Und nochmal 2012

Es is kein’ Ordnung mehr jetzt in die Stern’,
D’ Kometen müßten sonst verboten wer’n;
Ein Komet reist ohne Unterlaß
Um am Firmament und hat kein’ Paß;
Und jetzt richt´t a so a Vagabund
Und die Welt bei Butz und Stingel z’grund;
Aber lass’n ma das, wie’s oben steht,
Auch unt’ sieht man, dass ’s auf ’n Ruin losgeht.

(Johann Nestroy, Kometenlied)

Weltuntergang und falsches Zeitverständnis

Phänomenologisch wäre es längst an der Zeit, uns mit der Frage auseinanderzusetzen, warum die Menschheit offenbar so große Lust am Untergang hat. Wenn wir uns nur die Kinofilme der letzten Jahre ansehen, kommen wir nicht umhin, hier ein Muster festzustellen. Kometeneinschläge, Invasionen von Außerirdischen, Auseinanderbrechen der Erdkruste, Klimawandel, Atomkrieg… – was haben wir da nicht alles zu sehen bekommen? Sind wir unseres Lebensstils so überdrüssig, dass wir ständig mit dem Weltuntergang liebäugeln müssen? Oder fängt der Film Dimensionen des kollektiven Unbewussten ein, wie Liz Greene das schon vor vielen Jahren in ihrem Buch „Neptun“ zu zeigen versuchte? Wenn dem aber so wäre, was mag sich da wirklich anbahnen im Bewusstsein der Menschheit? Schmerzhaft und schaurig schön könnten unsere Welterklärungsmodelle der letzten 100 bis 150 Jahre vor unseren Augen zu Staub zerfallen, ähnlich wie das der Kirche mit der heraufdämmernden Neuzeit passiert ist. Und dann mag im Jahr 2100 tatsächlich eine Menschheit leben, die nur noch den Kopf schüttelt über die Kurzsichtigkeit und Borniertheit des frühen 21. Jahrhunderts…

Ein wesentliches Problem bei all den Untergangsphantasien der letzten Jahre ist meines Erachtens auch ein völlig falsches Verständnis von Zeit. Und das mag etwas mit unserer immer noch sehr patriarchalischen Kultur zu tun haben. Wenn wir an Schwangerschaft, Geburt, Heranwachsen, Adoleszenz und Reife eines Menschen denken, verstehen wir sofort die zyklische Natur der Zeit. Kein Mensch würde erwarten, dass eine Frau, die gestern noch nicht schwanger war, heute ein gesundes Kind gebären könnte. Wir wissen, dass das im Normalfall 9 Monate dauert. Bei zahlreichen anderen Weltereignissen scheinen wir das dann schnell zu vergessen, dann werden Weltuntergänge schnell mal auf ein einzelnes Datum gelegt. So wie auch Astrologen, Philosophen und Esoteriker jahrzehntelang darüber gestritten haben, wann denn nun das Wassermannzeitalter beginne. Und es wurden immer wieder einzelne Jahre dafür genannt, z.B. 1789 oder 1900 oder 1984 oder 1999 usw. Ein Zeitalter aber, das 2150 Jahre dauert, dürfte ja wohl einige Jahrhunderte Übergangszeit haben und nicht ein fixes Datum, an dem es beginnt. Ausbildung, Bewusstseinsbildung, Entwicklung geschehen über längere Zeiträume und selbst da, wo von Menschen berichtet wird, die quasi über Nacht erleuchtet wurden, gingen diesem plötzlichen Ereignis wohl viele Jahre der Meditation und des steten Bemühens voraus. Und so können wir auch nicht erwarten, dass wir bis 20.12.2012 in einer alten, gänzlich verkommenen Welt und ab 21.12.2012 in einer vollständig erleuchteten und paradiesischen leben werden.

Im neuen Testament heißt es sinngemäß: „Wer Augen hat zu sehen, der sehe und wer Ohren hat zu hören, der höre!“ Und wer in diesem Sinne mit Bewusstsein in unsere Welt blickt, wird wahrnehmen, dass sie sich in den letzten 100 Jahren sehr stark verändert hat. Vielleicht auch durch die Entdeckung der Psychoanalyse, haben wir begonnen zu verstehen, dass in dieser Welt alles mit allem verbunden ist und vieles nicht so ist, wie es scheint. Mit der digitalen Revolution der letzten 20 Jahre haben wir nun auch tatsächlich verstanden, was die Worte „Verbundenheit“ und „Vernetzung“, die uns zunächst sehr abstrakt anmuten mögen, bedeuten. Alles ist heute mit allem verbunden, wir reden von Energiefeldern, von Vernetzung, von Globalisierung so selbstverständlich, als wären wir dieser Dinge immer schon gewahr gewesen. Tatsächlich aber sind all diese Phänomene vollkommen neu. Gemessen an der Geschichte der Menschheit handelt es sich um Sekundenbruchteile. Und deshalb wird am 21.12.2012 mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nichts Spektakuläres geschehen. ABER: eine globale Bewusstseinsveränderung der Menschheit, die sich auch über einen Zeitraum von +/- 100 Jahren abspielt, kann dennoch als sehr plötzliche Veränderung gelten, wenn wir die langen Zeiträume unserer Reise auf diesem Erdball betrachten. 100 Jahre sind gar nichts, nicht einmal ein Lidschlag…

Denken wir nur an die Entdeckung Galileos, dass die Erde nicht Mittelpunkt des Universums ist. Wahrscheinlich hat den konkreten Zeitpunkt dieser Entdeckung damals kaum ein lebender Mensch mitbekommen und dennoch hat er für die Menschheit alles verändert. Und so mag es vielleicht auch in unserer Zeit ein sehr kleines Ereignis sein – das durchaus um den 21.12.1012 herum stattfinden könnte – das unseren Blick auf diese Erde und die Menschheit für immer verändern wird und zwar so nachhaltig, dass wir uns das heute noch gar nicht vorstellen können.

Weitere Artikel zum Thema 2012 in diesem Blog

Das Jahr 2012

Wandel

2012 ff

2012 in der Zeitschrift „Astrologie heute“

Ein weiterer Artikel zum 21. Dezember 2012 von Christoph Schubert-Weller, der mir so gut gefallen hat, dass ich ihn hier verlinken möchte:

Weltkatastrophe oder Bewusstseinssprung?

Prognose 2013

Ja, und zu guter Letzt habe ich noch eine Prognose für meine Leser, die mit absoluter Sicherheit eintreffen wird: Im Jänner 2013 wird es ein Astrologen-Bashing (=sich lustig machen über Astrologen und Astrologinnen) geben, das sich gewaschen hat. Den selbsternannten KritikerInnen wird es dabei vollkommen egal sein, was Astrologie eigentlich ist und ob sie selber etwas davon verstehen. Für sie wird alles, was nur ein wenig abseits eines naturwissenschaftlichen Mainstreams passiert, von vorneherein lächerlich sein. Und sie werden sich auch nicht darum kümmern, was seriös, nach ethischen Prinzipien arbeitende AstrologInnen tatsächlich behauptet haben oder nicht…

Darauf jedenfalls gehe ich jede Wette ein!

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