Mundanastrologie

Wann immer Astrologen eine Aussage treffen, beziehen sie sich auf bestimmte planetare Konstellationen (z.B.: Jupiter Opposition Pluto oder Uranus Quadrat Pluto), die von der Erde aus beobachtbar sind. Für den Laien mag das oft den Anschein erwecken, es gäbe am Himmel nur diese eine Konstellation, während alle anderen Planeten entweder keine Rolle spielten oder gar nicht da wären.

Und natürlich ist es nicht so einfach. Wann immer wir in den Himmel blicken, sehen wir entweder mit freiem Auge oder unter Zuhilfenahme von Teleskopen alle 10 Himmelskörper, die in der Astrologie relevant sind, nämlich Sonne, Mond, Merkur, Venus, Mars, Jupiter, Saturn, Uranus, Neptun und Pluto. Auch das ist nicht ganz präzise, da wir natürlich nur die Himmelskörper sehen können, die über dem Horizont stehen. Aber es gilt jedenfalls, wenn wir einen Zeitraum von 24 Stunden betrachten.

Mundanastrologische Konstellationen

Abb. 1. Astrologische Konstellationen, 14.9.2013

Und alle diese 10 Himmelskörper bilden, auf den Tierkreis projiziert und mit der Erde als Zentrum jeweils unterschiedliche Aspekte. Dabei mögen ein paar besonders ins Auge stechen, weil sie in der Astrologie als schwierig gelten (Oppositionen, Quadrate) oder weil sie als besonders harmonisch und ästhetisch erscheinen (großes Wassertrigon dieses Sommers). Dennoch sind alle anderen Planeten auch da.

So finden wir gegenwärtig unter anderen folgenden Konstellationen am Himmel (vgl. nebenstehende Grafik), von denen einige sehr lange dauern, andere wiederum nur wenige Tage währen:

  • Uranus Quadrat Pluto (2008 bis 2018, Kernphase 2012 bis 2015)
  • Jupiter Opposition Pluto (07/2013 bis 05/2014)
  • Jupiter Quadrat Uranus (08/2013 bis 06/2014)
  • Neptun Trigon Saturn (11/2011 bis 10/2013, Kernphase Sommer 2013)
  • Saturn Sextil Pluto (11/2012 bis 11/2013)
  • Saturn Konjunktion Mondknotenachse (09/2013 bis 10/2013)
  • etc.

Und das sind nur die Aspekte! Ebenso relevant mag, für sich betrachtet, der Durchgang Plutos durch den Steinbock sein, der Durchgang Neptuns durch das Zeichen Fische, der Durchgang Jupiters durch den Krebs etc.

All diese Aspekte, Stellungen, Grade, Rezeptionen und Aspektfiguren prägen der Zeitqualität ihren Stempel auf. Und vielleicht ist es geradezu unmöglich, all diese Momente in der Zusammenschau zu beurteilen und daraus eine Aussage über die gegenwärtige Lage der Welt oder gar des menschlichen Bewusstseins zu treffen.

Was wir daher als (Mundan-)Astrologen nur tun können, ist unsere Wahrnehmung zu schulen, unsere Achtsamkeit und Präsenz in der Welt zu schärfen und mit wachen Sinnen aufzunehmen, was in uns irgendeine Resonanz erzeugt, sodann zu prüfen inwiefern das Beobachtete durch unsere eigene Voreingenommenheit gefärbt sein mag, und erst dann eine Aussage zu tätigen. Letztere (die Aussage nämlich) mögen wir dann vielleicht in der Lage sein, einer bestimmten Konstellation am Himmel zuzuordnen.

Und das ist sinnvollerweise nur möglich, wenn wir historische Vergleichsdaten heranziehen. So könnten wir etwa überprüfen, wie sich die Weltwirtschaft in der Vergangenheit jeweils unter Uranus-Pluto-Quadrat oder unter abnehmenden Saturn-Pluto-Zyklen entwickelte. Und mit einiger Erfahrung und historischer Kenntnis wissen wir dann, dass die Kursschwankungen an der Börse offenbar ziemlich parallel gehen mit dem Saturn-Pluto-Zyklus.

Der gegenwärtige Pluto-Saturn-Zyklus dauert von 8.11.1982 bis 12.1.2020. Seinen Höhepunkt erreichte der Zyklus mit der dreimaligen Opposition zwischen August 2001 und Mai 2002. Seither ist der Zyklus abnehmend. Gegenwärtig erreicht er seinen letzten Hauptaspekt, nämlich das Sextil, vor der neuerlichen Konjunktion im Jahr 2020.

