Das Zeichen Fische

Wie der leere Himmel hat es keine Grenzen,
und ist doch unmittelbar hier,
stets tief und klar.
Wenn du es zu erkennen suchst,
kannst du es nicht sehen.
Du kannst es nicht behalten,
aber du kannst es auch nicht verlieren.
Indem du es nicht erfassen kannst,
erfasst du es.
Wenn du still bist, spricht es.
Wenn du sprichst, ist es still.
Das große Tor steht weit offen
um Almosen zu gewähren.
Und keine Menge versperrt den Weg.
(Zen Sutra)
Fische Symbol

Fische Symbol

Das Tierkreiszeichen Fische wird in alten Darstellungen von zwei Fischen symbolisiert, die in entgegengesetzte Richtungen schwimmen und die von Mund zu Mund verbunden sind. Vermutlich ist dieses Zeichen das sehnsuchtsvollste im ganzen Tierkreis. Der Mensch mit starker Fische-Betonung (z.B. Sonne, AC oder persönliche Planeten im Zeichen Fische) möchte nicht hier sein. Er findet diese Welt zu hart, zu kalt, zu ungemütlich. Und so entstehen zweierlei Sehnsüchte, einerseits die Sehnsucht gegen die Zeit zu schwimmen und in den Mutterleib zurückzukehren, andererseits die Sehnsucht weit in die Zukunft zu schwimmen und sich im Jenseits wieder mit dem Göttlichen zu vereinigen. Psychologisch ausgedrückt handelt es sich bei der ersten Sehnsucht um das Bedürfnis nach Regression. Im Mutterleib war es schließlich so angenehm warm, wir mussten nicht arbeiten, wurden „vollautomatisch“ über die Nabelschnur mit allem Lebensnotwendigen versorgt und es fehlte uns an nichts. Im weitesten Sinne ist wohl auch die Sehnsucht nach der „guten alten Zeit“ eine regressive Fische-Phantasie. Bei der zweiten Fische-Sehnsucht handelt es sich hingegen um ein Bedürfnis nach Weltflucht. Sie richtet sich weit in die Zukunft, in eine Zeit nach unserem Tod, nach einer (Wieder-)vereinigung mit dem Göttlichen, mit der ursprünglichen Einheit, die nicht mehr Teil der Schöpfung (einer Welt der Dualität und der 2) ist. Trauma-Therapeuten würden hier wohl von Dissoziation sprechen. Wenngleich ich persönlich der Meinung bin, dass nicht jeder, der sich gerne mal wegträumt oder eine gewisse Todessehnsucht verspürt, automatisch traumatisiert sein muss.

Fische schwimmen im Wasser und nach alter Überlieferung symbolisiert Wasser die Zeit. Die Gefangenschaft in der Zeit ist für Fische besonders schmerzlich und leidvoll. Eben deshalb wollen sie der Zeit gerne entfliehen, wie wir oben gesehen haben, entweder in die Regression oder in die Transzendenz. Nicht zuletzt deshalb dürfte das Fische-Zeitalter, das im Wesentlichen das christliche Zeitalter war, das Leiden und den Schmerz besonders betont haben. Erst im Wassermann-Zeitalter wird diese Bedingtheit und Gefangenschaft in der Zeit überwunden sein. Der Wassermann wird dargestellt von einem alten, weisen Mann, der einen Eimer ausgießt. Der Eimer fasst hier die Zeit, hat sie also unter Kontrolle und sie wird schließlich ausgegossen. Die Zeit mit ihren Begrenzungen hört auf, einschränkend zu sein. Nachdem die Sternbilder, welche die großen Zeitalter definieren, keine klaren Grenzen haben, wissen wir nicht, wann das Wassermann-Zeitalter genau beginnt. Der Beginn könnte irgendwo zwischen Mitte 18. Jahrhundert und Mitte 23. Jahrhundert angesiedelt sein. Ein Blick auf die Welt unserer Tage zeigt aber, dass wir uns wohl schon sehr klar im Übergang befinden, schließlich spielt Zeit heute sehr viel weniger Rolle als in früheren historischen Epochen. Ein Email ist heute in Lichtgeschwindigkeit auf der anderen Seite der Erde, mittels Telefon können wir uns jederzeit mit jedem Menschen dieser Erde unterhalten und vielen Menschen scheint es so, als würde die Zeit heute schneller ablaufen. Andere wiederum sagen, dass es so etwas wie Zeit gar nicht gibt und diese nur ein Hilfs-Konstrukt für den beschränkten Verstand des Menschen ist (z.B. Eckhart Tolle).

