Paradigmenwechsel

Und wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, so würde ich doch heute mein Apfelbäumchen pflanzen.

(Martin Luther)

Im Vorjahr sprachen viele Menschen vom Weltuntergang, dem Anbrechen einer neuen Zeit oder gar vom Aufstieg in eine andere Dimension. Aus astrologischer Sicht ist es nicht ganz abwegig, auf solche Ideen zu kommen, zumal Uranus und Pluto, die derzeit am Himmel ein Quadrat bilden, tatsächlich alte Weltbilder zertrümmern und auch historisch immer wieder für große Paradigmenwechsel – wenn man so will „Weltuntergänge“ – verantwortlich waren. Wenn wir davon ausgehen, dass wir als Menschen uns in einer Welt bewegen, die uns berechenbar erscheint (!), weil wir bestimmte Vorstellungen von dieser Welt haben, dann geht in jedem Moment die Welt unter, in dem diese Vorstellungen zerbrechen.

Historischer Rückblick

Wenn wir ein paar sensible historische Epochen der Menschheit betrachten, die mit einschneidenden Paradigmenwechseln einhergingen, so können wir beobachten, dass Uranus und Pluto jedesmal einen Hauptaspekt (Konjunktion, Quadrat, Opposition) bildeten.

Für den Menschen des Mittelalters war die Erde eine Scheibe und das ganze Universum drehte sich um die Erde. Das Entdecken der annähernden Kugelform der Erde und der Bewegung um die Sonne zuerst von Kopernikus, um 1509 (zur Zeit eines Uranus-Pluto-Quadrats) und dann von Galilei, um 1597 (zur Zeit einer Uranus-Pluto-Konjunktion) war ein Schock für die Menschen der damaligen Zeit. Wir könnten das auch eine Art Weltuntergang nennen. Sigmund Freud hat diese Entdeckungen später als erste narzisstische Kränkung der Menschheit bezeichnet.

Im 19. Jahrhundert schließlich entdeckte Charles Darwin, dass wir evolutionär vom Affen abstammen (geschrieben wurde das Werk „On the Origin of Species“ wohl wieder um eine Uranus-Pluto-Konjunktion, veröffentlicht wurde es erst 1859, als die Konjunktion schon vorbei war). Auch das war für die damalige Zeit eine Kränkung sondergleichen. Und sie hatte Anfang unseres Jahrhunderts eine Fortsetzung, als im Human Genome Project festgestellt wurde, dass unser Genom sich von dem der Affen so gut wie nicht unterscheidet.

Und dann sagte uns, um die Jahrhundertwende zum 20. Jahrhundert, Sigmund Freud auch noch, dass wir nicht einmal Herr im eigenen Haus sind, dass das Unbewusste sehr viel mehr Macht über uns hat als wir wussten (am Himmel gab es gerade eine Uranus-Pluto-Opposition). Seither ist der Siegeszug der Psychologie nicht mehr aufzuhalten und da und dort gibt es Menschen, die behaupten, dass wir heute die Dinge zu sehr psychologisierten. Jedenfalls aber sind Begriffe wie das Unbewusste, das Es, das Verdrängte, Projektion, Narzissmus, etc. längst in die Allgemeinsprache eingeflossen. Möglicherweise ohne, dass sie von allen immer ganz verstanden werden.

Und zuletzt sagte uns die Quantenmechanik in den späten 20-er Jahren des 20. Jahrhunderts auch noch, dass es so etwas wie Materie überhaupt nicht gibt (es bildete sich grade ein Uranus-Pluto-Quadrat).

„Ein Atom ist sozusagen kein kleiner Apfel, kein Objekt wie ein winziges Sandkorn, auch kein Planetensystem. Nein, nichts dergleichen: Wenn wir die Materie immer weiter auseinandernehmen, bleibt am Ende nichts mehr übrig, was uns an Materie erinnert. Am Schluss ist kein Stoff mehr, nur noch Form, Gestalt, Symmetrie, Beziehung. Materie ist nicht aus Materie zusammengesetzt!“ (Dürr, 2013)

Weltuntergang – Paradigmenwechsel

Ich wage zu behaupten, dass die Einsichten der Tiefenpsychologie und der Quantenmechanik von der Menschheit insgesamt noch nicht einmal ansatzweise verdaut sind oder in ihren Konsequenzen absehbar sind. Die Biologie, die Wirtschaft und die universitäre Psychologie (die mit Tiefenpsychologie meist gar nichts am Hut hat!) verweigern sich ja nach wie vor hartnäckig ihren Einsichten.

