Geozentrisch und heliozentrisch

Je mehr Standpunkte man hat, die man vertritt, desto sicherer steht man! (Erhard Blanck)

Erde, Mond und SonneObwohl sich das heliozentrische Weltbild, entgegen anderslautenden Vorwürfen seitens Astrologie-Kritikern, auch in der Astrologie herumgesprochen hat, verwenden wir immer noch ein geozentrisches Koordinatensystem. Ganz einfach deshalb, weil wir auf der Erde leben und die Bewegungen der Planeten und Sterne aus diesem Blickwinkel betrachten. Das Gleiche tun übrigens auch hartgesottene Naturwissenschaftler, wenn sie morgens immer noch sagen: „Die Sonne geht auf!“ und nicht: „Die Erde dreht sich zur Sonne.“ Und sie sagen das, obwohl sie wissen, dass es physikalisch nicht korrekt ist. Die Sonne geht nirgendwo hin. Innerhalb unseres Sonnensystems befindet sie sich immer exakt am gleichen Punkt. Freilich, wenn wir das Galaktische Zentrum oder etwaige supergalaktische Zentren als Bezugspunkte hernähmen, bewegte sich auch die Sonne.

Eine andere Sichtweise

Nähmen wir etwa die Rückläufigkeit der Planeten, die für viele Astrologen eine große Rolle spielt, so gibt es diese nur aus geozentrischer Perspektive. Aus heliozentrischer Sicht bewegen sich Planeten immer in die gleiche Richtung und werden niemals rückläufig. Die Rückläufigkeit ist eine geozentrische Illusion, die mit der Bewegung der Erde im Verhältnis zu den anderen Planeten zu tun hat.

Wenn wir uns auf der Autobahn mit 130 Stundenkilometern bewegten und neben uns führe ein Auto mit nur 100 Stundenkilometern, so sieht es so aus, als würde sich dieses Auto rückwärts bewegen. Tatsächlich fährt es aber in die gleiche Richtung wie wir, nur eben langsamer und im Verhältnis mit unserer eigenen Bewegung bewegt es sich scheinbar rückwärts. Wir „hängen es ab“. Beobachtete ein Mensch aus einem Helikopter die Autos auf dieser Autobahn, so könnte er klar erkennen, dass alle Autos sich auf einer bestimmten Autobahnseite in die gleiche Richtung bewegen, nur eben manche schneller und andere langsamer.

Aspekte 2017, geozentrisch und heliozentrisch

Abb. 1. Hauptaspekte 2017, geozentrisch und heliozentrisch.

Analog dazu sehen auch die Bewegungen der Planeten aus heliozentrischer Sicht anders aus als aus geozentrischer. Um das zu verdeutlichen, habe ich in Abbildung 1 alle aktuell relevanten Langsamläufer-Aspekte geozentrisch und heliozentrisch dargestellt. Während die Langsamläufer Jupiter bis Pluto geozentrisch meist mehrere exakte Aspekte bilden, kommt ein solcher Aspekt heliozentrisch (wegen der fehlenden Rückläufigkeit) immer nur einmal zustande. So treffen sich Jupiter und Uranus aus Erdsicht am 26.12.2016 und am 3.3. sowie 28.9.2017 zu einer exakten Opposition, während sie das heliozentrisch nur am 11.7.2017 tun.

Das zuletzt besonders relevante Uranus-Pluto Quadrat, welches zwischen 2012 und 2015 sogar sieben Mal exakt wurde, ereignete sich heliozentrisch nur am 23.11.2013 auf 11°04‘ Widder/Steinbock. Allerdings ist fraglich, was sich dadurch wirklich ändert. Wenn wir nämlich einen Orbis von 5 Grad annähmen, so würde auch das heliozentrische Quadrat von März 2011 bis Mai 2016 gedauert haben. Insofern haben wir hier auch eine Gemeinsamkeit, da sowohl geo- als auch heliozentrische Aspekte längere Zeiträume definieren, innerhalb denen ein Aspekt wirksam bleibt.

Die heliozentrische Perspektive ist also eine übergeordnete, wenn man so will, objektivere. Wie sie allerdings astrologisch zu interpretieren ist, ist mir persönlich etwas unklar. Schließlich lebt niemand von uns auf der Sonne.