Ganz grob können wir sagen, dass von einer Saturn-Pluto-Konjunktion bis zur Saturn-Pluto-Opposition sich die Börsenkurse nach oben bewegen, während in der Zeit von der Opposition bis zur neuerlichen Konjunktion in der Regel mit massiven Einbrüchen an den Börsen oder sogar wirtschaftlicher Depression zu rechnen ist. Dies gilt offenbar umso mehr, wenn sich parallel dazu auch ein Quadrat von Pluto und Uranus am Himmel befindet.

Ohne Bescheidenheit und Demut wird es allerdings kaum möglich sein, solche Aussagen zu treffen und wir sollten dabei ständig im Hinterkopf haben, dass vielleicht auch alles ganz anders sein könnte.

Mancher Leser mag sich fragen, wofür man dazu überhaupt die Astrologie benötigt. Ein belesener, achtsamer Mensch mit wachen Sinnen könnte durchaus zu den gleichen Aussagen kommen, ohne jemals etwas von der Bedeutung eines Jupiter oder Saturn in der Astrologie gehört zu haben. Und das ist wahr! Die Astrologie ist ein Weg von vielen.

Vorteile guter Astrologie

Allerdings hat astrologisches Tun und Forschen einen entscheidenden Vorteil, es kann Verwirrung und Ohnmachtsgefühle reduzieren. Dies gilt nicht nur für die Mundanastrologie, sondern ganz besonders auch für die individuelle Astrologie.

Wir Menschen geraten regelmäßig in Krisenzeiten, in denen der gewohnte Alltag nicht mehr so funktioniert wie davor. Dies kann äußerst schmerzhaft, irritierend und angsterzeugend sein. Und hier ist ein guter Astrologe, mehr als jeder andere Berater, in der Lage anzugeben, wofür die Zeit genau jetzt reif ist. Was es im jetzigen Moment zu verstehen und zu integrieren gilt und damit auch, welcher Art die Erfahrung ist, die der Mensch gerade durchlebt.

Und hier ein paar Warnungen für potenzielle Klienten von Astrologen:

  • Meiden Sie jene Astrologen, die Ihnen sagen, was Sie tun sollen und noch mehr meiden Sie die, die Ihnen sagen, was Sie tun MÜSSEN!
  • Begnügen Sie sich nicht mit Aussagen darüber, wann ein bestimmter Transit oder eine bestimmte Krise vorbei ist! Erstens, weil das nur minimal hilfreich ist und zweitens, weil sie dann die Ihnen ungünstig erscheinende Zeitqualität verpassen, in der Sie wichtige Entwicklungsschritte machen können. Und drittens könnte das auch bedeuten, dass die Krise sehr viel länger dauert als vom Astrologen prognostiziert, eben WEIL Sie nichts getan haben, die Krise optimal und ihrer Zeitqualität entsprechend zu nutzen.
  • Bevorzugen Sie Astrologen, die bescheiden auftreten und sehr klar auf die Aussagegrenzen der Astrologie hinweisen (vgl. Artikel Astrologie, kritisch betrachtet).
  • Scheuen Sie Astrologen, die Ihnen einreden wollen, Sie müssten bei jeder Entscheidung sofort zu Ihnen kommen wie der Teufel das Weihwasser! Die wollen Sie nur abhängig machen und vertreten offenbar eine sehr fatalistische, überholte Form der Astrologie.

Methoden der Mundanastrologie

Zurück zur Mundanastrologie, die Aussagen über das Weltgeschehen, über die Entwicklung von Staaten und, wenn man so will, über die Bewusstseinsentwicklung der Menschheit treffen will. Dies nicht etwa deshalb, weil Mundanastrologen besonders intelligent und gebildet erscheinen wollen, obwohl dies natürlich auch der Fall sein kann. Der Hauptgrund für derartige Untersuchungen ist, dass das Kollektiv auf das Individuum zurück wirkt und manchmal Massenbewegungen das Individuum psychologisch beinahe zum Verschwinden bringen, wie das regelmäßig in diktatorischen Systemen der Fall ist. Plötzlich tun Individuen Dinge, die ihnen vorher undenkbar schienen, ganz einfach deshalb, weil sie kollektiv gut geheißen werden.

Auf der positiven Seite können wir aber auch mundanastrologische Zeitfenster identifizieren, in denen beachtliche Bewusstseinsschritte und Paradigmenwechsel (vgl. Artikel Paradigmenwechsel) möglich werden, die zuvor undenkbar erschienen.

