Der Saturn-Neptun-Zyklus

Am Ideal gemessen versagt die Wirklichkeit.
Aber was wäre das für eine traurige Wirklichkeit,
wenn sie aufhören würde, sich nach dem Ideal zu orientieren
und nach der Wahrheit zu fragen?

(Richard von Weizsäcker)

Neben dem sehr herausfordernden Uranus-Pluto-Quadrat, das uns schon seit geraumer Zeit begleitet und welches im Jahr 2012 erstmals exakt wird (siehe Artikel „Uranus und Pluto“ bzw. „Uranus Quadrat Pluto“) erleben wir im Jahr 2012 auch zwei sehr wichtige Trigone. Das zunehmende Trigon von Jupiter zu Pluto und das abnehmende Trigon von Saturn zu Neptun.

Mit letzterem will ich mich in diesem Artikel etwas ausführlicher auseinandersetzen.

Daten

Zunächst, der Vollständigkeit halber, die Daten des ganzen (gegenwärtigen) Saturn-Neptun-Zyklus, der von 1989 bis 2026 dauert:

Konjunktion:

  •   3.3.1989, 11°55‘ Steinbock
  •   24.6.1989, 11°14‘ Steinbock
  •   13.11.1989, 10°22‘ Steinbock

zunehmendes Quadrat:

  •   25.6.1998, 1°30‘ Stier (Saturn)/Wassermann (Neptun)
  •   1.11.1998, 29°30‘ Widder/Steinbock
  •   6.4.1999, 4°07‘ Stier/Wassermann

zunehmendes Trigon:

  •   25.6.2011, 8°16‘ Zwillinge (Saturn)/Wassermann (Neptun)
  •   23.1.2002, 8°16‘ Zwillinge/Wassermann
  •   2.4.2002, 10°31‘ Zwillinge/Wassermann

Opposition:

  •   31.8.2006, 17°53‘ Löwe (Saturn)/Wassermann (Neptun)
  •   28.2.2007, 20°15‘ Löwe/Wassermann
  •   25.6.2007, 21°47‘ Löwe/Wassermann

abnehmendes Trigon:

  •   11.10.2012, 0°37‘ Skorpion (Saturn)/Fische (Neptun)
  •   11.6.2013, 5°22‘ Skorpion/Fische
  •   19.7.2013, 4°55‘ Skorpion/Fische

(Anmerkung: das Trigon wird zwar erst im Herbst 2012 exakt, Saturn und Neptun bewegen sich aber bereits jetzt in einem annähernden Trigon. Der Orbis beträgt zwischen 22.12.2011 und 16.2.2012 weniger als 1°. Wobei die maximale Annäherung der beiden Planeten Ende Jänner 2012 erfolgt, wo Saturn und Neptun weniger als 0°17‘ voneinander entfernt sind.)

abnehmendes Quadrat:

  •   26.11.2015, 7°02‘ Schütze (Saturn)/Fische (Neptun)
  •   18.6.2016, 12°02‘ Schütze/Fische
  •   10.9.2016, 10°25‘ Schütze/Fische

Konjunktion:

