Lilith und Jupiter

Neben den großen, im Vordergrund stehenden, Zyklen von Uranus und Pluto, Saturn und Neptun, Pluto und Jupiter sowie dem Eintritt von Neptun in sein eigenes Zeichen Fische (vgl. die entsprechenden Artikel in diesem Blog), endet in den Jahren 2011 bis 2013 auch der Zyklus von Lilith und Jupiter, der von 1978 bis 2013 dauert. In diesem Zyklus dürfte es vor allem um eine neue Definition von Weiblichkeit und Männlichkeit sowie um eine Neubewertung der Sexualität gehen.

Der Jupiter-Lilith-Zyklus

Der aktuelle und jetzt zu Ende gehende Lilith-Jupiter-Zyklus begann 1978 und endet zwischen 2011 und 2013. Hier die Daten des gegenwärtigen Zyklus (1978 – 2013) und des nächsten Zyklus (2013 – 2048) bis zur Opposition:

Konjunktion:

  • 8.1.1978, 28°56‘ Zwillinge
  • 24.7.1978, 21°05‘ Krebs
  • 22.12.1978, 7°54‘ Löwe

Zunehmendes Quadrat:

  • 25.8.1985, 9°25‘ Wassermann (Jupiter)/Stier (Lilith)
  • 14.2.1986, 28°35‘ Wassermann/Stier
  • 25.8.1986, 19°57‘ Fische/Zwillinge
  • 6.6.1987, 21°49‘ Widder/Krebs
  • 15.8.1987, 29°42‘ Widder/Krebs

Opposition:

  • 1.6.1994, 6°09‘ Skorpion (Jupiter)/Stier (Lilith)
  • 14.11.1994, 24°35‘ Skorpion/Stier
  • 5.5.1995, 13°39‘ Schütze/Zwillinge

Abnehmendes Quadrat:

  • 8.3.2004, 13°27‘ Jungfrau (Jupiter)/Zwillinge (Lilith)
  • 2.12.2004, 13°29‘ Waage/Krebs
  • 14.1.2005, 18°21‘ Waage/Krebs

Konjunktion:

  • 20.12.2011, 0°25‘ Stier
  • 17.3.2012, 10°11‘ Stier
  • 12.12.2012, 10°05‘ Zwillinge
  • 12.7.2013, 3°39‘ Krebs
  • 1.12.2013, 19°33‘ Krebs

Zunehmendes Quadrat:

  • 28.7.2020, 20°32‘ Steinbock (Jupiter)/Widder (Lilith)
  • 11.2.2021, 12°39‘ Wassermann/Stier
  • 23.7.2021, 0°32‘ Fische/Zwillinge

Opposition:

  • 17.5.2029, 18°38‘ Waage (Jupiter)/Widder (Lilith)
  • 25.10.2029, 6°40‘ Skorpion/Stier
  • 16.4.2030, 25°54‘ Skorpion/Stier

Lilith astronomisch

Lilith ist ein ziemlich neuer Faktor in der Astrologie, der im deutschsprachigen Raum erst seit Beginn der 90-er Jahre in die Horoskopdeutung mit einbezogen und systematischer untersucht wird. Ausgelöst wurde dieses Interesse von dem Buch „Lilith. Der schwarze Mond: Die große Göttin im Horoskop“ von Joelle de Gravelaine, das 1990 in der deutschen Übersetzung vorlag.

Astronomisch ist Lilith kein Planet, sondern ein sogenannter sensitiver Punkt. Und auch darüber gibt es zwei verschiedene Meinungen:

  • demnach ist Lilith entweder der zweite Brennpunkt der elliptischen Bahn des Mondes – neben der Erde, dem ersten – oder
  • der erdfernste Punkt dieser Bahn, das Apogäum

Da beide Punkte auf einer Linie liegen, macht es für die astrologische Deutung wenig Unterschied, welche Auffassung zutreffend ist.

Darüber hinaus gibt es übrigens einen Asteroiden mit dem Namen Lilith, der zwischen der Bahn von Mars und Jupiter kreist.

Wichtig für die ersten beiden Auffassungen ist noch zu wissen, dass der Lilith im Tierkreis genau gegenüber der Punkt „Priapus“ liegt. Lilith und Priapus bilden also im Tierkreis eine Achse, ähnlich wie der nördliche und südliche Mondknoten.

