Chiron Opposition Jupiter

Als ich meinen Schmerz auf den Acker der Geduld pflanzte, brachte er die Frucht des Glücks hervor. (Khalil Gibran)

Chiron-Jupiter-Opposition, 23. Februar 2016

Abb. 1. Chiron-Jupiter-Opposition, 23.2.2016.

Am 23.2.2016 wiederholt sich die Jupiter-Chiron-Opposition zum zweiten Mal. Die erste dieser Oppositionen fand am 3.11.2015 statt. Eine weitere wird am 13.8.2016 stattfinden.

Der Zyklus dieser beiden Planeten begann im Jahr 2009 im Wassermann, dem Zeichen das für Unabhängigkeit, Freiheit und große Visionen steht. Mit der Verbindung der Himmelskörper Chiron und Jupiter dürften wir uns der Probleme und Ungerechtigkeiten, die es in unseren Gemeinschaften auch gibt, schmerzlich bewusst werden.

Im Jahr 2009 traten unter anderem der Vertrag von Lissabon und die Charta der Grundrechte der EU in Kraft und im Dezember 2009 fand die UN Klimakonferenz in Kopenhagen statt. Insbesondere die Klimakonferenz scheint mir einen Bezug zu Chiron zu haben, zumal kurz nach der ersten Opposition von Chiron und Jupiter im November 2015 neuerlich eine Klimakonferenz, diesmal in Paris, stattfand.

Der aktuelle Zyklus von Chiron und Jupiter ist auch deshalb besonders interessant, weil er eng mit Neptun verknüpft ist. Zwischen Mai 2009 und Februar 2010 fanden zahlreiche Konjunktionen dieser drei Himmelskörper untereinander statt, drei Jupiter-Chiron-Konjunktionen, drei Jupiter-Neptun-Konjunktionen und eine Chiron-Neptun-Konjunktion.

Damit haben wir es hier mit sehr viel transpersonaler, gesellschaftsverändernder und spiritueller Energie zu tun, die expandiert (Jupiter) werden soll. Und das dürfte uns mit kollektiven Verwundungen und Generationenkonflikten konfrontieren, die unseren Blick auf die Welt tief verwandeln könnten. Allmählich werden immer mehr politische Fehler der Vergangenheit sichtbar, aber auch tiefe Wunden werden sichtbar, die wir der Natur geschlagen haben. Es dürfte in dem Zusammenhang wohl kein Zufall sein, dass die Ölplattform Deepwater Horizon praktisch zeitgleich in dem Moment in Flammen aufging, als Chiron in das Zeichen Fische eintrat.

Was Chiron angeht, lautet meine Arbeitshypothese: Über die Auseinandersetzung mit einem tiefen Schmerz soll sich unser Bewusstsein wandeln. Mundanastrologisch werden wir vor allem durch die zahlreichen Kriege rund um Europa mit so einem kollektiven Schmerz konfrontiert. Meinem Dafürhalten nach dürften aber auch zahlreiche Amokläufe, erweiterte Selbstmorde, rassistisch motivierte Morde, Terroranschläge und die zunehmende Zahl von Depressionen und Angststörungen Indiz für diesen kollektiven gesellschaftlichen Schmerz sein. Chiron legt hier gewissermaßen seinen Finger in die Wunde gesellschaftlicher Problemfelder, deren Sinn wir in der Opposition mit Jupiter nun tief verstehen können.

Chiron weist meines Erachtens auf das Wachstumspotenzial hin, das aus Schmerz und Leiden erwachsen kann. Um nicht falsch verstanden zu werden: ich meine hier kein Leiden, um eines höheren Zieles wegen, wie das im christlichen Kontext oft verstanden wurde, sodass, wer am meisten leidet, den größten Lohn im Himmel zu erwarten hat. Ich meine hier ein Leiden, das in unserem Inkarniertsein bereits implizit enthalten ist. Wenn wir alle Seelen sind, die über Jahrtausende hinweg immer und immer wieder in verschiedenen menschlichen Körpern inkarnieren, so ist das per se mit Schmerz verbunden. Seelen, so sagen spirituelle Medien wie etwa Varda Hasselmann, kennen keinen Schmerz und auch keine Angst. Sobald wir aber einen Körper haben, können wir Schmerz empfinden und tiefe Angst. Gerade dadurch dürften uns aber andere und tiefere Möglichkeiten des Wachstums und Verständnisses erwachsen, als das ohne Körper auf der Astralebene möglich wäre (Hasselmann, 2010).