  •   20.2.2026, 0°45‘ Widder

Saturn mythologisch

Saturn ist der römische Name für den griechischen Gott Kronos. Er ist der jüngste der Titanensöhne von Uranus und Gaia. Nachdem Uranus seine Titanensöhne zu hässlich waren, war seine Gattin Gaia gezwungen, sie im Erdinneren zu verbergen und vor ihrem Mann zu beschützen. Da ihr das auf lange Sicht zu anstrengend war und auch für ihre Kinder viel Leid verursachte, da diese in der Finsternis wohnen mussten, sann sie auf Rache. Sie gab ihrem Sohn Kronos eine Sichel, um damit seinen Vater zu kastrieren. Kronos übernahm diese Verantwortung und tat, was seine Mutter von ihm verlangte. Aus dem Geschlechtsteil des Uranus, das ins Meer gefallen war, ging Aphrodite (die Schaumgeborene) hervor. Durch diese grausame Tat, die zur Entmannung und Entmachtung seines Vaters Uranus führte, wurde Saturn zum Herrscher des Himmels. Allerdings wurde Kronos schon früh prophezeit, dass er eines Tages ein ähnliches Schicksal wie sein Vater erleiden würde. Nach seiner Heirat mit Rhea verschlang er daher alle seine Kinder aus Angst vor dieser Bedrohung. Lediglich Zeus (römisch Jupiter) überlebte am Ende durch eine List, weil seine Gattin Rhea ihrem Mann statt des Kindes einen Stein gab, den sie in Windeln gewickelt hatte. Am Ende wurde Saturn tatsächlich von seinem Sohn Zeus, der im Verborgenen herangewachsen war, besiegt und entmachtet.

Für das weitere Schicksal von Kronos gibt es im Mythos drei Varianten:

  1.   Zeus verbannt seinen Vater Kronos ihn in die Unterwelt
  2.   Kronos wird auf die Insel der Seligen ans Ende der Welt verbannt
  3.   Zeus schickte ihn nach Latium, ein steiniges und gebirgiges Land in Italien. Kronos gelang es durch Ausdauer und Fleiß, Latium in ein fruchtbares Land zu verwandeln.

Wie so viele Gottheiten hat Kronos in der griechischen Mythologie eine etwas andere Bedeutung als seine römische Entsprechung Saturn. So galt er den Griechen in erster Linie als alter Gott-Vater, als geiziger Gott, der keine Kontrolle abgeben will und den Willen seiner Mutter tut. Den Römern hingegen galt Saturn als Gott der Fruchtbarkeit und des Ackerbaus. Darauf zurückzuführen sind auch die sogenannten Saturnalien, die um unsere heutige Weihnachtszeit herum gefeiert wurden und sowohl eine Art Erntedankfest als auch unserem heutigen Fasching entsprachen. Während der Saturnalien war es beispielsweise den Sklaven erlaubt, sich als Herren zu verkleiden und Gewohnheiten und Bräuche des gesamten Jahres durften in dieser Zeit auf den Kopf gestellt werden.

Neptun mythologisch

Neptun (griechisch Poseidon) ist in der Mythologie der Bruder von Zeus und Hades. Neptun herrscht über das Meer, während Pluto über die Unterwelt und Jupiter über die Erde und den Olymp herrscht. Neptun wohnte in der Meerestiefe mit großem Gefolge niederer Meeresgottheiten und war Herrscher über die von Pontos und Gaia hervorgebrachten Meeresgottheiten Nereus, Phorkys und Keto. Neptun wurde vor allem an Flüssen, Seen oder in Meeresnähe verehrt. Über Neptun habe ich an anderer Stelle noch ausführlicher geschrieben (vgl. Artikel „Neptun in Fische“ und „Das Zeichen Fische“).

Deutung des Saturn-Neptun-Zyklus

Saturn und Neptun könnten mythologisch und in der astrologischen Deutung kaum unterschiedlicher sein. Saturn steht für Zeit, für Struktur, für Verantwortung, Ernsthaftigkeit, Reife, Gesetz, Selbstbeschränkung und die Welt der Kausalität. Neptun hingegen steht für Auflösung, Hingabe, Gefühle, Loslassen, Ideale, das größere Ganze und die Welt der Akausalität.

In der Verbindung der beiden Planeten geht es also um Ideale und Reife. Psychoanalytisch gesprochen haben wir es hier mit dem Ich-Ideal (Neptun) und dem Über-Ich (Saturn) zu tun. Immer dann, wenn wir uns selbst zu sehr beschränkt und kasteit haben, ermöglicht uns Neptun, uns von diesen Verboten und selbstbeschränkenden Überzeugungen zu lösen. Umgekehrt prüft Saturn unsere hehren Ideale an der Wirklichkeit und ent-täuscht sie, wo das nötig ist. Besonders bei Neptun sind wir ja häufig in Gefahr, uns zu täuschen, uns Illusionen zu machen, und uns die Zukunft allzu rosig auszumalen. Saturn schneidet weg, was nicht lebensfähig, nicht realistisch ist.
Ganz einfach ausgedrückt begegnen sich in Neptun und Saturn, Ideal und Wirklichkeit.