Bedingt durch den sehr kurzen Zeitraum der systematischen Untersuchung von Lilith, ist es sehr wahrscheinlich, dass sich das Wissen um die tiefere Bedeutung dieses Faktors im menschlichen Bewusstsein erst langsam erschließt. Interpretationen und Deutungen sind daher (noch) mit Vorsicht zu genießen. Da das Auftauchen neuer Planeten, Asteroiden und sensitiver Punkte häufig mit dem Auftauchen eines neuen Inhalts im kollektiven Bewusstsein einhergeht, können wir jedoch davon ausgehen, dass hier etwas ganz Neues der Menschheit bewusst werden soll. Was das sein könnte, wird im Folgenden etwas genauer zu untersuchen sein.

Lilith mythologisch

In den apokryphen Schriften der Bibel heißt es, dass Adams ursprüngliche Frau Lilith hieß, die gleich ihm aus Erde gemacht war. Sie begannen miteinander zu streiten, weil Lilith beim Sex nicht unter Adam liegen wollte. Adam wollte der Überlegene sein. Lilith aber vertrat den Standpunkt, dass sie beide gleich seien, weil sie beide aus Erde gemacht worden wären. Sie wollte sich daher nicht unterwerfen. Nachdem es zu keiner Lösung zwischen den beiden kam, rief Lilith den spezifischen Namen Gottes (es gibt im Judentum sehr viele verschiedene Namen für Gott) an, erhob sich in die Lüfte und floh. Gott wollte sie daraufhin mit drei Engeln zurückholen. Lilith aber weigerte sich und sprach: „Lasst mich allein, denn ich bin für nichts geschaffen worden, außer Kinder zu schwächen.“  (zitiert nach Traugott, 2009)

Im Verlauf der Geschichte wurde Lilith schließlich zu einem bösen Dämon stilisiert. Insbesondere im Mittelalter sagte man ihr nach, dass sie Kinder stehle und ermordete.

Durch diese wahrscheinlich sehr verzerrte Sichtweise können wir annehmen, dass der Lilith-Mythos möglicherweise verstümmelt wurde oder wichtige Teile fehlen könnten.

Interessant sind aus dem wenigen, was wir wissen, vor allem vier Aspekte:

  • Lilith und Adam sind gleichwertig und Lilith besteht darauf
  • Lilith kennt den spezifischen Namen Gottes
  • Gott möchte sie sofort mit drei Engeln zurückholen
  • Lilith nimmt es lieber auf sich, verflucht zu werden, als sich dem Mann zu unterwerfen

Wir dürfen also annehmen, dass es in der Deutung des Horoskop-Faktors Lilith um eine Würdigung der weiblichen, unabhängigen Energie geht. Lilith ist darüber hinaus sehr selbstbewusst. Sie weiß um ihre Gleichwertigkeit mit Adam und sie ist obendrein weise, denn sie kennt den spezifischen Namen Gottes. Dieser Frau kann man(n) definitiv nichts vormachen. Interessanterweise scheint Gott Lilith ebenso wichtig zu sein, denn er lässt sofort drei Engel nach ihr schicken. Das Angebot, sich dem Mann zu unterwerfen, lehnt sie jedoch selbst um den Preis auf ewig verflucht zu werden ab. Es könnte sich bei diesem Bild genau um jene weibliche Stärke und Macht handeln, vor dem die Männer seit Äonen Angst haben. Da ist es viel sicherer, die Frau entweder zu dämonisieren (Hexenwahn des Mittelalters) oder als Dummchen zu verkitschen und zu verniedlichen (z.B. im Film der 50-er Jahre).

Priapos

Nachdem der „schwarze Mond“ oder Lilith nur ein Pol einer Achse ist, gibt es auch ein Gegenüber und dieses Gegenüber heißt Priapos. Priapos ist ein Sohn von Aphrodite und es existieren mehrere Versionen, wer der Vater sein könnte. Manche sagen, der Vater sei Dionysos, andere sagen es sei Hermes (römisch Merkur). Priapos selbst bezeichnet sich als Sohn von Hermes. Nachdem Hera auf die Schwangerschaft von Aphrodite eifersüchtig war, hat sie ihren Leib mit böser Zauberhand berührt und so wurde Priapos missgebildet geboren. Er hatte eine sehr große Zunge, einen mächtigen Bauch und einen extrem überdimensionalen Phallus. Aphrodite ekelte sich vor dem Kind, ließ es im Stich und verleugnete es. Priapos wurde schließlich von einem Hirten aufgezogen, der den überdimensionalen Phallus und das hermaphroditische an ihm erkannte und wusste, dass das der Fruchtbarkeit von Pflanzen und Tieren zu gute kommen würde. So wurde Priapos zu einem Gott, der für Zeugung und Fruchtbarkeit wichtig ist (zitiert nach Traugott, 2009).