Tarot Karte XII, der Gehängte

Abb. 2. Tarot XII. Der Gehängte.

Der chironische Schmerz betrifft möglicherweise vor allem jene Phasen unseres Lebens, in denen wir einfach nichts tun können. Das entspricht wohl ein wenig der Tarot-Karte XII, dem Gehängten, der zwischen Himmel und Erde aufgehängt, einfach ausharren muss und langsam immer reifer wird. Die Chiron-Erfahrung entspräche damit einer Erfahrung, in der wir einfach nichts tun können, außer abwarten. In einer Welt die derart rational und effizient ist, wie die unsere, ist das harter Tobak. Und dennoch mag diese Erfahrung der Geduld, des Abwartens und langsamen Reifens möglicherweise eine Bewusstseinsrevolution insbesondere für den Westen darstellen.

Es ist wahrscheinlich auch kein Zufall, dass der obige Begriff „chironischer Schmerz“ sehr ähnlich klingt wie „chronischer Schmerz“. Genau jene Schmerzzustände sind es, vor denen die klassische Schulmedizin häufig kapituliert. Medizinisch wird oft keine Ursache gefunden oder die Ursachen sind höchst komplex und unklar. Dennoch sind die Schmerzen, die die Betroffenen erleiden, höchst real und keineswegs, wie das simplifizierende Schulmediziner bisweilen behaupten, bloss psychisch, worunter sie meist „eingebildet“ verstehen. Gerade Menschen mit chronischen Schmerzen versuchen dann oft ganz andere, neue Wege. Sie gehen zu Heilpraktikern, Homöopathen, TCM-Ärzten, spirituellen Medien, Energetikern, Psychotherapeuten, Heilern, Schamanen und anderen Experten, die den Menschen ganzheitlich verstehen. Und wie bei Chiron könnte der Heilungserfolg dennoch ausbleiben.

Bemerkenswert auf diesem Weg, den manche Menschen mit chronischen Erkrankungen beschreiten, ist der oft tiefgreifende Bewusstseinswandel und der völlig veränderte Blick der betroffenen Menschen auf die Welt und das Leben. Sie berichten häufig, dass sie jetzt viel bewusster leben würden und das Leben mehr genießen könnten, als vor ihrer Erkrankung. Bereits das stellt einen beachtlichen Heilungserfolg auf der seelischen Ebene dar. Vielleicht möchte uns Chiron einfach auch zeigen, dass wir einer Illusion erliegen, wenn wir ALLES, wirklich alles, für machbar halten. Die Lektion von Chiron könnte demnach auch lauten, uns unserer Endlichkeit und Begrenztheit bewusst zu werden.

Mundanastrologisch ist weiters interessant, dass die aktuelle Chiron-Jupiter-Opposition genau auf der Mondknoten-Achse stattfindet und zudem in die totale Sonnenfinsternis vom 9.3.2016 ganz prominent eingebunden ist. Wir werden hier wahrscheinlich mit leidvollen und schmerzhaften Wahrheiten konfrontiert, die mit unserer Vergangenheit zu tun haben, mit Fehlern und Versäumnissen der Vergangenheit. Es gilt jetzt, das wäre die Lektion des aufsteigenden Mondknotens, Sinn und Bedeutung in diesen Erfahrungen zu finden und kleine, praktische Lösungen (Jupiter in Jungfrau). Bescheidenheit und eine Annahme der Bedingungen und Notwendigkeiten des Lebens dürften dabei von Nutzen sein.

Zur Sonnenfinsternis vom 9.3.2016 gibt es hier demnächst einen ausführlichen Artikel. Außerdem wird sie auch Thema meines Kurses „Astrologie des Zeitgeschehens“ ab 29.2.2016 im Sarastro College sein.

