluto nacheinander zu Venus (2009 und 2010), zu Jupiter (2011), zur Sonne (2014 und 2015) und zu Merkur (2020 und 2021) eine Opposition bilden wird und obendrein 2022 auf seine Radixposition zurückkehren wird.

Nachdem Steinbock als Zeichen kardinale Erde repräsentiert, könnte Plutos Durchgang durch dieses Zeichen uns auch unseren Umgang mit den unterirdischen Reichtümern, den Bodenschätzen aufzeigen. Vermutlich ist auch hier ein radikales Umdenken der Menschheit erforderlich. Unser Umgang mit Erdöl, Kohle, Gas sowie Uran hat diesen Planeten dramatisch verändert, hat unsere Luft vergiftet, unser Wasser verschmutzt, ganze Landstriche verstrahlt und uns ob der knapper werdenden fossilen Ressourcen immer wieder in blutige Kriege gestürzt. Und wieder sollten wir uns an den oben zitierten Satz erinnern: „Wir besitzen nur das wirklich, was uns nicht genommen werden kann.“

Weiterführende Literatur

Green, Jeff (1994). Pluto: Die evolutionäre Reise der Seele. Kailash Verlag

Green, Jeff (1998). Pluto in Beziehungen und Partnerschaften. Ebertin Verlag.

Ott, Ernst (2010). Pluto im Steinbock 2008 – 2024. Neues Leben blüht aus den Ruinen. Astronova.

Sasportas, Howard (1991). Uranus, Neptun, Pluto im Transit.  Knaur Esoterik.

Weiss, J.Claude, Bachmann, Verena (1991). Pluto – Das Erotische und Dämonische. Edition Astrodata.

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