Insofern ist die Vorstellung von einem Weltuntergang alles andere als abwegig. Lediglich die Art, wie sich sehr viele unserer Mitmenschen den Weltuntergang vorstellen, ist allzu naiv und kindlich. Dass da draußen ein großer, allmächtiger, bärtiger Mann auftreten wird mit 7 apokalyptischen Reitern und die Menschheit in Gut und Böse einteilen wird, wobei die ersteren mit ewiger Glückseligkeit und die letzteren mit ewiger Verdammnis bedacht werden – diese Vorstellung ist lächerlich und einer allmählich erwachsen werdenden Menschheit unwürdig.

Dass wir uns aber tatsächlich in einem Paradigmenwechsel sehr großen Ausmaßes befinden, der die Welt wie wir sie kennen zum Verschwinden bringen wird, ist offensichtlich. Und vielleicht befinden wir uns sogar in einer Achsenzeit, wie Karl Jaspers die Zeit zwischen 800 und 200 vor Christus genannt hat. „Achsenzeiten sind dadurch gekennzeichnet, dass die bisher vorherrschende analytische, spaltende Sichtweise durch eine synthetische, das bisher Getrennte nun wieder zusammenfügende Sichtweise abgelöst wird.“ (Hüther, 2012)

Wir geraten nahezu auf allen Ebenen an Grenzen, die uns klar machen, dass unser Verständnis von der Welt und unsere alten (materialistischen) Erklärungsmodelle, so nützlich sie eine Zeitlang gewesen sein mögen, einfach nicht mehr funktionieren.

Das alte Verständnis von Bildung, das sich Kinder wie eine leere Schachtel vorstellt, in die nur genügend Wissen hineingestopft werden müsse, stellt sich immer mehr als Irrtum heraus und wir realisieren langsam, dass das nicht funktioniert.

Unser Verständnis von Wirtschaft, Wachstum und Geld zerbröselt uns unter der Hand. Die Erkenntnisse der Quantenmechanik weiter gedacht, gibt es so etwas wie Materie gar nicht. Die Grundlage allen Lebens ist geistig, die Basis ist pure Potenzialität. Und wenn ich daher auf Nummer sicher gehen will und möglichst viel Materie (in Form von Geld, Besitz, Immobilien, etc.) anhäufe, verschreibe ich mich ganz einer Sache, die so eigentlich gar nicht existiert. Dürr bezeichnet Materie immer wieder als sklerotischen Geist. Hier ist das Lebendige bereits verlorengegangen, abgestorben.

Interessanterweise scheint die moderne Physik auch all das zu bestätigen, was Mystiker schon immer wussten, nämlich dass die Ebene der Materie eine Illusion ist. Wenn wir tiefer gehen, entdecken wir, dass alles nur Energie ist. Und was die moderne Physik noch nicht bestätigen kann, die Erleuchteten aller Religionen aber immer schon gewusst haben, ist, dass auf einer noch tieferen Ebene auch keine Energie existiert, sondern nur Bewusstsein.

Wir sind nicht unser Körper, wir sind auch nicht unsere Gedanken. Alles, was sich in der Existenz befindet, ist nur eine Erscheinungsform des Bewusstseins.

Und es scheint, dass trotz aller fortdauernden Kriege und Differenzen zwischen den Kulturen und Religionen dieser Welt, doch auch gleichzeitig viele Grenzen verschwinden. Westliche Menschen beschäftigen sich seit mehreren Jahrzehnten sehr intensiv mit den Religionen und Philosophien des Ostens und der Osten streckt seine Fühler teilweise immer deutlicher in den Westen aus. Hier fließt sichtbar etwas zusammen, was möglicherweise eine neue Synthese (oder Integration) bilden will. Und wenn mich nicht alles täuscht, unterliegt auch die Astrologie selbst seit den 70-er Jahren des 20. Jahrhunderts einem fundamentalen Wandel.

