Mythologie von Pluto und Uranus

Im Augenblick steht das zunehmend exakt werdende Quadrat von Uranus und Pluto im Zentrum des astrologischen Interesses. Grund genug, uns die Mythologie der mit diesen beiden Planeten verbundenen Planeten etwas genauer anzusehen.

Uranus ist eigentlich der Großvater von Pluto bzw. um ganz korrekt zu sein, Uranus ist der Großvater von Hades (römisch Pluto), denn in der römischen Mythologie spielt Uranus kaum eine Rolle. Uranus war der erste und oberste der Götter, der mit der irdischen Wirklichkeit wenig anfangen konnte. Seine eigenen Söhne, die Titanen, waren ihm zu hässlich, weshalb er sie in die Unterwelt verbannte. Das wiederum nahm im Gaia, seine Frau, sehr übel. Sie gab ihrem jüngsten Sohn Kronos (röm. Saturn) eine Sichel, damit er ihren Gatten entmannte. Was dieser auch tat. Kronos schließlich war der neue Herrscher über das goldene Zeitalter. Aus Angst, selbst entmachtet zu werden, fraß Kronos alle seine Kinder, die aus der Verbindung mit seiner Gattin Rhea entstanden. Es waren dies Hestia, Demeter, Hera, Hades und Poseidon (röm. Neptun). Den jüngsten Sohn Zeus (röm. Jupiter) versteckte Rhea jedoch vor Kronos. Zeus sollte Kronos später durch List und Gewalt überwinden und zum neuen Herrscher des Olymps aufsteigen. Zeus, Poseidon und Hades, die in der römischen Mythologie Jupiter, Neptun und Pluto heißen, sind also Geschwister. Sie sollten schließlich die Herrscher über den Himmel (Jupiter), das Meer (Neptun) und die Unterwelt (Pluto) werden. So gesehen ist Uranus der alte Herrscher des höchsten Himmels und Pluto der neue Herrscher der Unterwelt.

Christlich betrachtet könnte man Uranus als alttestamentarischen Gott sehen und Pluto als Satan. Interessant ist auch, dass die griechische Mythologie die Seelen in die Unterwelt (unter die Erde) gehen sieht, während die christliche Vorstellung die Seelen in den Himmel (der üblicherweise über den Wolken vorgestellt wird) aufsteigen sieht. Ausnahmen in der griechischen Mythologie waren lediglich ganz hervorragende Seelen, die schließlich in den Olymp aufgenommen wurden und in der christlichen Vorstellung die sehr bösen Menschen, die direkt in die Hölle kommen. Ist das möglicherweise ein Hinweis darauf, dass die griechische Mythologie ursprünglich in matriarchalischen Mythen wurzelt? Schließlich war die Erde immer schon eine eher weiblich-mütterliche Entsprechung, während der Himmel eine männlich-väterliche Entsprechung darstellt. Denn obwohl Hades bei den Griechen und Pluto bei den Römern männlichen Geschlechts ist, entspricht Pluto mythologisch und auch in der Astrologie eher einem weiblichen Archetypus. Dies wird u.a. auch bei dem sumerischen Mythos von Ereshkigal deutlich, der vermutlich 5000 Jahre alt ist und zeitlich vor der griechischen Mythologie entstand. Ereshkigal ist in der sumerischen Vorstellung die Göttin der Unterwelt und die Unterwelt ist durch sieben Tore von der Welt der Lebenden getrennt. An jedem Tor hatte man etwas von seinem weltlichen Reichtum und Besitz abzulegen, bis man vollkommen nackt in die Unterwelt einging. Heute noch sagt der Volksmund: “Wir können uns nichts mitnehmen.” Und Jesus sagte: “Sammelt euch nicht Schätze hier auf der Erde, wo Motte und Rost sie zerstören, und wo Diebe einbrechen und sie stehlen; sondern sammelt euch Schätze im Himmel, wo weder Motte noch Rost sie zerstören und keine Diebe einbrechen und sie stehlen. Denn wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz.” (Mt 6, 19-21). Pluto-Transite haben sehr viel mit dieser Vorstellung zu tun. Wir müssen unter solchen Transiten alles abstreifen, was unecht ist an uns bzw. auch, was nicht mehr passend und authentisch ist. Es geht um die Schaffung eines seelischen Reichtums und nicht um einen äußeren. Häufig wird Pluto deshalb auch mit dem Schatten, dem Unbewussten oder dem kollektiven Unbewussten im Sinne C.G. Jungs in Verbindung gebracht.

Überwindung von Einseitigkeit

Was geschieht also auf Erden, wenn der männliche Gott des höchsten Himmels, Uranus, und der weibliche Gott der tiefsten Unterwelt, Pluto, sich begegnen? Diese Frage beschäftigte die Menschen wohl schon immer. Literarische Bearbeitungen dieses Stoffes finden wir zum Beispiel im Buch Hiob des Alten Testaments oder in Goethes Faust (Prolog im Himmel). Hiob ist ein reicher, rechtschaffener Mann, der von Gott völlig grundlos geprüft wird und schließlich allen Besitz und sogar seine Gesundheit verliert. Warum tut Gott ihm das an? Ist dieser alttestamentarische Gott ein Sadist? Faust hingegen ist ein sehr gebildeter Mann, der schließlich schuldig wird, indem er seinen Elfenbeinturm verlässt und zu leben beginnt. Am Ende wird er, genau wie Hiob, aber doch gerettet. Beide sind am Ende ihres Weges sehr viel vollständiger oder wie wir heute sagen würden “runder” als am Beginn ihres Weges. Genau betrachtet stehen ja sowohl Uranus als auch Pluto für Einseitigkeit, ja sogar Spaltung. Uranus kann mit der irdischen Wirklichkeit nichts anfangen, sie ist ihm zu materiell, zu hässlich, zu unvollkommen. Und Pluto regiert über die Schatten, kann also wiederum mit dem Licht, der Lebendigkeit, Freude und Unschuld wenig anfangen. Wir könnten also vermuten, dass in einem Treffen dieser beiden Planeten Ganzheit, Vollständigkeit und eine Überwindung der Spaltung entstehen soll. Der Weg dahin könnte allerdings schmerzhaft sein, je nachdem, wie viel zuvor im Schatten lag und wie groß die Einseitigkeit war.

[Hinweis: dieser Text ist bereits in dem früheren Artikel „Uranus und Pluto„, hier in diesem Blog, enthalten und wurde nur aus Gründen der Aktualität hier noch einmal veröffentlicht und vorgereiht.]

3 thoughts on “Mythologie von Pluto und Uranus

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