Wiener Staatsoper in der Krise

In der Oper ist alles falsch: Das Licht, die Dekorationen, die Frisuren der Balletteusen, ihre Büsten und ihr Lächeln. Wahr sind nur die Wirkungen, die davon ausgehen. (Edgar Degas)

Nach den Rücktritten von Franz Welser-Möst als Generalmusikdirektor der Wiener Staatsoper und Betrand De Billys Ankündigung als Dirigent für die Amtszeit von Dominique Meyer nicht mehr zur Verfügung zu stehen, habe ich mich gefragt, warum denn die Staatsoper derzeit gar nicht aus den Schlagzeilen raus kommt.

Womöglich könnte uns das Horoskop der Wiedereröffnung der Wiener Staatsoper nach dem 2. Weltkrieg darüber Auskunft geben. Das Haus war ja im März 1945 durch Bombentreffer fast völlig zerstört worden. Nach verschiedenen Ausweichquartieren in der Nachkriegszeit, wurde die Oper schließlich am 5.11.1955 um 19:00 Uhr mit einer Aufführung von Beethovens Fidelio feierlich wieder eröffnet.

Wiener Staatsoper, Wiedereröffnung 1955

Abb. 1. Wiedereröffnung Wiener Staatsoper, 5.11.1955, 19:00 Uhr MEZ.

Die ursprüngliche Eröffnung dieses Hauses fand am 25.5.1869 mit einer Aufführung von Mozarts Don Giovanni statt. Trotz intensivem Durchforsten von Zeitungsarchiven konnte ich jedoch keinen genauen Zeitpunkt recherchieren. Wahrscheinlich ist ein Zeitpunkt um 19:00 Uhr, was einen Skorpion- oder Schütze-Aszendenten mit Herrscher von 1 im 6. Haus (wenn Pluto der AC-Herrscher ist) oder im 5. Haus (wenn Jupiter der AC-Herrscher ist) ergeben würde. Abbildung 2 zeigt das Horoskop ohne Häuser. Beim Schütze-Aszendenten stünde der AC-Herrscher also wie im Horoskop der Wiedereröffnung von 1955 im 5. Haus.

Beim Versuch einer Ermittlung der Geburtszeit mithilfe der Auslösungen bei den folgenschweren Bombentreffern am 12.3.1945 wurde ich bei Zeiten zwischen 18:00 Uhr und 20:00 Uhr leider nicht fündig. Sicher ist jedoch eine Uranus-Konjunktion mit Venus im März 1945, was nahezu wörtlich einem Sprengen (Uranus) der Harmonie (Waage-Venus) entspricht. Wobei es glücklicherweise selbst in Mundan-Horoskopen nur sehr selten vorkommen dürfte, dass sich ein Transit derart wortwörtlich verwirklicht.

Abb. 2. k.k. Hof-Operntheater Neues Haus, Eröffnung 25.5.1868, Uhrzeit unbekannt

Abb. 2. k.k. Hof-Operntheater Neues Haus, Eröffnung 25.5.1868, Uhrzeit unbekannt

Die Sonne steht bei diesem Eröffnungs-Horoskop im Zeichen Zwillinge, ebenso wie Venus und Merkur.

Sowohl bei der Ersteröffnung 1869 als auch bei der Wiedereröffnung 1955 liegen Neptun und Venus auf Spiegelpunkten. Es geht um die schönen Künste, oder etwas esoterischer ausgedrückt, um das Durchscheinen einer transzendenten Welt in der Begegnung (Kunst auf der Bühne). In beiden Fällen ist die Venus Abendstern, hat also mehr die Bedeutung einer Waage-Venus.

Betrachten wir das Horoskop der Wiedereröffnung von 1955, so ergibt sich knapp noch ein Zwillinge-Aszendent (Quelle: http://db-staatsoper.die-antwort.eu/performances/5627) mit Herrscher des Aszendenten in Konjunktion mit Neptun in 5. Eine sehr schöne Entsprechung für ein Opernhaus. Hier möchte etwas verstanden, kommuniziert und erklärt werden (Zwillinge), das zum Ausdruck oder wortwörtlich auf die Bühne gebracht werden soll (5. Haus). Im Idealfall scheint bei diesem Ausdruck eine größere Wirklichkeit durch, es wird Transzendenz unmittelbar erlebbar (Merkur-Neptun-Konjunktion). Im ungünstigsten Fall löst sich die Botschaft auf oder kommt nicht an. Bisweilen mag sie auch Befremden auslösen (Döbereiner für Neptun-Merkur: „Loslösung von der Integration“), was unter anderem bei ausgefallenen Inszenierungen, die einen Skandal geradezu zu provozieren scheinen, regelmäßig geschieht.