Wir erkennen in beiden Mythen stark sexuelle Bezüge, aber auch den Aspekt des ausgestoßen Werdens (Parallelen zu Chiron!). Auch Bezüge zu Fruchtbarkeit und Nachkommenschaft und der hermaphroditische Bezug, das zweigeschlechtliche, bereits im ursprünglichen Lilith-Mythos und erneut bei Priapos sind auffällig.

Jupiter mythologisch

Jupiter war der höchste Gott der antiken Götterwelt und Bruder von Neptun und Pluto. Er galt als höchst promiskuitiv, großzügig, optimistisch, großherzig, bisweilen aber auch als jähzornig. In der astrologischen Deutung steht er unter anderem für:

  • gönnerhafte Männlichkeit
  • den Herrscher und König
  • Expansion und Entfaltung
  • Gerechtigkeit
  • Ordnung und Moral
  • Philosophie und Weltanschauung
  • Religion

Deutung des Lilith-Jupiter-Zyklus

In der Vereinigung der beiden astrologischen Faktoren Lilith und Jupiter geht es also um das Bild von Männlichkeit und Weiblichkeit, die Gleichwertigkeit des Weiblichen mit dem Männlichen, um Sexualität (Unterschiede und Ähnlichkeiten männlicher und weiblicher Sexualität), Erotik (als die magnetische Anziehung zwischen Menschen), aber auch um weibliche und männliche Spiritualität und Weisheit. Interessant ist auch, dass wir in mehreren Lilith/Priapos-Mythen und im Mythos von Jupiter Bezüge zu Zweigeschlechtlichkeit (Hermaphroditismus) und Homosexualität finden. Lilith weiß darum, dass sie und Adam gemeinsam im Bilde Gottes gemacht sind. Demnach muss Gott männlich UND weiblich sein. Priapos ist Hermaphrodit, also sowohl Mann als auch Frau und Jupiter hat viele Geliebte, aber auch den männlichen Geliebten Ganymed. Vielleicht ist es deshalb kein Zufall, dass die sogenannte zweite Schwulenbewegung gerade in den späten 60-er und 70-er Jahren des 20. Jahrhunderts erstarkte und inzwischen sehr viel erreicht hat.

Spätestens seit C.G. Jung wissen wir auch, dass wir alle weibliche und männliche Anteile haben und dass psychische Verhärtungen, Neurosen oder Persönlichkeitsstörungen gerade dann entstehen, wenn wir einen Anteil besonders stark betonen bzw. unterdrücken. Der Kontakt des Mannes mit seiner Anima (inneren Frau) gilt in der Jungschen Psychologie als Weg zur psychischen Integration und Individuation. Ebenso wie Frauen versuchen, männliche Eigenschaften zu assimilieren, um beruflich erfolgreich zu sein. Erst in jüngster Zeit scheinen Frauen wiederzuentdecken, dass es vielleicht klug wäre, sich auch auf ihre spezifisch weiblichen Eigenschaften neu zu besinnen. Die Integration des Weiblichen bei Männern scheint mir dagegen bisher erst sehr oberflächlich gelungen zu sein.

Im persönlichen Erleben können wir häufig beobachten, dass unter wichtigen Lilith-Transiten eine Befreiung aus zu engen Grenzen und Zwängen erfolgt, ein Aufdecken von Falschheit, Illusionen und Selbsttäuschung und ein stärkeres Verfolgen eigener Bedürfnisse und Wünsche. Bisweilen erleben wir auch ein fast zwanghaftes Verhalten und eine Sexualität, die Grenzen überschreitet oder sogar das eigene Leben gefährdet.

Mit Lilith geht es vor allem um eine Würdigung unserer Mondbedürfnisse, das Spüren der eigenen emotionalen Bedürfnisse und das Auftauchen verdrängter Gefühle. Auch dort wo wir besonders großzügig (jovial = jupiterhaft) sind, lohnt es sich, nicht nur die Oberfläche zu sehen, sondern uns zu fragen, welche verborgenen, dunklen Bedürfnisse und Wünsche wir damit vielleicht überdecken wollen.

Zwei Punkte scheinen mir noch wesentlich zu sein. Wir haben es im astrologischen Faktor Lilith mit einer Figur aus der hebräischen Mythologie zu tun UND Lilith ist kein Himmelskörper, sondern ein errechneter Punkt. Lilith kommt also ganz eindeutig aus einer anderen Welt als alle bisherigen Elemente unserer Astrologie, die allesamt aus der griechischen/römischen Mythologie stammen. Und Lilith ist nicht physisch. Vielleicht könnten wir das so deuten, dass sie aus einer anderen Wirklichkeit stammt, die jenseits unserer materiell-rationalen Welt liegt?

