Ein Monat voller Überraschungen

Alles das uns an anderen irritiert, kann uns zu einem besseren Selbstverständnis führen. (C.G. Jung)

SturmschadenDiesen April könnten wir wiederholt die Erfahrung machen, dass nichts so läuft, wie wir das gerne hätten oder geplant hatten. Gefühle dürften da und dort Amok laufen und es könnte sich eine gewisse Lebensangst breit machen, die ein Fluchtbedürfnis in uns hervorruft. Länger geplante Projekte, die vielleicht sogar mit einer gewissen Euphorie verbunden waren, dürften dann doch nicht so rund laufen und ins Stocken geraten. Alter Ärger will bearbeitet werden, um zumindest ab dem Sommer wieder zügig voran zu kommen. Mars, der Herr der Unternehmungen und der Tatkraft, wird im April rückläufig und konfrontiert uns mit unerwarteten Hindernissen.

Neumond im Widder

Neumond, 7. April 2016

Abb. 1. Neumond 7. April 2016, 11:24 UT (ohne Häuser).

Am 7.4.2016 findet um 13:24 Uhr MESZ ein Neumond im Widder statt. Es ist der erste Neumond des neuen astrologischen Jahres, das am 20.3. mit dem Eintritt der Sonne in den Widder begann. Die Qualität dieses Neumondes ist energiegeladen, kämpferisch und impulsiv, umso mehr als der Neumond in Konjunktion mit Uranus stattfindet.

Der Neumond nimmt damit ein weiteres Mal das Thema des Uranus-Pluto-Quadrats auf, das gegenwärtig immer noch in einem Orbis von drei Grad steht. Auch wenn das Quadrat zuletzt am 17.3.2015 exakt war und auch nicht mehr exakt werden wird, befindet es sich doch bis Anfang 2018 zwischenzeitlich immer wieder innerhalb eines Orbis von 5 Grad und bleibt damit weiter wirksam.

Gleichzeitig steht der Neumond auch im Trigon mit Saturn im Schützen, der gerade erst am 23.3. rückläufig geworden war. Der jugendliche Vorwärtsdrang des Widder-Neumondes wird hier auf harmonische Weise ermahnt, sich der Ziele und Konsequenzen bewusst zu sein, die sein Handeln haben könnte.

Neumond 7. April 2016 für Wien

Abb. 2. Neumond, 7.4.2016 für Wien, 13:24 Uhr MESZ.

Für Wien, Berlin und Zürich steht der Neumond im 9. Haus, nahe dem MC. Für Berlin und Zürich noch näher als für Wien. Für Zürich steht der Neumond fast punktgenau am MC und für Berlin insbesondere Uranus in sehr enger Konjunktion mit dem MC. Für alle drei Länder steht Löwe am Aszendenten dieses Neumondes.

Eine Neumondkonstellation nahe dem MC könnte insbesondere für die Regierenden eine Überraschung bereithalten. Unsere Ideale werden enttäuscht und vieles kommt wahrscheinlich ganz anderes (Uranus) als so mancher sich das vorgestellt hatte. Der Löwe-Aszendent steht für ein sehr selbstsicheres, etwas großspuriges Auftreten, möglicherweise mit der Tendenz zur Selbstüberschätzung. Insbesondere die gestern (am 3.4.2016) enthüllten Panama-Papiere könnten so manchen mächtigen Mann weltweit in arge Bedrängnis bringen und wohl auch für den einen oder anderen Politiker-Rücktritt sorgen.

Mundanastrologisch besteht meiner Beobachtung nach eine Tendenz, Pluto in Steinbock eher negativ zu interpretieren, als staatliche Kontrolle, Angst oder rücksichtsloses Machtstreben Einzelner. Allerdings könnte man Pluto auch anders und weit positiver sehen. Pluto im Steinbock steht nämlich auch für eine kompromisslose Einhaltung von Gesetzen und ebenso pocht Saturn im Schützen auf die Einhaltung von Regeln, Vorschriften und Werten. Enthüllungen werden nach und nach dafür sorgen, dass auch die ganz großen Konzerne und mächtigen Männer und Frauen, die sich vor Plutos Durchgang durch den Schützen noch vorgestellt hatten irgendwie über dem Gesetz zu stehen, sich an Gesetze, Steuervorschriften und internationale Abkommen zu halten haben. Und irgendwann werden vielleicht sogar amazon, IKEA, Starbucks und andere Konzerne in Europa Steuern zahlen müssen.