Aktuelle astrologische Konstellationen

In astrologischen Zeitschriften und Blogs wird viel über das Uranus-Pluto-Quadrat geschrieben, das sich gegenwärtig (ca. 2008 bis 2017) am Himmel befindet. Es entspricht den neuen Ideen (Uranus), die das alte Weltbild (Pluto) und die Machthaber sowie die Vertreter des alten Paradigmas (Pluto in Steinbock) herausfordern. Dabei macht diese Konstellation gewissermaßen sehr viel Lärm. Sie ist hauptverantwortlich für die Schlagzeilen unserer Tage. Gemäß dem tibetischen Sprichwort: „Der fallende Baum macht Krach, der Wald wächst lautlos.“

Und der lautlos wachsende Wald, das sind eher Neptun und Chiron in den Fischen (vgl. die Artikel Neptun in Fische und Chiron in Fische).

Neptun in Fische bringt uns mit unserer wahren Natur in Verbindung und lässt uns immer deutlicher verstehen, dass in dieser Welt, ja in diesem Universum alles mit allem verbunden ist. Wir können nicht einen einzigen Stein aufheben, ohne eine Wirkung auf alles andere zu verursachen.

Die Mondknotenachse im Bereich Stier/Skorpion (vgl. Artikel Die Mondknotenachse) erinnert uns ebenfalls daran, dass Besitzdenken (südlicher Mondknoten in Stier) ein Auslaufmodell ist und Loslassen, Wandlung, Transformation auf der Ebene unserer Vorstellungen (Skorpion) angesagt sind. Mit dem Zusammentreffen von Saturn mit dem nördlichen Mondknoten, Ende September 2013, werden wir entweder die Auswirkungen dieser Transformation bereits beobachten können oder wir werden gleichsam schicksalhaft gezwungen unsere alten Vorstellungen über Bord zu werfen und uns zu verwandeln. Um diese Zeit – also Anfang September bis Ende Oktober – sind auch wieder merkliche Kursstürze an den Börsen möglich.

Steht der absteigende Mondknoten in Stier, besteht die Gefahr, sich in Krisensituationen auf die gehorteten persönlichen Besitzstände zu verlassen, deren Sicherung jedoch fast die gesamte Lebensenergie bindet und damit Entwicklung und Wandlung blockiert.

Wandel ist notwendig

Und wir leben in einer Zeit, die Wandel von uns verlangt, Wandel unserer Vorstellungen ebenso wie Wandel unseres ganz konkreten Tuns in Wirtschaft, Bildung, Gesundheitswesen und Energiewirtschaft. Wir leben, wenn man das Wort benutzen will, in einer Weltuntergangszeit, die selbstverständlich nicht an einem Tag erledigt sein wird, sondern sich über Jahre, wenn nicht Jahrzehnte erstrecken wird. Fakt ist aber, dass unsere bisherigen Welt-Vorstellungen untergehen müssen, zum Teil sogar, weil es ums nackte Überleben geht. Und je mehr wir uns neuen Ideen, neuen Vorstellungen verweigern, je mehr wir an kapitalistischen und darwinistisch-materialistischen Vorstellungen festhalten, desto mehr Leid verursachen wir für uns selbst und für andere Menschen.

Da ist kein Gott, der uns bestraft, wir selbst erzeugen das Leid durch das Festhalten an überholten Vorstellungen.

Wie lange haben wir als Menschheit geglaubt, da gäbe es irgendwo einen Schöpfer und getrennt (!) davon eine Schöpfung? Allmählich begreifen wir, dass Schöpfung jetzt im Moment geschieht und wir Teil jenes Bewusstseins sind, das man auch Gott nennen könnte. „Ich und der Vater sind eins“, sagte schon Jesus vor 2000 Jahren. Ganz langsam versteht auch die Physik, dass er für uns alle gesprochen hat.

Wie lange auch haben wir geglaubt, wir stünden als Menschen irgendwie außerhalb der Natur, die wir von daher objektiv beobachten könnten. Dem ist nicht so. Wir sind selbst Teil dieser Natur und schon die Beobachtung macht etwas mit uns und auch mit der Natur, wie uns Heisenberg bereits vor fast 100 Jahren entdeckte. Dennoch wollen wir diese Vorstellung immer noch nicht zulassen.

