Mondfinsternis, 28.11.2012

Am 28.11.2012, 14:46 UT, findet eine Halbschattenmondfinsternis auf 6°47‘ Zwillinge statt. Diese Mondfinsternis ist in Europa wahrscheinlich nicht sichtbar, da der Höhepunkt der Finsternis bereits überschritten ist, wenn der Mond gegen 16:00 MEZ aufgeht. (Details zur Finsternis finden Sie hier: http://www.mondfinsternis.info/mofi2012h/index.htm ). Einige allgemeine Bemerkungen zu Sonnen- und Mondfinsternissen finden Sie im Artikel „Sonnen- und Mondfinsternisse“.

Saros Serie 145

Muttereklipse Saros 145

Figur 1. Muttereklipse Saros 145, 11.8.1832, 14:32 UT

Die Mondfinsternis vom 28.11.2012 gehört zur Saros Serie 145. Die Muttereklipse der Saros-Serie 145 fand am 11.8.1832, 14:32 UT statt und ist in Figur 1 abgebildet.

Ein wichtiges historisches Ereignis im August 1832, also in der Zeit der Muttereklipse der gegenwärtigen Finsternis, war die Thronbesteigung Ottos I. von Bayern als 1. König von Griechenland (Quelle: Wikipedia).

Astrologisch weist die aktuellen Mondfinsternis vom 28.11.2012 mit der Muttereklipse von 1832 folgende Ähnlichkeiten auf:

  • Mond in einem Luftzeichen (Wassermann bzw. Zwillinge)
  • Die Mondfinsternis bildet ein T-Quadrat mit einem dritten Himmelskörper (damals Chiron und Mars, heute Chiron und Neptun)
  • Sonne im Aspekt zu Uranus (damals in Opposition, heute im Trigon)
  • Mond im Aspekt zu Uranus (damals in Konjunktion, heute im Sextil)
  • Venus im Quinkunx mit Lilith
  • Saturn im Quinkunx mit dem Mond

Das Thema dieser Finsternis könnte sein, dass wir mit unberechenbaren Kräften der Natur oder sehr plötzlichen Ereignissen (Lilith, Uranus, Chiron) konfrontiert werden, die nachfolgend kollektiv ein Umdenken einleiten. Lilith und Uranus verlangen gleichermaßen nach Freiheit und Unabhängigkeit. Mit der Beteiligung von Lilith könnten Frauen für Aufsehen sorgen, die sich stärker und unberechenbarer verhalten als das vielen Männern lieb ist. Das T-Quadrat der Finsternis auf Chiron schließlich könnte uns mit einem gewissen Weltschmerz konfrontieren und uns aufzeigen, wie sehr wir noch immer nicht gelernt haben, das große Ganze und die Menschheit insgesamt im Blick zu behalten. Menschliches Leid oder Umweltzerstörung, vielleicht auch durch eine Naturkatastrophe verursachte Schäden und Leiden von Tier und Mensch könnten im Vordergrund stehen. Unter Umständen wird dann lautstark nach Schuldigen gesucht. Jedenfalls wird aber unglaublich viel geredet werden in der Zeit um diese Finsternis herum. Und nicht alles davon wird besonders sinnvoll und konstruktiv sein.

„Finger Gottes“

Vollmondeklipse 28.11.2012

Figur 2. Vollmondeklipse, 28.11.2012, 14:46 UT

In der aktuellen Finsternis findet sich zusätzlich eine sogenannte Yod-Figur, die die Finsternis überaus schicksalshaft erscheinen lässt (vgl. Figur 2).

Eine Yod-Figur entsteht, wenn zwei Planeten, die zueinander im Sextil stehen, jeweils einen 150-Grad-Winkel zu einem dritten Planeten bilden. Im Falle der aktuellen Finsternis bilden Mars und Pluto, die sich in annähernder Konjunktion befinden einen 150-Grad-Aspekt auf den Mond der Finsternis und zusätzlich bilden auch Venus und Saturn einen 150-Grad-Aspekt auf den Mond.