Der Schwung, den dieser Neumond bringt, wird noch von anderer Seite untergraben. Die Verheißung eines Widder-Neumondes ist groß, doch dann kommt Uranus und katapultiert uns aus dem normalen Ablauf heraus. Aber auch Mars könnte diesmal unsere Pläne vereiteln. Er ist der Dispositor dieses Neumondes und wird nur 10 Tage nach dem Neumond auf 8°54‘ Schütze, im Quadrat mit Neptun, rückläufig. Hier kommt nach mehr als zwei Jahren plötzlich Sand ins Getriebe.

Mars rückläufig

Mars wird am 17.4.2016 auf 8°54‘ Schütze rückläufig und bewegt sich dann von 17.4. bis 29.6.2016 von 8°54‘ Schütze wieder auf 23°04‘ Skorpion zurück. Den Tierkreisgrad 23°04‘ Skorpion hatte Mars bereits am 18.2.2016 erstmals überquert.

Daten des rückläufigen Mars:

  • 18.2.2016: Mars überquert 23°04‘ Skorpion
  • 17.4.2016: Mars wird rückläufig auf 8°54‘ Schütze
  • 22.5.2016: Mars Sonne Opposition auf 1°47′ Schütze/Zwillinge
  • 29.6.2016: Mars wird direktläufig auf 23°04‘ Skorpion
  • 22.8.2016: Mars überquert letztmalig 8°54‘ Schütze

Den gesamten Bereich von 23°04′ Skorpion bis 8°54‘ Schütze wird Mars also insgesamt drei Mal durchqueren, einmal direktläufig vom 18.2.2016 bis 17.4.2016, ein zweites Mal rückläufig von 17.4.2016 bis 29.6.2016 und ein letztes Mal direktläufig von 29.6.2016 bis 22.8.2016.

Mars wird ca. alle 26 Monate für etwa 3 Monate rückläufig. In der untenstehenden Liste sind die Tierkreisgrade des Beginns der Mars-Rückläufigkeiten im Zeitraum von 2001 bis 2020 aufgeführt.

  • 12.05.2001: 29°03‘ Schütze
  • 29.07.2003: 10°08‘ Fische
  • 02.10.2005: 23°22‘ Stier
  • 14.11.2007: 12°27‘ Krebs
  • 21.12.2009: 19°42‘ Löwe
  • 24.01.2012: 23°05‘ Jungfrau
  • 01.03.2014: 27°32‘ Waage
  • 16.04.2016: 8°54‘ Schütze
  • 26.06.2018: 9°13‘ Wassermann
  • 09.09.2020: 28°08‘ Widder

In Zeiten, in denen Mars rückläufig ist, werden alter Ärger und andere unverarbeitete Gefühle an die Oberfläche des Bewusstseins gespült, wir spüren Sachzwänge deutlicher als sonst, im Alltag bemerken wir plötzlich Probleme, die sich lange aufgestaut haben, Partnerschaftskonflikte brechen auf und die Menschen sind gereizter als sonst.

Der rückläufige Mars im persönlichen Radix

Die nächste Rückläufigkeit des Mars werden vor allem jene Personen mit Radix-Stellungen am Beginn der veränderlichen Zeichen (Zwillinge, Jungfrau, Schütze und Fische) insbesondere im Bereich 7-9° stark spüren. Für den Lebensbereich, in dem sich die Marsrückläufigkeit auswirken wird, ist insbesondere interessant, in welchem Haus diese Rückläufigkeit stattfinden wird. Aber auch die Radix-Stellung des Mars und seine Aspekte spielen natürlich eine Rolle. Je mehr unser Mars/Widder-Anteil integriert ist und bewusst gelebt wird, desto einfacher dürfte auch die Phase seiner Rückläufigkeit für uns sein.