Ideen, das sind Ketten, denen man sich nicht entreißt, ohne sein Herz zu zerreißen, das sind Dämonen, welche der Mensch nur besiegen kann, indem er sich ihnen unterwirft. (Karl Marx, zit. nach Hüther, 2012)

Wobei dieses Zitat allerdings einem alten Denkmuster entspringt, das auf Wettkampf, Sieg und Niederlage beruht. Mit dem neuen Paradigma gelesen, würden wir gewahr, dass Dämonen in Angst wurzeln und nicht bekämpft oder besiegt werden können durch Unterwerfung, Unterdrückung oder Verdrängung. Dämonen sind Bestandteil unseres Bewusstseins. Sie gehören zu uns selbst und erst wenn ich mich ihnen liebevoll zuwende – so pathetisch das für manchen klingen mag – integriere ich sie und verwandle ich sie in pure Energie und Kraft, die mir dann für lebendigeres, bewussteres Leben zur Verfügung steht (vgl. Allione, 2009).

Übersehen wir also nicht die zarten Knospen, die Neptun uns zeigen möchte, indem wir unentwegt auf die ganz großen Katastrophen blicken. Diese gibt es wohl auch, aber es ist nur morsches Holz, das hier in sich zusammenkracht. „Wer Augen hat zu sehen, der sehe. Wer Ohren hat zu hören, der höre“ (Mk 8, 18). Verrückt oder neurotisch ist nicht, Fehler zu machen. Verrückt ist lediglich, die Erfahrung zu machen, dass etwas nicht funktioniert und die Erfahrung dennoch immer wieder zu wiederholen.

Literatur

Allione, Tsültrim (2009). Den Dämonen Nahrung geben. Buddhistische Techniken zur Konfliktlösung. arkana.

Dürr, Hans-Peter (2013). Geist, Kosmos und Physik. Gedanken über die Einheit des Lebens. Crotona.

Hüther, Gerald (2012). Die Evolution der Liebe. Was Darwin bereits ahnte und die Darwinisten nicht wahrhaben wollten. Vandenhoeck & Ruprecht.

5 thoughts on “Paradigmenwechsel

  1. Dank für diesen sehr interessanten und weitsichtigen Artikel. Auch ich glaube, dass wir langsam erkennen werden, was wir Mensch (Bewusstsein) wirklich sind.
    Was bewirken wir durch unser Denken? Habe ich die freie Wahl zu denken, was ich denken möchte? Wenn ja, warum denke ich mir dann so viel Böses wie Krankheiten, Kriege usw. aus, was ich doch nicht haben will? In dieser Zeit, wo scheinbar alles an seine Grenzen stößt, haben wir auch die Möglichkeit, alles mal auf seine Wirklichtkeit hin zu überprüfen. Nur was ich selbst als Wahrheit annehme und glaube wird für mich wirklich sein. Solange ich meine Welt in Gut und/oder Böse teile werde ich selbst darunter leiden. Mache gerade meine Erfahrungen damit. Mir wird bewusst, dass ich durch meine Urteile mich nur selbst richte. Es ist sehr schmerzlich, aber auch eine tiefe Erkenntnis, in eigener Erfahrung gemacht. Ich glaube nicht, dass Gott außerhalb von uns ist und über Gut und Böse richtet. Das tut Jeder selbst.
    Wenn es mir gelingt, meine Dämonen (das Böse in mir) gleich-gültig wie das Gute zu betrachten, dann wird sich meine Welt nach und nach verändern.
    Ich glaube, neue Gedanken, geistreiche, sinnvolle und liebevolle Gedanken werden uns helfen uns zu wandeln. Und diese Gedanken werden uns geschenkt wenn wir uns öffnen und nach unserer wirklichen Wirklichtkeit suchen. Wir werden uns unseres göttlichen Geistes erinnern und Geist und Materie in Harmonie vereinen. Alle Gegensätze heute ob Mathematik, Physik, Astrologie über Medizin, Naturheilkunde bis hin zu Religionen und Materialismus schlechthin, alle Gegensätze werden sich harmonisch vereinen ohne sich aufzulösen. Unser Denken wird sich wandeln und damit auch unsere Sicht auf die Welt.

  2. Pingback: Mundanastrologie | hofastro

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s