Mundane Entsprechungen des Lilith-Jupiter-Zyklus

Im mundanen Geschehen dürfte der Lilith-Jupiter-Zyklus vor allem mit der Frauenbewegung zu tun haben, aber auch mit der Neubewertung der menschlichen Sexualität, der Lesben- und Schwulenbewegung und möglicherweise auch mit mächtigen Männern (Jupiter), die öffentlich über ihre Triebe „stolpern“ (Lilith).

Lilith und die Päpste

Offenbar scheint es auch einen Zusammenhang markanter Lilith-Konstellationen mit dem Tod und der Wahl von Päpsten zu geben.

1978, als Lilith und Jupiter sich zu einer Konjunktion trafen, gilt als „Drei-Päpste-Jahr“. Paul VI starb, Nachfolger wurde für nur 33 Tage Papst Johannes Paul I und nach seinem Tod Papst Johannes Paul II. Speziell dieser Papst war nicht gerade als Kämpfer für Frauenrechte und eine freie Sexualität bekannt. Er galt im Gegenteil besonders in Fragen der Sexualität als besonders konservativ, ja rückständig. Interessant ist, dass in seinem Geburtshoroskop das Lilith-Jupiter-Prinzip ebenfalls „vermählt“ ist und zwar in der Radixstellung seiner Lilith im Schützen (dem Herrschaftsbereich von Jupiter).

Hier ein paar weitere Beispiele für markante Lilith-Konstellationen (am häufigsten in Konjunktion mit Saturn) beim Tod eines Papstes und der Wahl eines neuen:

  • Tod Pius IX am 7.2.1878, Wahl Leo des XIII am 20.2.1878, Lilith Konjunktion Saturn
  • Tod Leo XIII am 20.7.1903, Wahl Pius X am 4.8.1903, Lilith Konjunktion Saturn
  • Tod Pius X am 20.8.1914, Wahl Benedikt XV am 3.9.1914, Lilith Sextil Saturn
  • Tod Benedikt XV am 22.1.1922, Wahl Pius XI am 6.2.1922, Lilith Konjunktion Uranus und Lilith Trigon Pluto
  • Tod Johannes XXIII am 3.6.1963, Wahl Paul VI am 21.6.1963, Lilith Konjunktion Neptun und Lilith Sextil Pluto
  • Tod Paul VI am 6.8.1978, Wahl Johannes Paul I am 26.8.1978, Lilith Konjunktion Jupiter
  • Tod Johannes Paul I am 28.9.1978, Wahl Johannes Paul II am 16.10.1978, Lilith Konjunktion Jupiter
  • Tod Johannes Paul II am 2.4.2005, Wahl Benedikt XVI am 19.4.2005, Lilith Konjunktion Saturn

Ob in der Figur des römisch-katholischen Papstes sich primär die verdrängte (dämonisierte) Sexualität oder das hermaphroditische widerspiegelt, bleibt der Phantasie des Lesers überlassen 😉

Die Frauenbewegung

In Österreich waren die 70er Jahre geprägt von einigen Familienrechtsreformen. So wurde beispielsweise die Paragraphen 91 und 92 des ABGB, die noch aus dem Jahre 1811 stammten, reformiert. In diesem Paragraphen hieß es noch bis 1976:

§ 91
Der Mann ist das Haupt der Familie. In dieser Eigenschaft steht ihm vorzüglich das Recht zu, das Hauswesen zu leiten; es liegt ihm aber auch die Verbindlichkeit ob, der Ehegattin nach seinem Vermögen den anständigen Unterhalt zu verschaffen, und sie in allen Vorfällen zu vertreten.
 
§ 92
Die Gattin erhält den Namen des Mannes, und genießt die Rechte seines Standes. Sie ist verbunden, dem Manne in seinen Wohnsitz zu folgen, in der Haushaltung und Erwerbung nach Kräften beyzustehen, und so weit es die häusliche Ordnung erfordert, die von ihm getroffenen Maßregeln sowohl selbst zu befolgen, als befolgen zu machen.

Seit dieser Zeit ist einiges für die Rechte der Frauen geschehen. Und mir fällt auf, wie patriarchalisch schon allein dieser Satz ist. Er impliziert ja geradezu, dass wir (überlegenen) Männer, den (unterlegenen) Frauen allmählich ein paar Rechte gnädigst gewährten. Und genau so sollte es eben nicht sein. Denn wie wir im Lilith-Mythos gesehen haben, ist sie neben Adam gleichwertig erschaffen, es geht eben nicht um Dominanz oder eine führende Rolle, sondern ganz explizit um Gleichheit und Gleichwertigkeit.