Da Mars im Quadrat mit Neptun rückläufig wird, dürften auch Personen mit einem Mars-Neptun-Thema im Geburtshoroskop die aktuelle Rückläufigkeit besonders deutlich spüren. Ein solches Mars-Neptun-Thema liegt etwa vor, wenn jemand einen Aspekt zwischen Mars und Neptun im Radix hat oder wenn Mars in 12 oder Neptun in 1 steht.

Mit Mars in Schütze entladen sich Wut und Ärger vor allem durch Übertreibungen, einen Hang zur Dramatik und Besserwisserei, möglicherweise auch Promiskuität, Kaufräusche und religiösen Eifer.

Die Mars-Rückläufigkeit trifft uns immer wieder unvorbereitet, weil Mars nur etwa alle 2 Jahre und 2 Monate rückläufig wird. Wir haben uns also lange Zeit an die Direktläufigkeit gewöhnt und plötzlich geraten die Dinge doch ins Stocken. Alle anderen äußeren Planeten werden ja jedes Jahr rückläufig und wir sind an diesen Rhythmus von Direkt- und Rückläufigkeit wahrscheinlich mehr gewöhnt als bei Mars, dessen Rückläufigkeit dann immer wieder überraschend für uns kommt.

Anders als bei den anderen äußeren Planeten wird Mars erst nach seinem Trigon mit der Sonne rückläufig. Bei Jupiter bis Pluto ist es so, dass die Rückläufigkeit schon vor dem Trigon mit der Sonne eintritt. Das macht einen Unterschied, weil die Verheißungen eines Sonne-Trigons uns besonders optimistisch stimmen und dann wird Mars plötzlich rückläufig und frustriert alles, was wir bisher so großspurig geplant hatten. Dies gilt insbesondere für die Bereiche des Hauses, in dem Mars im betreffenden Horoskop rückläufig wird.

Unsere Handlungs- und Durchsetzungsfähigkeit sind in diesem Monat wohl empfindlich beeinträchtigt, zum einen weil Mars rückläufig wird, zum anderen aber auch, weil er im Quadrat mit Neptun rückläufig wird. Mars-Neptun ist meines Erachtens immer eine gute Gelegenheit für altruistisches Handeln. Wir sind hier besonders gut darin, etwas für andere zu tun. Egoistisches Handeln aber, wird unweigerlich scheitern. Einfacher ausgedrückt: immer dann, wenn wir etwas für andere tun wollen, haben wir eine Chance erfolgreich zu sein. Der Versuch, etwas zum eigenen Ruhm und Vorteil zu erreichen, wird uns unter dieser Konstellation aber nur schwer gelingen.

Die Sonne-Mars-Opposition (21.5.2016)

Die Sonne-Mars-Opposition bringt die innere Energie, die im Unbewussten gegärt und gebrodelt hat, an den Tag (Sullivan, 2002). Fast zeitgleich mit dieser Opposition findet am 21.5. ein Vollmond auf 1°14‘ Schütze statt, die Opposition zur Sonne bildet Mars am nächsten Tag. Wenn diese Opposition wichtige Punkte im eigenen Horoskop (Sonne, Herrscher von 1 oder Achsen) berührt, dürften sich Emotionen besonders heftig und unkontrollierbar entladen.

Im Tierkreis sind insbesondere die Grade 1-2° Schütze angesprochen, da sich der Vollmond  auf 1°14‘ Schütze ereignet und die exakte Opposition von Mars und Sonne einen Tag später auf 1°47‘ Schütze stattfindet. Mundanastrologisch dürfte das für folgende Länder (ohne Anspruch auf Vollständigkeit) besonders relevant sein:

  • Kroatien (AC 1°21‘ Schütze)
  • Jemen (Sonne und MC 1°01‘ bzw. 1°04‘ Zwillinge)
  • Sri Lanka (Sonne 1°17‘ Zwillinge)
  • Singapur (AC 2°04‘ Zwillinge)

Der Vollmond vom 21.5.2016, in Konjunktion mit Mars, findet für Russland (MC-Linie nahe Moskau), den Osten der Türkei und Syriens, den Westen des Irak und Saudi Arabiens direkt auf der astrokartografischen MC-Linie statt. Insbesondere für Mekka findet dieser Vollmond in exakter Konjunktion mit dem MC statt.

