Bundespräsidetenwahl, die Dritte

Prognosen sind schwierig, vor allem wenn sie die Zukunft betreffen… 😉

WürfelViele Menschen fragen mich dieser Tage, ob ich eine Prognose für den Wahlausgang der Bundespräsidentenwahl am 4.12.2016 hätte. Noch im Frühjahr 2016 war ich bereit eine solche Prognose zu wagen. Inzwischen bin ich – so hoffe ich – klüger geworden und halte eine solche Wahlprognose für nahezu unmöglich und zwar aus mehreren Gründen.

Fehlende Geburtszeiten der Kandidaten

Zum einen kennen wir weder von Norbert Hofer noch von Alexander Van der Bellen eine Geburtszeit. Zwar gibt es Spekulationen zu den Geburtszeiten in diversen Astrogruppen und -foren, aber bisher war niemand bereit oder in der Lage für diese Zeiten eine brauchbare Quelle anzugeben. Da und dort argumentieren Kollegen ernsthaft auf dem Niveau von: „Meine Intuition sagt mir…“, um dann eine Geburtszeit einfach zu erfinden. Manche scheinen sich nicht klar zu machen, dass solche Mutmaßungen einfach nur ihrer Fantasie entspringen bzw. Wunsch gewordene Projektionen sind.

Die gleichen Astrologen oder sogenannten Astrologen wären wohl nicht in der Lage ohne weitere Zusatzinformationen wie Alter oder Sonnenzeichen das Horoskop Hofers überhaupt von dem Alexander Van der Bellens zu unterscheiden. Es ist ja schier unglaublich, was man in Geburtshoroskope alles hinein fantasieren kann. Und würde ich jetzt wahlweise eine beliebige Geburtszeit erfinden, sagen wir mal 15:26 Uhr für Van der Bellen und 13:34 Uhr für Hofer, so würden garantiert einige Astrologen ziemlich gute Gründen finden, warum das die richtigen Geburtszeiten sein müssten. Sie würden in diesen Horoskopen einfach irgendwo anfangen und die Bedeutung der Planeten einfach so lange drehen und wenden, bis die Beschreibung ziemlich genau auf den betreffenden Kandidaten passt.

Ein Weiteres sollten wir uns klar machen: wir kennen weder Alexander Van der Bellen noch Norbert Hofer persönlich, wir wissen nicht, was in ihnen vorgeht, wir kennen ihre geheimen Wünsche und Sehnsüchte nicht, wir wissen auch nicht, ob wir von ihnen 2% ihrer tatsächlichen Persönlichkeit öffentlich wahrzunehmen in der Lage sind oder 50%. Vieles von der medial wahrgenommenen Persönlichkeit ist außerdem geschickten Marketing-Strategien geschuldet und hat mit den Menschen dahinter nur marginal zu tun.

Es ist sehr leicht, irgend etwas Astrologisches daherzureden, wenn man nicht weiß, wonach man eigentlich sucht und wenn man sich nicht klar macht, welche Hypothese denn einer solchen Wahl zugrunde liegt. Wonach suche ich denn beim Gewinner einer Bundespräsidentenwahl? Nach einem Jupiter-Transit? Nach einer Sonnen-Auslösung? Nach Pluto am MC? Und macht es nicht einen Unterschied, welche Motive ein Kandidat hat, für eine solche Wahl überhaupt erst zu kandidieren? Dem einen mag es vielleicht um Macht gehen, der andere sieht darin einen krönenden Abschluss seines Lebens und wieder ein anderer hat vielleicht wirklich eine Vision und möchte etwas für das betreffende Land erreichen. Diese Motive sind jetzt ganz allgemein gesprochen und nicht auf Norbert Hofer oder Alexander Van der Bellen bezogen.

Würde jemand wirklich etwas für die Gemeinschaft tun wollen, so suchten wir wohl eher nach einem Transit oder Bezug zum 11. Haus. Hat jemand in erster Linie ideologische Gründe für seine Kandidatur, so suchen wir vielleicht nach Bezügen zum 8. Haus oder zu Pluto. Ein Kandidat, der gewohnt ist viel Verantwortung zu tragen, wird vielleicht Bezüge zum 10. Haus oder eine Steinbock-Betonung aufweisen. Diese Fragen und Hypothesen müssten wir zuerst klären, bevor wir uns überhaupt nach astrologischen Anhaltspunkten auf die Suche begäben.

Dann kommt noch dazu, dass wir eine gewonnene Wahl gerne als glückliche Wendung oder Erfolg betrachten. Aber ist diese Hypothese überhaupt zulässig? War es ein Glück für John F. Kennedy zum Präsidenten gewählt zu werden? Oder wäre er vielleicht noch am Leben, wenn er nicht gewählt worden wäre?