Einige Methoden, mit denen die Mundanastrologie arbeitet sind:

  • die Untersuchung der Planetenzyklen (z.B. Pluto-Saturn-Zyklus, Uranus-Pluto-Zyklus, etc.)
  • die Untersuchung von Ingressen (= Planetenübertritt in ein neues Tierkreiszeichen) insbesondere von Langsamläufern wie Jupiter, Saturn, Uranus, Neptun und Pluto
  • die Untersuchung von Eklipsen und Eklipsenzyklen
  • die Betrachtung der Fixsterne und ihrer Bewegung
  • die Betrachtung von Gradbereichen
  • die Betrachtung von Gründungshoroskopen und Staatshoroskopen
  • die Untersuchung von Indices des zyklischen Gleichgewichts
  • die Untersuchung von rückläufigen Planeten
  • etc.

Und das sind nur einige Methoden, die die Mundanastrologie anwendet um zu Erkenntnissen und Aussagen zu gelangen.

Eine Methode, die von Barbault vorgeschlagen wurde, ist beispielsweise auch die Betrachtung des sogenannten Index des zyklischen Gleichgewichts. Dabei werden die Aspekte und Winkeldistanzen aller Langsamläufer verwendet und daraus Indexzahlen errechnet. Ich habe darüber an anderer Stelle ausführlich geschrieben (vgl. die Artikel Astrologische Zyklen und Prognose sowie Zeit und Zyklen). Dieser Index des zyklischen Gleichgewichts liefert schon rein optisch auf einen Blick eine Übersicht darüber, ob wir kollektiv eher progressive oder regressive Phasen durchleben.

Aktuelle mundanastrologische Konstellationen

Neumond Oktober 2013

Abb. 2. Neumond, 5.10.2013, 0:35 UT

Das große Wassertrigon des Sommers 2013 beginnt sich allmählich aufzulösen, da Jupiter aus dem Orbis eines Trigons mit Neptun und Saturn bereits herausgewandert ist. Immer spürbarer wird ein kardinales Quadrat zwischen Uranus, Jupiter/Lilith und Pluto sowie zeitweilig Merkur (12. bis 20.9.2013) und Sonne (27.9. bis 9.10.2013; vgl. etwa die Stellungen des Neumonds vom 5.10.2013 in der nebenstehenden Grafik).

Mit zeitweiligen Unterbrechungen fast ständig aktiviert wird dieses große Quadrat dann von Mars ab Mitte Dezember 2013 bis Anfang Juli 2014 (bei 10 Grad Orbis). Die genauste Annäherung an ein großes Quadrat finden wir dabei um den Jahreswechsel 2013/14.

Die politischen und wirtschaftlichen Spannungen in der Welt könnten unter diesen Konstellationen wieder deutlich zunehmen. Auch gewalttätige Ereignisse, sei es durch Krieg oder durch große Naturkatastrophen werden in dieser Zeitperiode wahrscheinlicher.

Kurzfristigere Ereignisse sind die Station zur Direktläufigkeit von Pluto am 20.9.2013 und die Konjunktion von Saturn mit dem aufsteigenden Mondknoten im Skorpion am 25.9.2013. Der Durchgang des nördlichen Mondknotens durch den Skorpion nähert sich durch das Zusammentreffen mit Saturn seinem Höhepunkt (bei 3 Grad Orbis steht der Mondknoten von 5.9. bis 14.10.2013 in Konjunktion mit Saturn).

Insbesondere das Saturn-Pluto-Sextil und das Zusammentreffen Saturns mit dem nördlichen Mondknoten könnten dramatische Versäumnisse im wirtschaftlichen Bereich aufzeigen und uns zu unangenehmen Konsequenzen zwingen. Unsere Fixierung auf Besitz und Geld erfährt eine Korrektur und alte Schulden müssen nun endlich bezahlt werden.

Wir werden uns jetzt bewusst, an wen wir innerlich gebunden sind oder wer bei emotionalen Verstrickungen die Fäden in der Hand hält. Es werden Schwachstellen im politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bereich aufgedeckt. Versäumnisse aus der Vergangenheit werden offensichtlich und müssen bereinigt werden.

Saturn in Skorpion ermöglicht uns innere und äußere Zwänge zu durchschauen und tiefgreifenden Wandlungsprozessen zu unterziehen. Am Ende könnten wir jahrelang schwelende Ängste endgültig hinter uns lassen. Mit dem Übertritt von Saturn in das Zeichen Schütze (23.12.2014 bis 15.6.2015 sowie endgültig ab 18.9.2015) dürften wir uns, wenn wir hart an uns arbeiten, endgültig von alten, nicht funktionierenden Vorstellungen befreit haben.

Weitere Artikel zum Thema

Astrologische Zyklen und Prognose

Zeit und Zyklen

Literatur

Baigent, Michael, Campion, Nicholas und Harvey, Charles (1989). Mundan-Astrologie. Handbuch des astrologischen Weltgeschehens. Edition Astrodata.

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