Mitte der 80-er Jahre, als der Lilith-Jupiter-Zyklus in das zunehmende Quadrat kam, traten HIV und Aids in den Blickpunkt der Öffentlichkeit, wodurch unser Umgang mit Sexualität sich noch tiefgreifender wandelte. Mit einem Mal wurde ganz offen über Sexualität und auch über verschiedene Vorlieben und Sexualpraktiken gesprochen. Erst heute erkennen wir allmählich, dass diese Offenheit auch Schattenseiten erzeugte, die uns lange nicht wirklich bewusst waren (Sexualität als Leistungssport, Vorbild makelloser Körper in Pornos, Missbrauch von Substanzen, Essstörungen).

In vielen Ländern veränderte sich parallel zur verstärkten politischen Repräsentanz auch die Bildungs- und Berufsstruktur. Die Zahl der Maturantinnen (Abiturientinnen) und Studentinnen an den Universitäten nahm stark zu. Der Lehrberuf von Volksschulen bis zu höheren Schulen wird deutlich von Frauen dominiert, auch in Sozialberufen und im medizinischen Bereich ist der Frauenanteil besonders hoch. Was die Frauenbewegung angeht, zogen sich Mitte der 80-er Jahre immer mehr Frauen von der radikalen und anarchistischen Szene zurück, um zunehmend realpolitisch mitzubestimmen und das System von innen heraus zu verändern.

In den 1990er Jahren, während Lilith und Jupiter sich allmählich der Oppositionsphase näherten, entwickelte sich zunächst in den USA eine neue, veränderte Welle der Frauenbewegung. Sie war vor allem eine Reaktion auf einen populären Antifeminismus und auf die Ansicht, dass Feminismus obsolet sei, weil er alle Ziele erreicht hätte. Es ging jetzt vor allem um das Infrage stellen problematischer Identitätskonzepte, von Geschlechtsidentität und Sexualität.

In den ersten Jahren des neuen Jahrtausends, bis zum abnehmenden Quadrat von Lilith und Jupiter, erregte vor allem eine Fernsehserie große Aufmerksamkeit. „Sex and the City“ zeigte Frauen, die selbstbewusst ihren sexuellen Leidenschaften nachgehen und sie auch noch in aller Deutlichkeit miteinander diskutieren. Vermutlich könnte man sagen: „So viel Sex im Fernsehen war nie!“

Und nun nähern wir uns bzw. befinden wir uns allmählich mitten in der neuerlichen Konjunktion der beiden astrologischen Faktoren Lilith und Jupiter. Zweifellos haben Frauen vieles erreicht und doch gibt es noch sehr viel zu tun (ungleiche Gehälter, Frauen in der Spitzenpolitik, Frauen im obersten Management) und in manchen Bereichen sind auch dramatische Fehlentwicklungen zu verzeichnen (Essstörungen, nach wie vor sexistische Tendenzen in der Werbung und in einigen Fernsehformaten).

Der Weg zu wirklicher Gleichstellung scheint noch weit zu sein.

Und was wir, meines Erachtens, bisher noch nicht verstanden haben, ist der Faktor des Geheimnisvollen, des Dämonischen, des Hereinbrechens einer anderen Wirklichkeit. Gerade in diesem auslaufenden Zyklus glaubten wir noch sehr daran, Gleichberechtigung, Sexualität, die Mysterien von Fruchtbarkeit und Zeugung mit ganz und gar rationalen Mitteln erreichen zu können. Aber gerade bei Lilith geht es wahrscheinlich nicht um Rationalität, Planbarkeit oder „linkshirniges“ Denken, wie das heute so gerne genannt wird. Den Aspekt der Weisheit, der Intuition, der Natur, der Unberechenbarkeit, des Unerklärlichen gälte es im nächsten Zyklus noch stärker zu berücksichtigen. Und möglicherweise kann dabei der nun im Zeichen Fische laufende Neptun sehr unterstützend wirken.

Literatur

de Gravelaine, Joelle (1990). Lilith. Der Schwarze Mond: Die Große Göttin im Horoskop. Edition Astrodata.

Traugott, Hannelore (2009). Lilith. Eros des Schwarzen Mondes. Edition Astrodata.

8 thoughts on “Lilith und Jupiter

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    • Liebe Frau Dietrich,
      inwiefern bin ich Ihrer Meinung nach anonym? Auf der Seite „Kontakt“ können Sie genau nachlesen, wer ich bin und Sie finden dort sogar eine Verlinkung zu meiner Hauptseite als Psychologe und Psychotherapeut.
      Mit besten Grüßen,
      Stefan Hofbauer

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