Nur einen Tag nach Mars´ Station zur Rückläufigkeit wird auch Pluto auf 17°29‘ Steinbock rückläufig und bewegt sich bis 26.9.2016 zurück auf 14°55‘ Steinbock, wo er wieder direktläufig werden wird.

Es ist ein interessanter Zufall, dass hier innerhalb von zwei Tagen sowohl der neue als auch der alte Herrscher des Skorpions rückläufig werden. Zudem wandert Mars im Zuge seiner Rückläufigkeit wieder in den Skorpion zurück. Es wirkt fast so, als wären die skorpionischen Angelegenheiten irgendwie unfertig, also müsste hier noch etwas erledigt werden. Als skorpionische Angelegenheiten könnte man hier alles betrachten, was mit Macht, Leidenschaft, Gefahr, Geheimnissen und einer gewissen Besessenheit zu tun hat.

Mars und der Mechanismus der Projektion

Mars bildet während seiner Rückläufigkeit wenige Aspekte, nur zum schnelllaufenden Mond, zur Venus und zu Merkur bildet er kurzfristig Aspekte. Herausragend ist aber sein langes Trigon mit Chiron von Ende Mai bis Ende Juli. Damit bildet er zwei wichtige Aspekte während seiner Rückläufigkeit, nämlich ein Quadrat mit Neptun und ein Trigon mit Chiron. Die mögliche Bedeutung dieser Aspekte könnte sein, dass manches, was wir vorhaben, noch ein genaueres Ausleuchten der Hintergründe benötigt.

Ehe wir Orientierung geben können und verbindlich handeln können, sollten wir noch den Schmerz verstehen, der in unserer Gesellschaft auch da ist. Auf der Suche nach Erkenntnis müssen wir hier tief ins Unbewusste unserer Gesellschaft gehen und den Schmerz lokalisieren, der dort ist. Heilung gelingt nur, wo Komplexe aufgelöst und Projektionen zurückgenommen werden. Der Begriff „Projektionen zurücknehmen“ bedeutet, dass wir uns darüber bewusst werden, dass dasjenige, was wir anderen vorwerfen in Wahrheit ein Anteil von uns selbst ist. Wenn ich beispielsweise erkenne, dass ich selbst aggressiv und feindselig bin und diese Aggression nicht nur von außen kommt. Wenn wir uns unseren eigenen, finsteren emotionalen Abgründen stellen und den Teufel oder Psychopathen in uns selbst aufzuspüren vermögen, dürfte es uns leichter fallen, andere zu verstehen und ihnen offenen Herzens zu begegnen. Alles was wir in uns selbst nicht sehen wollen, was wir an uns selbst nicht verstanden haben oder nicht akzeptieren können, projizieren wir unweigerlich auf andere, die dann wesentlich böser erscheinen, als sie in Wahrheit sind.

Wir haben bereits erlebt, wie die Willkommenskultur plötzlich in eine sehr restriktive, Grenzzäune bauende, Politik umschwenkte. Und dieses Frühjahr könnten wir noch einen weiteren Schwenk erleben, nach dem wiederum alles anderes sein wird als vorher. Flüchtlinge beispielsweise, die jetzt in die Türkei zurückgebracht werden, sprechen bereits von Deportation. Das Leid in den Flüchtlingslagern der Türkei und auch an anderen Orten ist einer zivilisierten Menschheit unwürdig. Dort haben wir noch viel zu wenig hingesehen! Auf der anderen Seite eskaliert die Fremdenfeindlichkeit in Deutschland und Österreich immer mehr. Mittlerweile ist es für viele vollkommen in Ordnung islamfeindlich zu sein, ja sogar da und dort offenen Hass zu zeigen. „Wir wollen euch hier nicht haben“, ist eine Haltung, die in weiten Teilen der Bevölkerung zunimmt und immer mehr akzeptiert wird, ja da und dort sogar begeisterte Zustimmung findet. So mag es den Juden Ende der 1920-er und Anfang der 1930-er Jahre gegangen sein. Und dann wurde der Hass plötzlich salonfähig, Juden wurden offen gemobbt, aus ihren Jobs vertrieben, des Landes verwiesen und benachteiligt, wo es nur ging. Von da an, war es dann nur ein „kleiner Schritt“ zur industriellen Massenvernichtung…