Unwichtige Kandidaten

Republik Österreich I 1918

Abb. 1. Republik Österreich, 12.11.1918, 16:00 Uhr MEZ (15:00 Uhr UT).

Damit komme ich zum zweiten Punkt, neben der fehlenden Geburtszeit. Könnte es nicht am Ende so sein, dass die Kandidaten relativ unwichtig sind? Es ist ja das Volk, das zur Wahl aufgerufen wird. Und vielleicht müssten wir eher versuchen, die Stimmung des Kollektivs, in diesem Fall des österreichischen Volkes einzufangen. Das gelingt wohl am ehesten mit dem Gründungshoroskop eines Staates. Aber schon an diesem Punkt ergeben sich für die meisten Staaten dieser Erde erhebliche Probleme. Was genau ist denn der Gründungszeitpunkt eines Staates? Ist das die öffentliche Ausrufung der Monarchie, Republik oder Diktatur? Ist es das Inkrafttreten der Verfassung oder die Inthronisierung eines Königs, Präsidenten oder Ministerpräsidenten?

Für Österreich gibt es beispielsweise mindestens zwei Gründungshoroskope für die aktuelle Staatsform, zum einen das Gründungshoroskop der Republik von 1918 (Abb. 1) und zum zweiten das Staatsvertragshoroskop von 1955 (Abb. 2). Zunächst wäre also zu entscheiden, welches Horoskop wir für eine mögliche Prognose überhaupt heranziehen. Welches bildet das Volk der (wahlberechtigten) Österreicher momentan am besten ab? Ist es jenes mit dem Löwe-Aszendenten und der Stier-Sonne in 10? Das wäre die Kultur-Nation, deren wichtigster Wert Fleiß und Lebensgenuss ist. Oder ist das Horoskop von 1918 relevanter? Das wäre die genussorientierte Nation, für die Ab- und Ausgrenzung wichtig ist und die doch vom anderen und vom Ausland stark abhängig ist (Stier AC und Venus in 7).

Zugegeben, das sind jetzt extreme Verkürzungen, die ich hier als Argument gebrauche, um das Horoskop von 1955 vorzuziehen. Eine genauere Analyse der politischen Entwicklungen in Österreich einschließlich aller wichtigen historischen Wendungen wäre notwendig, um zu entscheiden, welches Gründungshoroskop das Kollektiv derer, die man Österreicher nennt, am besten wiederspiegelt. Ein ganz pragmatischer Vorteil lässt mich in jüngster Zeit das Staatsvertrags-Horoskop vorziehen, nämlich die Tatsache: vom Staatsvertragshoroskop kennen wir eine genaue Zeit, während der Gründungszeitpunkt der 1. Republik von verschiedenen Seiten immer wieder in Frage gestellt wurde. D.h. wir können nicht sicher sein, dass dieser Zeitpunkt überhaupt stimmt.

Rebublik Österreich Staatsvertrag 1955

Abb. 2. Österreich, Staatsvertragsunterzeichnung, 15.5.1955, 11:31 Uhr MEZ (10:31 UT), Wien.

Transite auf das Österreich-Horoskop

Als es 1999 den Wechsel von einer rot-schwarzen zu einer schwarz-blauen Koalition gab, machte Saturn gerade eine Konjunktion mit dem MC des Österreich-Horoskops. Die vorangegangene Sonnenfinsternis vom 11.8.1999 fand darüber hinaus im Quadrat mit dem MC statt. Dergleichen starke Transite fehlen für den 4.12.2016. Möglicherweise ist das ein Indiz dafür, dass es keinen radikalen Bruch mit dem bisherigen System geben wird.

Für das Horoskop von 1918 sähe das aber schon wieder völlig anders aus. Dort steht Uranus aktuell im Quadrat mit dem MC, Lilith transitiert Sonne und Venus (Herrscherin von 1!) und Jupiter steht obendrein in Konjunktion mit Lilith. Das Uranus-Quadrat würde hier auf einen radikalen Wandel der Ziele des Landes hinweisen, wohingegen die Lilith-Auslösungen in gewisser Weise für die Rache des arbeitenden Volkes stehen könnte.

Wir sehen also, dass schon allein an diesem Punkt eine Prognose davon abhinge, welches Gründungshoroskop Österreichs wir heranzögen. Und erst wenn diese Frage geklärt wäre und wir entschieden hätten, welche konkreten Veränderungen für dieses Land anstehen, könnten wir zu klären versuchen, ob Kandidat Norbert Hofer oder Alexander Van der Bellen diese Veränderungen besser verkörpern würde.