Exaktheiten des Chiron-Jupiter-Zyklus

Der Vollständigkeit halber hier noch die Daten des gesamten Chiron-Jupiter-Zyklus von 2009 bis 2023:

Konjunktion

  • 23.5.2009, Chiron Jupiter Konjunktion, 26°12‘ Wassermann
  • 22.7.2009, Chiron Jupiter Konjunktion, 24°55‘ Wassermann
  • 7.12.2009, Chiron Jupiter Konjunktion, 21°57‘ Wassermann

Quadrat

  • 24.7.2012, Chiron Quadrat Jupiter, 8°57‘ Fische(Chiron) / Zwillinge(Jupiter)
  • 5.1.2013, 6°43‘ Fische/Zwillinge
  • 27.3.2013, 11°05‘ Fische/Zwillinge

Opposition

  • 3.11.2015, Chiron Opposition Jupiter, 17°13‘ Fische (Chiron) / Jungfrau (Jupiter)
  • 23.2.2016, 20°03‘ Fische/Jungfrau
  • 13.8.2016, 24°21‘ Fische/Jungfrau

Quadrat

  • 9.12.2019, Chiron Quadrat Jupiter, 1°26‘ Widder (Chiron) / Steinbock (Jupiter)

Konjunktion

  • 12.3.2023, Chiron Konjunktion Jupiter, 14°27‘ Widder

Chiron bzw. Chiron-Jupiter im persönlichen Erleben

Die Chiron-Jupiter-Opposition dürften jene Menschen mit Planeten- und Achsen-Stellungen im Bereich 19 bis 21° Fische/Jungfrau besonders deutlich erleben. Ganz besonders natürlich jene, die die Sonne oder eine Achse (AC/DC, MC/IC) auf diesen Graden haben. Aber auch jene mit entsprechenden Stellungen auf diesen Gradbereichen in den Zeichen Schütze und Zwillinge (Quadrat-Aspekt) dürften mit den oben genannten Themen verstärkt konfrontiert sein.

Was die Chiron-Stellung selbst angeht, so erleben wir im Haus seiner Stellung einen nachhaltigen, bleibenden Schmerz, der häufig auch sehr unbewusst oder gut kompensiert sein könnte. Das bedeutet, dass jemand, der beispielsweise Chiron im 2. Haus hat, von seiner Umwelt durchwegs so eingeschätzt wird, dass er ein stabiles Selbstwertgefühl hat, sich gut abgrenzen kann und mit Finanzen keinerlei Probleme hat. Selbst erlebt der Betreffende das häufig aber nicht so. Es könnte ganz im Gegenteil trotz aller Erfolge das nagende Gefühl bestehen bleiben, dass irgendwann die eigene Unfähigkeit und Unzulänglichkeit ja doch rauskommen wird.

Ich selbst habe bei Chiron-Transiten häufig erlebt, dass ich wichtige und bisweilen psychisch schmerzhafte Erfahrungen gemacht habe. Ganz besonders häufig gingen Transite mit bestandenen Prüfungen einher und meist hat sich meine Sicht auf die Welt im Rückblick stark verändert. Insgesamt muss ich aber zugeben, dass mir dieser Planetoid immer noch höchst rätselhaft ist. Wenn Sie mir Ihre Erfahrungen mit Ihrer Chiron-Stellung im Haus oder mit wichtigen Chiron-Auslösungen und Transiten mitteilen möchten, können Sie das gerne als Kommentar am Ende dieses Artikels oder per Email tun.

Beratung

Häufig kann eine persönliche, individuelle Beratung sehr viel aufschlussreicher und augenöffnender sein als Texte. Vielleicht möchten Sie ja gerne Ihre Chiron-Stellung und das ihr innenwohnende Potenzial kennenlernen? In diesem Fall empfiehlt sich eine astrologische Beratung.  Weitere Informationen dazu finden Sie hier .

Bildnachweis

Das Bild stammt von Pixaby, die Astro-Grafiken wurden mit der Software Sarastro erstellt.

Literatur

Bachmann, Verena (2009). Die Chiron-Fibel. Brückenbauer zwischen Geist und Materie. Edition Astrodata.

Hasselmann, Varda & Schmolke, Frank (2010). Archetypen der Seele. Eine Anleitung zur Erkundung der Seelenmatrix. Arkana.

Stiehle, Reihardt (Hrsg.) (2009). Rätsel Chiron. Was bedeutet er für die Astrologie? Chiron Verlag.

Weidner, Christopher A. (2013). Die Enzyklopädie der Mythologie. Die geheimnisvolle Welt der antiken Griechen, Germanen und Kelten. tosa Verlag.

 

 

 

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