Wollen wir derartige Entwicklungen in unserer Zeit noch einmal? „Das ist eine andere Kultur“, höre ich da und dort. Sogar in meinem Bekanntenkreis. Ja und weiter? Was will der Sprecher, die Sprecherin damit sagen? Ich höre bisweilen von erleuchteten (Vorsicht Ironie!) deutschen und österreichischen Männern, die Frauen respektvoll behandelten, niemals ausfällig gegen sie werden würden und schon gar nicht, jemals die Hand gegen Frauen erheben würden. Jene Männer aus Syrien aber seien durch die Bank alle Vergewaltiger. Ernsthaft? Als ob Deutsche und Österreicher nicht mehrheitlich genau solche Machos wären wie die meisten anderen Männer dieser Erde! Unsere ganze angeblich so offene und emanzipierte Kultur ist nichts als ein dünner Lack an der Oberfläche. Abseits des Mainstreams heißt es auch bei uns, eine Frau gehöre an den Herd und ein Mann, der selber Hemden bügle, hätte „seine Alte“ offenbar nicht gut genug abgerichtet. Das ist die Meinung von sehr vielen österreichischen und sicher auch deutschen Männern und ich kann ehrlich gesagt nicht sehen, wo sich diese Meinung mit der angeblich so anderen Kultur der Syrer, Afghanen oder Iraker so grundlegend unterscheiden würde.

Die Pluto-Uranus-Spur in unserer Gesellschaft

Im Vordergrund des Neumondes steht auch das Uranus-Pluto-Quadrat, das der Neumond direkt auslöst. Dieses Quadrat hat als Thema einen gewissen Mutationszwang. Ganz egal was geschieht, Hauptsache, es wird anders! Keinesfalls sollen die Dinge so bleiben wie sie sind. Blicken wir in die Gesellschaft, so scheint sich das so auszuwirken, dass der Staat immer mehr kontrolliert und uns überwacht, während die Menschen dem Neuen, Aufregenden und Innovativen hinterherlaufen und sich auf diese Art und Weise eine hysterische Scheinwelt basteln, die jeden Bezug zur Realität verloren hat.

Wir bekämpfen angeblich den Terror, jedenfalls wird uns das von Politikern eingeredet, und wir tun das, um unsere Werte und unsere Freiheit zu schützen. Dabei merken wir gar nicht, dass wir unsere Freiheit längst schon eingebüßt haben. Vor kurzem schlug ein sogenannter Sicherheitsexperte Metalldetektoren auch in Konzert- und Opernhäusern vor. Natürlich können wir alles und jedes überwachen, am besten gleich mit direkt in Menschen implantierten Chips. Aber wie frei sind wir dann noch? Wir haben dann jene Freiheit, die wir angeblich bewahren wollten, freiwillig aufgegeben und irgendwann sind vielleicht jene Gesellschaften, die von uns als unzivilisiert und undemokratisch definiert werden, in Wahrheit freier als unsere eigenen.

Und wenn wir von Werten reden, fragt sich auch, welches denn die europäischen Werte sind? Das einzige, was heutzutage wirklich Bedeutung zu haben scheint, ist Geld und der Börsenwert. Und selbst das ist purer Schein. Wenn wir in den USA und in Europa Milliarden und Billionen von Dollar und Euros drucken, wie viel Wert kann dieses bunte Papier dann eigentlich noch haben? Mittlerweile will die Europäische Zentralbank bereits Geld an die Bürger Europas verschenken (vgl. z.B. Süddeutsche Zeitung). 1300 € pro Person würden etwa 440 Milliarden kosten und das, meinten die Experten, wäre verkraftbar um die Wirtschaft anzukurbeln. Wie wäre es, wenn die sogenannten Experten einfach zugeben würden, dass das Geldsystem, so wie es heute besteht, vollends gescheitert ist und so nicht mehr funktioniert?