Fische ist gewissermaßen auch das Zeichen des Paradieses, als einem Zustand bedingungsloser Liebe. Die ideale, vollkommene Liebe ist immer bedingungslos. Erst die irdische, die reale Liebe in der Zeit ist an Bedingungen geknüpft. Eine derart ideale, bedingungslose Liebe scheint hier-irdisch jedoch nicht oder nur sehr schwer lebbar zu sein. Lediglich ganz am Anfang unseres Lebens, im Fruchtwasser schwimmend, oder wenn wir alle Identifikationen überwunden haben und erleuchtet sind, ist solche Liebe möglich. Jesus, der am Kreuz hängend zu Gott spricht: „Vater vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!“, mag von solcher Liebe erfüllt sein. Und gerade diese schreckliche Szene lässt uns ahnen, wie unendlich schwierig solche Liebe ist. Wie sehr geraten wir schließlich schon aus dem Gleichgewicht, wenn sich auch nur jemand im Supermarkt vordrängt oder uns jemand mit dem Auto schneidet?

Das im Tierkreis gegenüberliegende Zeichen Jungfrau macht etwas verständlicher, worum es im Zeichen Fische geht. In Jungfrau sind wir ganz diesseitig, ganz materiell, ganz im Alltag, es gibt viele Bedingungen, viele Details, die beachtet werden wollen, viele Vorschriften, viel Geschäftigkeit, viel Kritik, viel Überprüfung, viel zu reinigen, zu heilen und gerade zu biegen. Es gibt in diesem Zeichen kein Stillsitzen. Das Zeichen Fische hingegen ist ganz jenseitig, es sehnt sich nach Mystik, nach spiritueller Hingabe, nach Gott. Sehr stark fischebetonte Menschen sind nicht ganz von dieser Welt, ja sie erwecken bisweilen sogar den Eindruck, sie wären überhaupt nicht hier. Wobei insbesondere für Männer und ganz besonders für Menschen in der ersten Lebenshälfte oft eine Neigung zur Überkompensation im Jungfrau-Pol zu beobachten ist. Diese Menschen sind dann ganz besonders rational, materialistisch und diesseitsbetont. Und nur sehr geschulte Beobachter erkennen, dass diese Haltung nicht ganz echt ist.

Mit dem Eintritt von Neptun in sein eigenes Zeichen Fische (vgl. Artikel Neptun in Fische) werden die oben genannten Qualitäten sehr stark spürbar werden. Die lange Zeitperiode von Uranus (1996 bis 2003) und Neptun (1998 bis 2011) im Wassermann geht jetzt endgültig zu Ende. Uranus und Neptun im Wassermann war eine Zeitqualität, in der sich die Menschheit mit wissenschaftlichen Methoden den letzten Geheimnissen dieser Welt nähern wollte, so z.B. mit Hilfe der Quantenphysik, der Neurowissenschaften, der ganzheitlichen Medizin oder mittels Verknüpfung alter Traditionen mit neuen medizinischen Verfahren (Schamanismus mit Hirnforschung). Aber auch die Astrologie selbst stellt einen Versuch dar, das Unerklärliche mit wissenschaftlicher Exaktheit zu berechnen. Es könnte daher sein, dass die kurze Blüte der Astrologie sehr bald vorbei sein wird. Es war in den letzten Jahren auch in Mode gekommen, jede noch so abstruse esoterische Spinnerei mit einem Anstrich von Wissenschaftlichkeit zu versehen und schnell mal irgendwo die Quantenphysik unterzumischen, um möglichst seriös zu wirken. Wie mir scheint dürfte das dem Zeitgeist von Neptun im Wassermann entsprechen bzw. entsprochen haben.

Neptun wandert am 3.2.2012 endgültig in das Zeichen Fische und wir werden erleben, dass alles wissenschaftliche Bemühen uns den letzten Geheimnissen kein Stück näher bringt. Wenn wir nicht still werden und uns ergreifen lassen, wird „es“ nicht über uns kommen. Die Zeit mit Neptun in Fische wird für sensible und meditativ veranlagte Menschen ein Segen sein und ihnen ganz neue Zugänge zum kollektiven Unbewussten und zur transzendenten Welt ermöglichen. Auf der anderen Seite ist das Zeichen Fische aber auch wenig in der Realität verankert, weshalb Verführungen und Illusionen allgegenwärtig sein werden. Die Sehnsucht nach Erlösung wird groß sein. Selbsternannte Erlöser und wirklich spirituelle Menschen, die fest in der Realität verankert sind, werden für viele Menschen schwer zu unterscheiden sein. Ja, mehr noch, es wird eines gesunden und starken Ichs bedürfen, um die Psychotiker von den Erleuchteten zu unterscheiden. Glücklicherweise gehen zeitgleich Pluto durch den Steinbock und Uranus durch den Widder, beides Zeichen, die sehr viel diesseitiger und realitätsbezogener sind.