Bei Quinkunx(=150-Grad)-Aspekten gilt es, die Spannung zwischen den beteiligten Faktoren durch analysierendes Herangehen zu bewältigen. Wir fühlen uns zu einer Entscheidung gedrängt. Bei so vielen beteiligten Planeten (Mars, Pluto, Venus, Saturn, Mond, Lilith und in größerem Orbis auch noch Jupiter) wie in dieser Mondfinsternis, dürften die Spannungen enorm sein. Der Mond der Finsternis ist hier einer besonders großen Spannung ausgesetzt. Als Planet an der Spitze eines Yod hat er gleichsam die „Lebensaufgabe“, die Spannungen zu integrieren.

Ein Yod oder auch „Finger Gottes“ gilt deshalb als so schwierig, weil es sich hier per Definition um unvereinbare Elemente, Kreuze und Polaritäten handelt. Im aktuellen Fall haben wir es mit zwei weiblichen Elementen (Erde und Wasser) und einem männlichen Element (Luft) zu tun, außerdem mit einem kardinalen (Steinbock), einem fixen (Skorpion) und einem veränderlichen Zeichen (Zwillinge).

Bemerkenswert ist auch, dass praktisch alle Planeten des Tierkreises inklusive Lilith an der Finsternis beteiligt sind, nur Merkur bildet keinen Aspekt. Er ist jedoch der Herrscher der Finsternis (Mond in Zwillinge) und steht im, ebenfalls nicht gerade einfachen, Zeichen Skorpion.

Die Konjunktion von Mond, Lilith und Jupiter in Zwillinge verpasst uns um die Tage der Finsternis herum einen „information overload“. Es strömen einfach zu viele Informationen auf uns ein und es ist schwer das Wichtige vom Unwichtigen zu unterscheiden. Da die Mondfinsternis am absteigenden Mondknoten stattfindet, könnten wir es in erster Linie mit Inhalten zu tun bekommen, die die Vergangenheit betreffen und die Versäumnisse und Verfehlungen aufzeigen, die es dringend anzupacken gilt. Viele können wahrscheinlich der Versuchung nicht widerstehen, sich im blindwütigen Aktionismus zu ergehen (Pluto Konjunktion Mond im Steinbock, Mond im Sextil mit Uranus in Widder), auch deshalb weil die Gefahr hochkochender Emotionen unter diesen Konstellationen sehr groß ist. Die dunklen Gefühle, die mit Mond Konjunktion Lilith und dem Finsternis-Herrscher in Skorpion aufsteigen mögen, wollen wir so rasch als möglich wieder los werden. Und vielleicht zeigt uns die Mondstellung an der Spitze eines Yod im Zeichen Zwillinge am deutlichsten, was zu tun ist: es gilt hier vor allem einen kühlen Kopf zu bewahren, ganz nüchtern Prioritäten- und To Do-Listen anzufertigen und einen Punkt nach dem anderen abzuarbeiten.

Der Tod und die Liebe

Ein wenig romantischer und mystischer betrachtet, können wir die Mondfinsternis aber noch ganz anders lesen. So fällt mir seit vielen Jahren immer wieder auf, dass große, wahre Liebe sehr häufig mit dem Tod zu tun hat. Das berühmteste Beispiel ist hier wohl Romeo und Julia von William Shakespeare. Auch bei der gegenwärtigen Mondfinsternis scheinen wir es mit dieser Verbindung zu tun zu bekommen (Mars Sextil Venus mit Mars in Konjunktion zu Pluto und Venus in Konjunktion zu Saturn; Mondfinsternis im Quadrat mit Neptun und Chiron). Fast 20 Jahre lang habe ich nicht verstanden, wieso es hier eine Verbindung geben könnte, bis ich plötzlich begriff, dass der Tod und wahre Liebe gleichermaßen unseren (Ego-)Untergang bedeuten. Unser ICH löst sich plötzlich auf, wir existieren nicht mehr als Individuen, wir sind aller Grenzen entledigt, wir gehen mit einem Mal in etwas Größerem auf (vgl. auch Artikel „Neptun in Fische„). Wohl deshalb haben so viele Menschen auch so große Angst vor der Liebe, insbesondere vor dieser großen, überwältigenden Liebe, die jedes Besitzdenken transzendiert. Sterben Liebende, die wirklich aus ganzem Herzen lieben, deshalb so früh? Wahrscheinlich ist diese große, überwältigende, entgrenzende Liebe mit dem Leben auf Dauer nicht vereinbar. Die sehr viel „vernünftigere“ gewöhnliche Liebe ist bei weitem nicht so bedrohlich, deutlich kühler und deshalb auch dauerhafter.