Die hysterische Gesellschaft

Im ICD 10 (International Classification of Deseases), dem für Psychiater und Psychotherapeuten in Österreich verbindlichen Diagnoseschema, gibt es eine schwere Erkrankung, die als Histrionische Persönlichkeitsstörung (F 60.4) bezeichnet wird. Die Diagnose einer Histrionischen Persönlichkeitsstörung ist laut ICD 10 dann gegeben, wenn mindestens vier der folgenden Eigenschaften oder Verhaltensweisen zutreffen:

  1. dramatische Selbstdarstellung, theatralisches Auftreten oder übertriebener Ausdruck von Gefühlen
  2. Suggestibilität, leichte Beeinflussbarkeit durch Andere oder durch Ereignisse oder Umstände
  3. Oberflächlichkeit, labile Affekte
  4. ständige Suche nach aufregenden Erlebnissen und Aktivitäten, in denen die Betreffenden im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stehen
  5. unangemessen verführerisches Erscheinen und Verhalten
  6. übermäßiges Bemühen, äußerlich attraktiv zu erscheinen

Sind vier der sechs Punkte zutreffend, so ist laut ICD 10 die Diagnose einer Histrionischen Persönlichkeitsstörung erfüllt. Dies ist eine schwere Form der Persönlichkeitsstörung, die über eine neurotische Erkrankung deutlich hinausgeht. Der für Laien möglicherweise unbekannte Begriff histrionisch kommt vom lateinischen Wort histrio, was so viel wie Schauspieler bedeutet. Früher nannte man diese Form der Störung Hysterie.

Das für mich so überaus Irritierende an diesen Diagnosekriterien ist, dass sie mir eine sehr treffende Beschreibung unserer modernen Gesellschaft zu sein scheinen, in der es um die Zahl der Kommentare in Facebook- oder Instagram-Postings geht, in der ununterbrochen Selfies geschossen werden und man jede Minute online sein muss. Eine einzige Facebook-Meldung wird zum Hype und wird tausendfach weitergepostet. Zwei Tage später weiß niemand mehr, worum es damals ging. Die Farbe eines Kleides oder die passende Beinkleidung für Hunde ist genauso wichtig wie ein Terroranschlag mitten in Europa. Der Begriff Selbstmarketing ist enorm wichtig geworden und wer sich nicht selbst verkauft, existiert digital bald nicht mehr und im Offline-Leben ist er schlicht und ergreifend ein Niemand. All das sind die Kennzeichen von Hysterie, in der echte Gefühle gar nicht mehr wahrgenommen werden, sondern alles dramatisch übertrieben werden muss, damit überhaupt noch irgendeine Form der Aufmerksamkeit erreicht wird. Tief drinnen in der Seele ist aber nichts als Leere, Unglücklichsein und tiefe existenzielle Einsamkeit.

Astrologisch würde ich diese Entwicklung, die Entfernung oder Entfremdung von echten Gefühlen, am ehesten mit Uranus in Verbindung bringen. Allerdings scheinen hier noch weitere, längerfristige Zyklen wirksam zu sein. Schließlich hat schon in den 1980-er Jahren Neil Postman davor gewarnt, dass wir uns zu einer Gesellschaft entwickelten, die sich zu Tode amüsiere (Postman, 1988). Heutzutage ist diese Entwicklung weit fortgeschritten und Künstlichkeit allgegenwärtig. Das alte römische Prinzip, das der Dichter Juvenal schon vor 1900 Jahren kritisierte, Brot und Spiele, funktioniert offenbar auch heute noch. Die EZB verteilt ein wenig Geld und wir bekommen neue Apps für unsere Handys und dann ist alles gut!

Weitere Artikel

In der aktuellen Astrologie heute Ausgabe Nr. 180 von April/Mai 2016 erschien gerade ein Artikel von mir, zu einem weiteren psychologischen Thema, dem Inneren Team. Eine Vorschau dieses Artikels finden Sie hier.

Persönliche Beratung

Astrologische Beratung Stefan HofbauerFalls auch Sie von einer persönlichen Beratung profitieren wollen, rufen Sie mich einfach an oder schicken mir ein Email, um einen Termin zu vereinbaren. Weitere Informationen zu Ablauf und Rahmenbedingungen einer astrologischen Beratung finden Sie hier .

