Titanic

Nachdenkliches zum Jahresausklang

Am 14.4.2012 jährt sich zum hundertsten Mal der Untergang der Titanic. Das Unglück forderte 1513 Todesopfer und ist damit in der Geschichte menschlicher Tragödien und Katastrophen eher ein „kleines“ Unglück, wenn man es etwa mit großen Naturkatastrophen, Epidemien oder dergleichen vergleicht. So forderte etwa die spanische Grippe 1918/19 weltweit je nach Schätzungen zwischen 25 und 50 Millionen Todesopfer, der Tsunami im indischen Ozean 2004 etwa 230.000 Todesopfer oder die Katastrophe von Tschernobyl 1986 mindestens 4000 Todesopfer.

Und doch hat sich der Untergang der Titanic im menschlichen Bewusstsein eingeprägt, während viele andere Flugzeugabstürze, Schiffsunglücke oder Naturkatastrophen oft recht rasch in Vergessenheit gerieten. Dies mag vor allem daran liegen, dass die archetypische Symbolkraft des Untergangs der Titanic so groß ist.

Titanic, Kollision mit Eisberg

Titanic, Kollision mit Eisberg

Laut wikipedia kollidierte die Titanic am 14.4.1912, um 23:40 Uhr in der Nähe von Neufundland mit einem Eisberg. Sehr auffällig an diesem Ereignishoroskop ist die exakte Konjunktion Saturns mit dem Aszendenten. Das zeigt fast wörtlich die Begegnung mit dem Schicksal an. Als „Todesursache“ finden wir Jupiter ganz in der Nähe der Häuserspitze 8, was man als „Tod durch Überheblichkeit oder Selbstüberschätzung“ deuten könnte. Auch die zahlreichen Planeten im 12. Haus (Mond, Venus, Sonne, rückläufiger Merkur, Saturn) sind wohl Hinweise auf eine recht ungünstige Zeitqualität.

Die Zeit um 1912 war hinsichtlich der Zeitqualität unserer Zeit nicht ganz unähnlich. Es wurden sehr viele wissenschaftliche Fortschritte gemacht, Eisenbahn und Dampfschifffahrt brachten der Menschheit völlig neue Möglichkeiten der Fortbewegung, die Entdeckung der Telekommunikation und der Elektrizität begann unsere festen Zeit- und Raumstrukturen, wie sie bis dahin galten, allmählich aufzuweichen. Automobil, Fotografie, Film, Phonograph, sind weitere wichtige Entdeckungen, die die Wahrnehmung der Menschen veränderten. Auch die Entdeckung der Radioaktivität eröffnete völlig neue Möglichkeiten in der Medizin und konfrontierte uns auch mit neuen, zunächst kaum beachteten Gefahren. Die Menschheit am Beginn des 20. Jahrhunderts begann zunehmend in Entwicklungen zu denken und der eine oder andere Zeitgenosse schien wohl zu glauben, dass jetzt alles möglich wäre, wir überhaupt keine Grenzen mehr kennen würden und sprichwörtlich nach den Sternen greifen könnten. So war es überaus symbolisch und bedeutsam, dass die Titanic als „unsinkbar“ galt. Die menschliche Hybris schien inzwischen grenzenlos geworden zu sein. Und ich meine, dass genau das, das archetypische an diesem Unglück darstellt. Wir Menschen glauben immer wieder, unbesiegbar, unsterblich, ja geradezu göttergleich – eben Titanen – zu sein. Und doch ist da irgendwo im Hinterkopf eine ganz leise Stimme, die um unsere Verwundbarkeit, um unsere Sterblichkeit und die extreme Zerbrechlichkeit unseres Glücks weiß. Jedoch diese Stimme wird gnadenlos ausgeblendet, so wie man einen uninteressanten Fernsehsender einfach wegzappt.

Die Menschheit ist heute in einer recht vergleichbaren Situation. Wir bauen weiterhin fröhlich Atomkraftwerke, auch in Erdbebengebieten. Wir verpesten weiterhin unsere Luft. Wir geben so viel Geld aus wie nie zuvor, so als gäbe es kein Morgen und werden uns noch nicht einmal bewusst, dass wir viele der Produkte, die wir „unbedingt haben müssen“, in Wirklichkeit gar nicht brauchen. Aber schließlich hat sie der Arbeitskollege, der Verwandte, der Nachbar ja auch… Na dann! Wir bilden uns so viel ein auf unsere Individualität und doch kaufen wir alle das gleiche Handy. Und mit diesem plappern wir dann zu 99% nur belangloses Zeug. Echte, wirklich persönlich nahe Kommunikation ist heute sehr sehr selten geworden. Und wir werden, ohne dass wir es bemerken, zum Sklaven der Technologie, die wir selbst entwickelt haben. Wie viele Menschen schalten ihr Mobiltelefon heute nie mehr aus? Wie viele gehen heute wenigstens noch ab und zu ohne Mobiltelefon aus dem Haus? Wie viele legen wenigstens hin und wieder einen computerfreien Tag ein? Ich kenne keine diesbezüglichen Studien, vermute jedoch es sind recht wenige Menschen.

C.G. Jung sagte einmal sinngemäß: „Vielen Menschen heutzutage kommen mir ein wenig vor wie fröhliche Regenwürmer in einer seichten Wasserpfütze an einem strahlend heißen Augusttag. Sie sind sich nicht bewusst, dass sie bereits zu Mittag tot sein werden.“

Auch wir konsumieren heute fröhlich weiter, anstatt auch nur irgendetwas in unserem Leben zu verändern. Das Jahr 2011 war insbesondere in der Finanzwelt mehr als turbulent. Doch unsere Zeitungen schreiben schon wieder von Aufschwung spätestens ab 2013, so als ob nichts gewesen wäre. Die astrologischen Signaturen verraten uns jedoch anderes. Aus astrologischer Sicht ist ein wirklicher, dauerhafter Aufschwung sicher nicht vor 2018 zu erwarten.

Schon klar, persönliche Weltuntergänge sind sehr sehr schwer. Da ist es allemal leichter, gleich von einem kollektiven Weltuntergang zu fantasieren oder ihn sich im Kino gemütlich bei Cola und Popcorn reinzuziehen. So nach dem Motto: Wenn schon Weltuntergang, dann soll es wenigsten gleich die ganze Welt erwischen. Was für eine Zumutung, wenn nur ich mich verändern müsste!

Und so sitzen wir kollektiv erneut in einer Titanic, feiern fröhlich Partys und gehen mal davon aus, dass unser Schiff, ob das jetzt die Wirtschaft, unsere Umwelt, unser Klima oder unsere Energiepolitik ist, unsinkbar ist. Was wir offenbar auch heute noch nicht begriffen haben, ist die simple Tatsache, dass die Titanic ebenfalls nie hätte sinken müssen, wenn alle Beteiligten etwas weniger überheblich gewesen wären und nur ein wenig Vorsicht hätten walten lassen.

In diesem Sinne wünsche ich allen Lesern meines Blogs einen guten Start ins neue Jahr und vor allem die nötige Achtsamkeit, um sich nicht im nächsten Jahr bereits auf einer sinkenden Titanic zu befinden!

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