Die Auslösungen des Staatsvertrags-Horoskopes

Was die Auslösungen nach dem 7-er Rhythmus Döbereiners angeht, kommt das Staatsvertrags-Horoskop gerade in eine Chiron-Auslösung, die im Jänner 2017 exakt wird. Für Chiron in 6 könnten in Österreich jene Menschen stehen, die sich in ihrer konkreten Lebenswirklichkeit, im Alltag und im Berufsleben benachteiligt fühlen und Ausgrenzung oder sozialen Abstieg befürchten.

Auch im Horoskop von 1955 spielt Lilith übrigens eine bedeutende Rolle, da sie soeben über die Spitze 4 geht und eine Konjunktion mit Saturn bildet. Sie kehrt damit in jenes Haus zurück, in dem sie auch im Radix steht. Das 4. Haus eines Landes hat mit dem Wesen und den Traditionen eines Staates zu tun. Auf einer anderen Ebene finden wir dort auch das „gemeine Volk“ in Abgrenzung von der Elite und den Regierenden. Hier sind mundanastrologisch auch die Gegenspieler der Regierung angesiedelt, was wir in Österreich eindeutig in der Partei der FPÖ festmachen können. Auch Ideologien, Opposition, Massenbewegungen, Nationalismus und Landwirtschaft sind eine Entsprechung des 4. Hauses. Die Konjunktion Lilith-Saturn könnte man hier direkt mit Systemschock oder Rebellion gegen das Establishment übersetzen, zumal Saturn Mitherrscher im 5. Haus ist, wo mundanastrologisch die Elite („die Hautevolee“) angesiedelt ist.

Norbert Hofer, Bundespräsidentenwahl 2016

Abb. 3. Norbert Hofer, 2.3.1971, Vorau (ohne Häuser, da Geburtszeit unbekannt).

Norbert Hofer (Abb. 3) löst nun mit seinem Saturn genau diesen Saturn im Österreich-Horoskop aus und opponiert außerdem die Transit-Lilith. Van der Bellen (Abb. 4) wiederum hat in der Synastie mehr günstige Aspekte auf das Österreich-Horoskop als Norbert Hofer.

Beschränkten wir uns nur auf die Sonnen der beiden Kandidaten, so fällt Alexander Van der Bellens Sonne ins 5. Haus des Staatsvertrags-Horoskops. Da dort das Establishment angesiedelt ist, wird er wohl von vielen Österreichern auch so wahrgenommen. Norbert Hofers Sonne fällt ins 7. Haus des Österreich-Horoskop. Das könnte ein Hinweis darauf sein, dass letztendlich die Wahrnehmung der anderen und des Auslandes wahlentscheidend werden könnten. Darüber hinaus zeigt es aber auch, dass Hofer sehr tiefsitzende Ängste im Wahlvolk anspricht, da das Zeichen Fische über das 8. Haus Österreichs herrscht. Die Tatsache, dass Hofer in der Lage ist, Ängste zu spüren und auch zu schüren zeigt auch die Stellung seiner Sonne im Quadrat mit der Lilith Österreichs in 4. Ganz konkret wurden diese Ängste in Hofers Ausspruch: „Sie werden sich noch wundern, was alles geht.“

Alexander Van der Bellen, Bundespräsidentenwahl 2016

Abb. 4. Alexander Van der Bellen, 18.1.1944, Wien (ohne Häuser, da Geburtszeit unbekannt).

Beim Schließen der Wahllokale am 4.12.2016, um 17:00 Uhr, steht der laufende Aszendent gerade am absteigenden Mondknoten Österreichs, während das transitierende MC genau auf den Deszendenten des Landes fällt. Damit finden wir, egal wo wir hinsehen, überall nur den Wassermann-Archetyp. Der absteigende Mondknoten Österreichs steht in 11, der Deszendent und der laufende MC stehen im Wassermann und auch Transit-Mars und -Mond stehen im Wassermann. Obendrein steht auch die Transitsonne (12°56′ Schütze) in applikativer Opposition mit dem Herrscher von 11 (14°42′ Zwillinge). Wovon will sich das Volk Österreichs hier befreien und wer von den Kandidaten verkörpert diese Befreiung am besten? Das wird dann wohl über den Wahlausgang entscheiden. Am 4. Dezember oder allenfalls einige Tage später wissen wir mehr…

Persönliche Beratung

Astrologische Beratung Stefan HofbauerFalls auch Sie von einer persönlichen Beratung profitieren wollen, rufen Sie mich einfach an oder schicken mir ein Email, um einen Termin zu vereinbaren. Weitere Informationen zu Ablauf und Rahmenbedingungen einer astrologischen Beratung finden Sie hier .

Bildnachweis

Die Bilder stammen von Pixaby, die Astro-Grafiken wurden mit der Software Sarastro erstellt.

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