Bildnachweis

Die Bilder stammen von Pixaby, die Astro-Grafiken wurden mit der Software Sarastro erstellt.

Literatur und Quellen

Postman, Neil (1988). Wir amüsieren uns zu Tode. Urteilsbildung im Zeitalter der Unterhaltungsindustrie. Fischer Verlag.

Sullivan, Erin (2002). Rückläufige Planeten: Aufbruch in die innere Landschaft. Edition Astrodata.

Süddeutsche Zeitung, 31.3.2016: Schwedische Bank: EZB könnte allen Bürgern 1300 € schenken.

Die Presse, 3.4.2016: „Panama Papers“: Riesiges Datenleck enthüllt Offshore Geschäfte.

 

2 thoughts on “Ein Monat voller Überraschungen

  1. Sehr gute Analyse unserer hysterischen Gesellschaft.
    wie individuell – so gesellschaftlich die Krankheitszeichen.
    wie mikro- so makro-Kosmos. wie oben – so unten.

    Danke hofastro! 🙂

  2. Sehr geehrter Herr Hofbauer

    vielen Dank für Ihren interessanten Artikel über den rückläufigen Mars.
    Mars steht u.a. für das männliche Prinzip. Während seiner rückläufigen Phase
    zeigen sich die Schwächen des patriarchalen Zeitalters in seinem vollem Ausmass ganz deutlich. Politisch, sozial und persönlich.

    Menschen suchen Zuflucht vor diktatorischen Regimes, es werden Kinder und Frauen massenweise missbraucht und ausgenutzt. Menschen gefoltert und es wird im Namen des Friedens oder der Religion Krieg geführt. Ob es nun gefällt oder nicht: die Akteuere sind Männer.
    Die Religionen und die Staatsstrukturen, alle ausnahmslos patriarchal
    strukturiert (hierarchisch gegliedert), bieten den Nährboden für Machtmissbrauch, Unterdrückung und Krieg. Der Mensch ist aber nicht per se schlecht. Vielmehr
    zeigen sich die neurotischen Verhaltensweisen, der narzisstisch verletzten Männer, mit Mars/Neptun, immer stärker. Die Schwächen des patriarchalen Systems zeigen sich in solch rückläufigen Phasen ganz deutlich.

    Das Argument, dass auch wir in der westlichen Zivilisation die Frauen nach wie vor unterdrücken und dass bei uns noch sehr viel Arbeit für Gleichberechtigung geleitet werden muss, legitimiert das islamisch-moslemische Frauenbild bei weitem nicht.
    In der Tat gibt es bei uns noch vieles aufzuholen und die Gesetzte umzusetzen.
    4000 Jahre Patriarchat sind eine lange Zeit und wir müssen hinsehen und am Ball bleiben.

    Darum sehe ich nun bewusst hin, wenn ich Frauen in Kopftüchern sehe. Frauen, welchen die Klitoris rausgeschnitten wurde. Frauen welche zwangsverheiratet werden, keine Bildung geniessen dürfen. Frauen, welche den Männern gehören und keine freie Bestimmung haben.
    Darum müssen wir den Männern solcher Frauen, die Stirn bieten. Ihre Sitten, ihre Werte und Normen untergraben die Frauenrechte massiv!
    Wenn in Namen der Religionsfreiheit, der Mulitikultigesellschaft und Toleranz, solche Werte und Normen toleriert werden, werden die Frauenrechte untergraben.
    Die Gleichstellung hat über der Religionsfreiheit zu stehen. Vielmehr sollte in arabischen Ländern die Säkularisierung vorangetrieben werden.

    Wenn ich die gängigen Argumente höre und lese, dass wir schliesslich auch bei uns die Frauen noch unterdrücken und wir deshalb die Werte und Normen moslemischen Massenzuwanderer zu tolerieren hätten, frage ich mich, ob dies eine Manifestation, eine unterbewusste Reaktion, also eine Projektion unserer Gesellschaft ist.
    Diese Erkenntnis sollte nun dazu führen, dass wir nochmals ein Auge auf unsere Frauenrechte und deren Umsetzung werfen. Lilith sei gegrüsst!

    Herzlich
    Elena Laura

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