Die Sonne ist unbestritten das Zentrum unseres Sonnensystems und die Quelle unseres Lebens. Möglicherweise könnte man andere Himmelskörper aus unserem Sonnensystem entfernen, entfernte man jedoch die Sonne, würde das Leben auf der Erde sofort erlöschen. Insofern ist die Sonne sehr zentral und außerordentlich wichtig in der Astrologie. Sie enthält 99,86% der gesamten Masse des Sonnensystems (Niederwieser, 2017). Dass sie von manchen Astrologen in ihrer Bedeutung geschmälert wird, hängt wahrscheinlich damit zusammen, dass viele Astrologen sich von einfachen Zeitungshoroskopen und TV-Channels abheben wollen, weshalb sie möglicherweise andere Faktoren (je nach Richtung: Aszendent, Mondknoten, Saturn- oder Mond-Stellung…) deutlich stärker gewichten.

Es ist berechtigt, andere Standpunkte einzunehmen und häufig eröffnen sie uns einen größeren, weiteren Blick auf die Dinge. So macht es beispielsweise einen Unterschied, ob ich ein Gesetz aus dem Blickwinkel des Bürgers, der davon betroffen ist, betrachte oder aus dem Blickwinkel des Gesetzgebers. Und ein wiederum anderer Bezugsrahmen ergibt sich, wenn ich das gleiche Gesetz im historischen Vergleich analysiere.

Interpretation heliozentrischer Aspekte?

Inhaltlich wäre es jetzt interessant, sich zu fragen, welche Aussage ein heliozentrischer Aspekt zulässt. Wie wir schon gesehen haben, dürfte der Aspekt objektiver sein und gewissermaßen Gültigkeit für das gesamte Sonnensystem haben. Spätestens dann, wenn wir Kolonien auf dem Mars und dem Jupiter errichten, wäre das dann ein besserer Bezugspunkt. Strenggenommen müssten wir dort aber auch marsozentrische oder jupiterzentrische Horoskope berechnen. In ersterem gäbe es dann keinen Mars, dafür aber eine Erde und in letzterem keinen Jupiter. Wie man schließlich in ferner Zukunft ein Horoskop für jemanden berechnen sollte, der in einem Raumschiff geboren würde, bleibt wohl eine Frage, die künftigen Astrologen Kopfzerbrechen bereiten wird (Die Gedanken dieses Absatzes wurden inspiriert von Karlheinz Dotter, der zu diesem Thema einen Vortrag am Tag der Astrologie 2014 hielt).

Einstweilen sollten wir vielleicht aus reinem Forschungsinteresse die heliozentrischen Aspekte „mitlaufen“ lassen und einfach nur beobachten, wann bestimmte Ereignisse, die der Zeitqualität nach mit einem bestimmten Aspekt verbunden sein dürften eher eintreten, bei der geozentrischen oder der heliozentrischen Exaktheit.

Neumondeklipse, 21.8.2017, geo- und heliozentrisch

Abb. 2. Sonnenfinsternis 21.8.2017, 18:30 Uhr UT, links: geozentrisch, rechts: heliozentrisch.

Für den Sommer 2017 ist besonders relevant, dass nun mehrere Aspekte, die uns geozentrisch seit Herbst 2016 und noch bis Mitte 2018 beschäftigen dürften, heliozentrisch exakt werden (vgl. Abb. 1), nämlich die Jupiter-Uranus-Opposition (am 11.7.2017), das Saturn-Uranus-Trigon (am 20.7.2017) und das Saturn-Chiron-Quadrat (am 10.8.2017). Nachdem all diese Aspekte im Umfeld der totalen Sonnenfinsternis vom 21.8.2017 stattfinden, die sich geozentrisch im exakten Trigon mit Uranus ereignet, dürften diese heliozentrischen „Hintergrund-Aspekte“ die Zeitqualität maßgeblich mitprägen.

In Abbildung 2, die die Sonnenfinsternis vom 21.8.2017 einmal aus geo- und einmal aus heliozentrischer Perspektive zeigt, erkennen wir deutlich die Exaktheiten der erwähnten Aspekte. Im heliozentrischen Horoskop gibt es selbstverständlich keine Sonne, da sie den Mittelpunkt darstellt, stattdessen steht die Erde (Kreis mit einem Kreuz oben) exakt in Opposition mit der Sonnenposition. Der Mond wird nicht separat eingezeichnet, weil er sich aus heliozentrischer Perspektive immer in Konjunktion mit der Erde befindet. Das Kürzel CM markiert das Massezentrum. Interessant ist, dass die Erde selbst sich bei der Finsternis in exaktem Trigon mit Jupiter und im Sextil mit Saturn befindet, während sie sich im geozentrischen Horoskop im Trigon mit der Neumondkonstellation befindet. Vielleicht könnte das ein Vorzeichen einer glücklichen Wendung sein oder großer Übertreibungen?