Fische ist auch das Zeichen des Altruismus. Was immer wir aus ganzem Herzen für andere wollen, wird uns leichter als jemals gelingen. Dort, wo wir etwas nur für uns selbst wollen, werden wir aller Voraussicht nach scheitern. Neptun in Fische ist eine Gelegenheit für Empathie, Hilfsbereitschaft, Mitgefühl, Opferbereitschaft, Barmherzigkeit und Hingabe. Wir können jetzt mehr als sonst erkennen, dass Trennung eine Illusion und alles mit allem verbunden ist (wie wir, nebenbei bemerkt, 2011 schon im globalen Finanzsystem bemerken mussten).

Das Zeichen Fische ist auch jenes Zeichen, wo das Ego überwunden werden will und soll. Dies kann dazu führen, dass wir immer wieder mit Schwächeperioden oder Hilflosigkeit konfrontiert werden, Zeiten also, in denen wir absolut nichts tun können. Für den rationalen Machertypen der westlichen Welt dürfte das sehr schwer auszuhalten sein. Und doch bieten solche Zeitperioden die Möglichkeit, uns dem größeren Ganzen, dem Leben oder – wenn wir so wollen – Gott, ganz und gar anzuvertrauen, uns vollständig hinzugeben und dem ewigen Fluss des Seins zu überlassen. Je weniger wir jetzt wollen, desto mehr werden wir mit dem Ganzen fließen. Und je stärker wir gegen Passivität, Hilflosigkeit und Schwäche ankämpfen, desto mehr werden wir leiden. Der Satz: „Dein Wille geschehe“, gilt nirgendwo stärker als im Zeichen Fische.

Literatur

Osho (2011). Das Zen Prinzip. Der Weg des Paradoxes. innenwelt verlag.

Tolle, Eckhart (2000). JETZT! Die Kraft der Gegenwart: Ein Leitfaden zum spirituellen Erwachen. J. Kamphausen Verlag.

Villoldo, Alberto (2011). Das erleuchtete Gehirn. Mit Schamanismus und Neurowissenschaften das Geheimnis gesunder Zellen entdecken. Goldmann Verlag.

Weinreb, Friedrich (2000). Die Astrologie in der jüdischen Mystik. Thauros Verlag Weiler.

6 thoughts on “Das Zeichen Fische

  1. Wieder einmal ein wunderbarer Artikel! Vielen Dank!!!

    Während meiner astrologischen Ausbildung ließ uns, unsere Lehrerin, unser persönliches erleben im eigenen Horoskop, zur jeweiligen Konstellation schildern. Ich fand das immer ausgesprochen hilfreich um von der Theorie in die Praxis zu gelangen. Wie sieht das aus in der ‚Echtwelt’?

    Die Energie von Neptun/ Fische ist ja bereits per Definition sehr schwer zu erfassen. Um die Wirkung einmal anschaulich zu illustrieren, hier eine kurze Schilderung wie ich die Jahre mit Neptun Quadrat Sonne erlebt habe.

    Als ausgebildete Astrologin hatte ich mir das natürlich vorab angeguckt und mir einige Gedanken dazu gemacht, doch es kam neptunisch anders 😉

    Bewusst entschieden hatte ich, meinen vorhergehenden Beruf aufzugeben und fortan nur noch therapeutisch zu arbeiten. Die völlige Loslösung von meiner künstlerischen Tätigkeit fiel mir nicht ganz leicht, schließlich hatte ich das gerne gemacht.
    Das rückhaltlose einlassen auf die ungreifbare ‚Dimension der Seele’, glaubte ich, würde diesen Transit abdecken.
    Gerade als ich mit Juhu loslegen wollte, die Prüfungen lagen endlich hinter mir, die Scheine waren absolviert, die Genehmigung erteilt musste ich feststellen das mein Partner mich betrügt und zeitgleich wurde mein Vater schwerkrank. Das löste zahlreiche Kettenreaktionen aus.

    Plötzlich hatte ich mich um meine alten Eltern zu kümmern, fuhr ständig ins Krankenhaus, kümmerte mich 20 km in der anderen Richtung um meine ebenfalls gesundheitlich eingeschränkte Mutter.