In der Mondfinsternis vom 28. November bekommen wir es vielleicht auch mit diesen Themen zu tun: große, überwältigend anmutende Gefühle, die alle Grenzen unseres Egos zu sprengen vermögen. Das traurige Ende der Geschichte dürfte dann aber doch wieder die „Vernunft-Ehe“ sein, die von aller Magie und aller Kraft befreit wurde. Mond, Lilith und Jupiter in den Zwillingen werden wohl dafür sorgen.

Astro Landkarte

Astro Landkarte: Vollmondeklipse 28. November 2012

Figur 3. Astro Landkarte, Vollmondeklipse 28.11.2012, 14:46 UT

Die stärkste Wirkung einer Mondfinsternis ist geografisch an den Orten wahrzunehmen, an denen die Finsternis auf eine Achse (AC/DC- oder MC/IC-Achse) fällt. Wo das am 28. November 2012 der Fall ist, ist in der nebenstehenden Abbildung (Figur 3) zu erkennen.

Für den Westen der USA kommt die Mondfinsternis beispielsweise auf dem DC zu liegen. Für Osteuropa wird die Mondfinsternis und Lilith am Aszendenten liegen. Die AC-Linie geht hier durch Polen, die Slowakei, Ungarn, Rumänien, Bulgarien, die Türkei und dann weiter durch Israel und Ägypten bzw. recht exakt entlang des roten Meeres. An all diesen Orten könnte die Mondfinsternis besonders stark zu spüren sein. Üblicherweise wird angenommen, dass Mondfinsternisse bis zu einem Monat im Vorhinein und bis zu 6 Monate nach der Finsternis zu spüren sind.

Persönliches Erleben

Im persönlichen Erleben dürften Menschen mit Planetenstellungen in den Bereichen 2 bis 12 Grad Zwillinge, Jungfrau, Schütze und Fische die Finsternis besonders stark spüren. Ein bis zwei Tage Rückzug dürften hier ein sinnvollerer Umgang mit den Energien sein, als vorschneller Aktionismus. Es gilt, die Vielzahl der einstürzenden Informationen erst einmal zu ordnen und dann erst Entscheidungen zu treffen.

Weiterführende Analysen

Die Mondfinsternis vom 28. November 2012 (Astrologie heute – Artikel)

Literatur

Schierstedt, Claudia von (1999). Finsternisse astrologisch deuten. Chiron Verlag.

Astro Wiki. Quinkunx.

One thought on “Mondfinsternis, 28.11.2012

  1. Hallo Herr Hofbauer,

    Ich verfolge seit einiger Zeit Ihre sehr interessanten und einfühlsamen Beschreibungen der Himmelskonstellationen und frische damit meine astrologischen Grundkenntnisse wieder auf. Nun bin ich auf eine Beschreibung über die Liebe gestoßen, die meinen Widerspruch herausfordert.
    Liebe hat meiner Meinung nach überhaupt nichts mit Tod und Selbstaufgabe zu tun. Im Gegenteil: Das Zusammentreffen von Hingabe, Annahme und das gemeinsame Wissen darüber in einer Situation verweisen auf einen ganz anderen Sinn, der in dieser Begegnung steckt: Die Stiftung von Gemeinschaft – also gerade keine Todesidee, sondern Relation, Bezug, der den Menschen sich im hier und jetzt wohl aufgehoben fühlen lässt.
    Viele Grüsse aus Frankfurt

    Mathias Engel

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