Mundane Entsprechungen

Für Europa und die Welt bedeutete der neue Neptun-Saturn-Zyklus ab 1989 tatsächlich eine Zäsur, nämlich den Fall des „Eisernen Vorhanges“ und den Zusammenbruch des Kommunismus. Das Ideal des Kommunismus (Neptun) zerbrach hier an der Wirklichkeit (Saturn). Dass der Saturn-Neptun-Zyklus offenbar etwas mit der Geschichte des Sozialismus und Kommunismus zu tun haben könnte, darauf hat schon der französische Mundanastrologe André Barbault hingewiesen («Kommunistisches Manifest» zur Zeit der Saturn-Neptun-Konjunktion von 1848, Gründung der meisten sozialistischen Parteien Europas um die nächste Konjunktion von 1882, Ausbruch der Russischen Revolution um die Konjunktion von 1917, zuletzt Fall der Berliner Mauer zur Zeit der Konjunktion von 1989).

Was aber begann 1989? Viele träumten damals von einer befreiten Welt, nie endendem Konsum und einer Welt ohne Grenzen. Die Globalisierung könnte auch mit diesem Zyklus zusammenhängen. Und viele sehen derartige Ideale wohl heute, im abnehmenden Neptun-Saturn-Zyklus, bei weitem nicht mehr so rosarot, wie das noch in den 90-er Jahren des 20. Jahrhunderts der Fall war. Sicher, die Welt ist zusammengerückt und in vielen Bereichen vernetzter (auch so ein „Neptun-Wort“) als je zuvor, dass dabei aber auch viele Gesetze (Saturn) zu Ungunsten der Menschen aufgeweicht (Neptun) wurden, im vermeintlichen Kampf gegen internationale Kriminalität und Terrorismus, wird weitaus weniger positiv gesehen.

Persönliche Ebene

Auf der persönlichen Ebene lohnt es sich zu überprüfen, welche Sehnsüchte und Ideale uns 1989 bewegten, wo wir damals von einem besseren Leben träumten und wie wir damals versuchten, unser persönliches Paradies auf Erden zu verwirklichen. In vielen Bereichen haben wir uns möglicherweise etwas vorgemacht und wurden saturnisch enttäuscht. In anderen Bereichen haben wir vielleicht tatsächlich große Träume in die Realität gebracht und vielleicht sogar mehr erreicht, als wir zu träumen wagten.

Die Konstellation Neptun/Saturn hat also einerseits zu tun mit Pleiten und Niederlagen sowie Enttäuschungen, andererseits aber auch dem Glanz und Zauber bei der Verwirklichung kühner Visionen.

Gerade die abnehmende Trigon-Phase beschert uns oftmals eine Ernte aus Projekten, die von starken Sehnsüchten getragen waren. Saturn und Neptun stehen jetzt im Trigon und daher geht uns manches in der Umsetzung leichter von der Hand als in der Quadrat- oder Oppositionsphase. In schöpferischer oder künstlerischer Hinsicht können wir jetzt vieles erreichen. Phantasie, Träume, Wünsche und Realität, Wirklichkeit, Verantwortung gehen jetzt Hand in Hand und es lassen sich auch große Projekte ver-wirk-lichen (was für ein Saturn-Wort!).

Literatur

Baigent, Campion und Harvey (1989). Mundan-Astrologie. Handbuch der Astrologie des Weltgeschehens. Edition Astrodata.

5 thoughts on “Der Saturn-Neptun-Zyklus

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