Das heliozentrische Horoskop könnte dann relevant sein, wenn wir einen höheren, objektiveren Standpunkt einnehmen wollen. Interessant ist vor allem, dass die persönlichen Planeten aus heliozentrischer Sicht jeden Aspekt einnehmen können, während sie aus geozentrischer Perspektive sich niemals weiter als 28° (Merkur) bzw. 47° (Venus) von der Sonne entfernen können.

Ich gebe zu, dass ich mit meinen Forschungen bezüglich des heliozentrischen Horoskops noch ganz am Anfang stehe und noch sehr wenig darüber sagen kann. Für den Anfang ist es aber eine Ermutigung, andere und neue Standpunkte einzunehmen. Ebertin fand das heliozentrische Horoskop insbesondere in der Mundanastrologie hilfreich. Treier und Sulser (Treier/Sulser, 2010) deuten das heliozentrische Horoskop immer zusammen mit dem Geburtshoroskop, als „rückkoppelnde“ Ergänzung. Insbesondere Planeten, die in anderen Zeichen stehen als im geozentrischen Horoskop, erachten sie hierbei als wichtig. Die Erdposition – in dem zur Radixsonne entgegengesetzten Haus – zeigt die Richtung an, die Entwicklung welcher Qualitäten jeweils möglich ist (Quelle: AstroWiki).

Ich glaube, wir können durch die Hereinnahme weiterer Perspektiven nur gewinnen und vielleicht stellt die heliozentrische Perspektive auch eine Einladung an unseren Geist dar, sich ein wenig von erd-(ego?)zentrischen Perspektiven zu befreien und einen höheren, bewussteren Standpunkt einzunehmen. Dass dies fruchtbar sein kann, war mir besonders in der Diskussion um Gewalt und Terror in letzter Zeit aufgefallen, wenn Statistiken zeigen, dass die Gewalt seit 1950 auf der Erde weltweit abgenommen hat und weiter abnimmt. Wenn wir gerade in einer Stadt wohnen, in der soeben ein Terroranschlag stattgefunden hat, mögen wir das freilich anders wahrnehmen. Die Tatsache aber, dass es global betrachtet durchaus positive Entwicklungen gibt, mag uns zumindest Anlass sein, dem Leben wieder mehr zu vertrauen und nicht vorschnell in Selbstmitleid und Schwarzmalerei zu verfallen.

Persönliche Beratung

Astrologische Beratung Stefan HofbauerFalls Sie von einer persönlichen Beratung profitieren wollen, rufen Sie mich einfach an oder schicken mir ein Email, um einen Termin zu vereinbaren. Weitere Informationen zu Ablauf und Rahmenbedingungen einer astrologischen Beratung finden Sie hier .

Bildnachweis

Die Bilder stammen von Pixaby, die Astro-Grafiken wurden mit der Software Sarastro erstellt.

Literatur

Niederwieser, Christof (2017). Das Gruppenhoroskop. Schlüssel zur Kollektiv-Astrologie. Zukunftsverlag

Treier, Heidi & Sulser, Sibylle (2010). Das heliozentrische Horoskop. Die Verbindung zwischen Sonne, Mensch und Erde. Astronova.

One thought on “Geozentrisch und heliozentrisch

  1. Horoskope für Raumschiffsbesatzung: Relatvistisch oder nicht? Wohl je nach Geschwindigkeit … Na, Scherz beiseite, für ein ruhendes Raumschiff bleiben immer noch die Fixsterne des Raumabschnitts in dem es gerade unterwegs ist.
    Allerdings ist es schwierig da erst einmal Konstellationen auszumachen, die eine archetypische Zuordnung über Mythen oder bedeutende Ereignisse zulassen.
    Zumindest nicht in den nächsten paar tausend Jahren, wenn überhaupt jemals interstellare Raumfahrt stattfindet.
    Für ein interplanetares Schiff freischwebend im Sonnensysterm wäre das heliozentrische Modell gültig. Das heliozentrische Bild gleicht eigentlich dem eines Betrachters, der unser Sonnensystem von aussen beobachtet – also gut für kleine grüne Männchen.

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