Die Verwirklichung findet im 6. Haus statt. Das bedeutet, dass der künstlerische Ausdruck, die Botschaft, immer wieder an die realen Gegebenheiten angepasst werden muss, etwa an vorhandene finanzielle Mittel, den Zeitgeist oder den Geschmack des Publikums. Vernünftige Überlegungen (Knappheit der Ressourcen und horrende Gagen schließlich berühmt gewordener Sängerinnen und Sänger) haben wohl schon manchen Direktor dazu gezwungen, Kompromisse einzugehen, die ihm schlaflose Nächte bereitet haben dürften.

Interessant ist auch, dass alle Planeten im unteren Bereich des Horoskops (Häuser 1 bis 6) platziert sind. Möglicherweise ein Hinweis auf ein Opernhaus, das mehr mit sich selbst beschäftigt ist als mit seiner Wirkung in der Öffentlichkeit?

Im allergünstigsten Fall setzt dieses Opernhaus neue Maßstäbe oder löst gar kulturelle Revolutionen aus (MC im Wassermann). Die genaue Pluto-Jupiter-Konjunktion am IC dürfte für regelmäßige handfeste Skandale verantwortlich sein, aber auch für den steten Wandel dieses Opernhauses. Sowohl diese Konstellation als auch die Mond-Uranus-Konjunktion im 2. Haus sprechen nicht gerade für sehr viel Sicherheit. Mond-Uranus mit Mond als Herrscher von 2 im 2. Haus könnten auch dafür verantwortlich sein, dass dieses Haus einen „unstillbaren Hunger nach Subventionen“ (Zit. von Peter Fraiss – Sarastro College) aufweist. Im harmloseren Fall sorgt die Oper dann für Schlagzeilen, wenn es wieder einmal um Geld geht (Uranus als Herrscher des MC im 2. Haus).

Wenn Franz Welser-Möst sagt: „Es gibt Differenzen über die künstlerische Ausrichtung des Hauses, die nicht von heute auf morgen entstanden sind. Dominique Meyer ist als Direktor die Nummer eins. Er ist ein sehr netter Mensch und hat in künstlerischen Dingen andere Meinungen. Das steht ihm auch zu. Aber dann muss ich die Konsequenzen ziehen.“ (Quelle: http://kurier.at/kultur/buehne/staatsoper-franz-welser-moest-tritt-als-musikdirektor-zurueck/83.922.712) so denken wir astrologisch wohl am ehesten an das 9. Haus (künstlerische Ausrichtung als die Verkündigung von Idealen und Leitbildern). Er gab seinen Rücktritt am 5.9.2014, 10:00 Uhr früh (laufender MC im Quadrat mit Merkur-Neptun, laufender AC hatte Merkur-Neptun noch nicht ganz erreicht) bekannt. Hier ist also die Merkur-Neptun-Konjunktion direkt angesprochen, was einmal mehr zeigt, dass es um den künstlerischen Ausdruck geht, der, nachdem der Aszendenten-Herrscher beteiligt ist, in der Wiener Staatsoper wahrscheinlich immer wieder Thema sein dürfte.

Deutung der aktuellen Transite

Staatsoper, aktuelle Transite Sep. 2014

Abb. 3. Staatsoper Wien, aktuelle Transite im September 2014.

Betrachten wir die aktuellen Transite, so fällt eine Uranus-Opposition auf Mars (ungefähr bis Ende März 2015) direkt ins Auge, aber auch die aktuelle Saturn-Rückkehr auf die Radix-Position des Opernhauses (bis Ende 2014) sowie der nachfolgende Transit des Saturn über die Venus (bis Herbst 2015).

Gemäß Münchner Rhythmenlehre ergibt sich obendrein aktuell (genau am 22.7.2014) eine Neptun-Auslösung, die bis Anfang Oktober 2014 wirksam ist. Diese ist vielleicht auch deutbar als das Verschwinden wichtiger Repräsentanten (Neptun als Mitherrscher von 10), die dem Haus Ansehen und Bedeutung verliehen.

Was den Hintergrund der gegenwärtigen Krise angeht, ergibt sich einen Konflikt zwischen Sicherung und Selbstausdruck, da Uranus aus dem 2. Haus und Mars aus dem 5. Haus kommt. Die im Radix bestehende materielle Instabilität bzw. die Abgehobenheit (Uranus-Mond; Anmerkung: in Mundanhoroskopen wird das Volk vom Mond repräsentiert, der im Radix der Staatsoper mit Uranus in Konjunktion steht) und ein gewisses Elitebewusstsein geraten in Konflikt mit dem künstlerischen Ausdruck.