    Meine Beziehung betraf nicht nur meine Emotionen, die natürlich zutiefst verletzt waren. Ein einziges mal hatte ich mir voller Vertrauen erlaubt mich in dieses Nest fallen zu lassen, mich finanziell abhängig zu machen. Nun reiste mein Mann mit unseren letzten Ersparnissen zum Zwecke der Selbstfindung nach Peru. Da stand ich, allein, mit leeren Taschen, kein Geld, keinen Job, keinen Plan. Der alte Beruf war weg der Neue noch nicht wirklich da! Mit meiner Arbeit war auch das ganze menschliche Umfeld verschwunden. Wohnen und Arbeiten waren eng mit meiner Beziehung verknüpft gewesen.

    Es waren grauenvolle Monate die sich rückwirkend betrachtet wie eine einzige, zeitlose graue Masse aus Traurigkeit und Krankenhaus anfühlen. Ich wurde krank, war körperlich und seelisch völlig erschöpft, traurig und einsam.

    Eigentlich empfinde ich mich selbst tatkräftigen Menschen, zumindest ist das die Variante von mir, die ich gerne mag. Doch alles handeln half mir nicht. Ich musste lernen Dinge auszuhalten, hinzunehmen und beim schwimmen den Kopf oben zu halten. Ich erinnere mich noch genau an den Tag, an dem ich beschloss mich dem Leben zu ergeben, alles einfach geschehen zu lassen ….

    Zeitgleich fanden weitere Prozesse statt, die weniger offensichtlich waren. Mein immer schon da gewesenes spirituelles Interesse stieß in neue Bereiche vor. Auf meiner Suche nach Lösungen stieß ich auf neue Konzepte, erlaubte mir Ausbildungen, die ich mir vorher aus Vernunftgründen nicht zugestanden hatte. Meine Weltsicht und die Einschätzung meiner Fähigkeiten veränderte sich beträchtlich. Vor allem lernte ich Verantwortung für meine Wünsche zu übernehmen.
    Ich absolvierte eine Mediale Ausbildung und fühlte mich so glücklich wie ein Fisch, der endlich wieder zurück ins Wasser durfte. Diese Tätigkeit fiel mir so unendlich leicht obwohl ich mich innerlich lange daran geklammert hatte ‚unbedingt seriös’ arbeiten zu wollen, was immer das bedeuten mag!

    Ich wäre von selbst niemals damit in die Öffentlichkeit getreten, doch jetzt half das Schicksal ein wenig nach. Meine Lehrerin, die sehr lange Wartezeiten hat, begann ihre Klienten an mich zu verweisen. Ich war völlig überrascht als die ersten Anrufe eingingen. Da war er nun, mein neuer Beruf, um den ich gebetet hatte.

    Ich erhielt noch ein weiteres wertvolles Geschenk für das ich zutiefst dankbar bin. Das Verhältnis zu meinem Vater durfte heilen. Ich war nicht wirklich begeistert zu allen Tages und Nachtzeiten zu meinen Eltern auszurücken, doch, während der gemeinsamen Autofahrten die ich nun zu übernehmen hatte, während der langen Stunden am Krankenbett, sprachen wir über vieles, das unter anderen Umständen wahrscheinlich nie möglich gewesen wäre. Ich lernte eine sehr weiche und liebevolle Seite an meinem Vater kennen. Als mein Vater dann verstarb war nichts böses, nichts unausgesprochenes mehr zwischen uns. Frieden.

    Neptun im Transit hat alle Strukturen, an die ich geglaubt hatte, auf die ich mein Leben aufgebaut hatte, ad absurdum geführt und ich stand deswegen große Qualen aus. Meine Welt, so wie ich sie kannte, zerfiel.

    Und doch ist keine meine Befürchtungen wahr geworden. Rückblickend kann ich nicht mehr sagen woher das Geld kam, um Rechnungen zu bezahlen, oder woher ich die Kraft nahm meine Eltern zu pflegen, und die Ausbildung zu organisieren. Heute empfinde ich es so als hätte mich das Leben getragen.
    Am Ende erhielt viel mehr als ich aufgegeben hatte. Mein neues Leben ist schöner, freier, friedlicher, authentischer und erfüllender!

    Demnächst geht Neptun über meinen Mond und ich habe beschlossen vertrauensvoll zu erwarten was er mir bringt….

  2. Pingback: Neptun im Zeichen Fische | alltagspiritualitaet

  3. Pingback: Der Saturn-Neptun-Zyklus « hofastro

  4. Pingback: Das Zeichen Wassermann « hofastro

  5. Pingback: Der Jupiter-Neptun-Zyklus « hofastro

  6. Pingback: Fischezeit | hofastro

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s