Die Krise selbst findet in der Gemeinschaft (in den Medien, der Öffentlichkeit) statt und im Kern soll Veränderung bewirkt werden sowie Individualität und Freiheit erfahren werden (Uranus transitiert im 11. Haus). Welser-Möst und De Billy befreiten sich wortwörtlich von ihren Aufgaben.

Auswirkungen wird dieser Transit auf die künstlerische Botschaft, auf das öffentliche Ansehen und wahrscheinlich auch auf die Bedeutung der Oper selbst haben. Da Uranus sowohl über das 9. als auch über das 10. Haus herrscht, könnte unter Umständen sogar der Direktor Meyer selbst die Konsequenzen tragen müssen, insofern als die Leitbilder und Werte eines Opernhauses vor allem durch den Direktor nach außen getragen, also verkündet werden (9. Haus).

Beim nachfolgenden Transit Saturns über die Venus, der im Dezember 2014 beginnt, geht es ganz zentral um Anpassung sowohl was den Hintergrund der Krise (Saturn und Venus im Radix in Haus 6) als auch die Ereignisse selbst betrifft. Wahrscheinlich bedarf es ganz neuer Künstler, Dirigenten und eines anderen Umgangs mit ihnen. Es ist viel Vernunft nötig, um Emotionen und Alltagsanforderungen unter einen Hut zu bringen, um das rechte Maß zu finden und das System Staatsoper auf eine ganz neue Basis zu stellen.

Auswirkung hat das auf die Subventionsgeber, den Steuerzahler und die Vorbildfunktion des Opernhauses (Steinbock als Herr von 8), aber auch auf den schöpferischen Ausdruck und die Künstler der Staatsoper (Venus als Herrscherin von 5).

Abgerundet wird das Bild von einer Sonnenfinsternis am 23.10.2014, die zusätzlich in recht enger Konjunktion mit der Merkur-Neptun-Konjunktion in 5 stattfindet. Womit einmal mehr der Aszendentenherrscher der Oper angesprochen ist. Es ist so gesehen leicht möglich, dass die Wiener Staatsoper noch länger für Schlagzeilen sorgen wird.

Aber, wie sagen wir in Wien so gerne? Mögen wir niemals andere Sorgen haben… 😉

One thought on “Wiener Staatsoper in der Krise

  1. LIEBER STEFAN,

    Du bringst mich doch glatt dazu, mein mir selbst auferlegtes Schweigen zu brechen! Junge, was hast Du doch für einen geschliffenen, präzise arbeitenden Geist! Beneidenswert! Frage: Bist Du Dir wirklich ganz sicher, nicht als Adept einer Jesuitenschule aufgewachsen zu sein???

    Jedenfalls hast Du meinen vollen Respekt!

    Meine persönlichen „Querelen“ scheinen sich mehr und mehr in Wohlgefallen aufzulösen. Wobei ich mich noch immer sozusagen „waidwund“ fühle, meine Blessuren pflege und versuche, mich zu sortieren und auf die Zukunft hin auszurichten. Bin gerade – erstmalig in meinem „jungen alten Leben“ – mir den mir zustehenden Respekt, die Achtung seitens meiner Mitwelt zu sichern. Insofern treten wir alle immer wieder unsere Kinderschuhe aus.

    Gelegentlich werde ich Dir vielleicht mehr davon erzählen – d. h. sofern es für Dich interessant ist. m Augenblick aber fühle ich mich nur dazu bemüßigt, jeder/jedem, der bzw. die es hören will oder nicht, anzuraten, wie ein Weltmeister zu beten. Ganz egal, auf welch individuelle Weise diese Gebete sich auch äußern mögen.

    Damit grüßt Dich, Dir einen ruhigen, frohen und entspannten Abend wünschend, Deine Uta.

    _*P.S.:*_ Zu den „WIENER SORGEN“ kommt mir ein Zitat Marie Antoinettes, der während der Französischen Revolution zum Tod per Guillotine verurteilten Tochter Maria Theresias in den Sinn, welches da lautet:

    */„Die Lage ist hoffnungslos, aber nicht ernst.“ /*

    *//*

    So viel zu „Wiener Schmäh“ – wenn man sich dieses geflügelte Wort angesichts eines zu vollstreckendes Todesurteils noch zu gebrauchen getraut! – DUaWü.

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