Identität Astrologe

Doktorhut

Das Spektrum der Astrologen

DoktorhutDer folgende Beitrag stellt eine Diskussionsgrundlage dar, um möglicherweise zur Klärung der Frage, was denn eigentlich seriöse Astrologie sei, beizutragen. Diese Frage wird ja auch innerhalb der Gruppe der Astrologen immer wieder aufgeworfen.

Einerseits gibt es den verständlichen Wunsch derjenigen Astrologen mit langjährigen Ausbildungen, sich von denen abzugrenzen, die solche Ausbildungen nicht haben. Andererseits diente es auch potenziellen Astrologie-Klienten dazu, leichter jene Astrologen finden zu können, die gewisse Mindestausbildungsstandards erfüllt haben.

Für Außenstehende ist es sehr schwer zu erfassen, was eigentlich ein seriöser Astrologe ist. Da gibt es die Zeitungshoroskope, die meist mit zwei oder drei Sätzen auskommen, es gibt die Esoterik-Hotlines und die Online- sowie Fernseh-Astrologen, die uns innerhalb von zwei oder drei Minuten verraten, dass wir diesen Sommer den Traumpartner treffen werden und für immer mit ihm glücklich sein werden oder dass wir ein großartiges Jobangebot bekommen und deutlich mehr verdienen werden als bisher. Manche Fernsehastrologen brauchen dazu etwa 15 Sekunden, um derartige Verheißungen (vermeintlich) auf einen Blick zu erkennen.

Wie seltsam das ist! Ich beschäftige mich im kommenden Jänner genau 20 Jahren intensiv mit Astrologie, habe deutlich über 100 Bücher zu dem Thema gelesen, eine zweijährige Diplom-Ausbildung gemacht und gut zwei Dutzend Fortbildungen besucht und ich wäre sicher nicht in der Lage und bereit (!), innerhalb von 15 Sekunden derartige Voraussagen zu machen. Ganz abgesehen davon, dass konkrete Zukunftsvoraussagen ohnehin unmöglich sind und wir nur strukturell Themen benennen können, um die es in den nächsten Monaten und Jahren gehen wird.

Vielleicht bin ich auch ein Auslaufmodell, ein Dinosaurier meiner Zunft. Auch in der Politik scheinen wir ja mittlerweile im postfaktischen Zeitalter angekommen zu sein. Ausbildungen und Fakten scheinen immer unwichtiger zu werden, was heute zu zählen scheint, sind nur noch Gefühle und „gefühlte Wahrheiten“, wenn wir beispielsweise Donald Trump oder anderen Populisten Glauben schenken. Auf die Astrologie umgelegt hieße das wohl, ich müsse nur glauben, was ich sage und einzig meinen Gefühlen und subjektiven Phantasien folgen, Ausbildungen seien hingegen unwichtig!

Die Vorwürfe unserer Gegner

Nicht uninteressant an dem Gedanken ist, dass auch manche Astrologie-Gegner sich an diesem Leitbild zu orientieren scheinen. Sie wissen nichts oder sehr wenig von Astrologie, bilden sich aber ein, über sie urteilen zu können. So tauchte diesen Sommer wieder einmal der Vorwurf auf, dass die Astrologen schon deshalb falsch lägen, weil die Sternbilder sich in den letzten 2000 Jahren verschoben hätten und Widder keine Widder mehr wären. Der bescheidene Einwand vieler Astrologen, dass wir uns am tropischen Tierkreis orientieren würden und mit den Sternbildern nichts zu tun hätten, wurde uns dann neuerlich zu einem Strick gedreht in der Weise, dass wir offenbar nicht begriffen hätten, dass Physiker seit 500 Jahren davon ausgehen, dass die Erde sich um die Sonne drehte und nicht umgekehrt. Sie warfen uns dann ein geozentrisches Weltbild vor, das überholt sei. Ähnlich dumme Vorwürfe habe ich schon in einem früheren Artikel zusammengefasst und muss sie an dieser Stelle nicht wiederholen (vgl. Artikel „Häufige Einwände gegen die Astrologie„).

Derartige Angriffe kommen in regelmäßigen Abständen und die sachlichen Einwände und Gründe der Astrologen werden dabei überhaupt nicht angehört, weil für die sogenannten Kritiker ja vollkommen klar ist, dass Astrologie Unsinn sei. Es lohne sich gar nicht, sich auch nur ein paar Minuten damit zu beschäftigen. Dergestalt zeigt sich immer wieder, dass die selbsternannten Skeptiker eigentlich gar keine Skeptiker sind. Sie sind in Wahrheit Dogmatiker und verhalten sich bisweilen wie religiöse Fundamentalisten, indem sie bereits als Prämisse davon ausgehen, dass an der Astrologie nichts dran sei, weshalb man auch vernünftigerweise nicht mit Astrologen diskutieren müsse. Dass Astrologen geistig beschränkt seien, dürfte jedem vernünftig denkenden Menschen ohnehin klar sein. Und wer diesen Glauben (!) hinterfragt, gerät sofort in Verdacht ein verrückter Esoteriker oder einfach nur irrational zu sein.

Traurig dabei ist, dass sehr wenige Astrologen in der Lage sind, derartigen Angriffen etwas entgegenzusetzen. Wenn ich selbst keinerlei Ausbildung genossen habe oder allenfalls eine wenige Wochen dauernde Ausbildung, dann kann ich mich natürlich mit einem Uni-Absolventen nur schwer messen. Und ein geringes Selbstbewusstsein auf Seiten des Astrologen tut dann ein Übriges, um die Auseinandersetzung gar nicht erst aufzunehmen.

Dass wir selbst als Gruppe der Astrologen keine eindeutige Identität aufweisen und uns untereinander ausspielen und Unseriosität vorwerfen, tut dann ein übriges, um unsere Gegner zu lachenden Dritten zu machen. Was ein Physiker oder Psychologe ist, weiß schließlich jeder und läßt sich auch unkompliziert im Internet recherchieren. Was jedoch einen (guten) Astrologen ausmacht, darüber sind wir uns selbst nicht so ganz einig. Selbst in Handwerksberufen lassen sich klar Lehrlinge von Gesellen und Meistern unterscheiden. In der Astrologie haben wir solche Kriterien und/oder Hierarchien leider nicht.

Identität Astrologe?

Aber ich will hier gar nicht auf die leidige Diskussion mit fanatischen Astrologie-Gegnern eingehen, denn an der sind selbst hoch gebildete und sehr erfahrene Astrologen schon gescheitert. Mir geht es um etwas Anderes, nämlich um unsere Identität als Astrologen. Man kann wohl mit gutem Recht behaupten, dass unsere Berufsgruppe äußerst inhomogen ist. Da gibt es die, die ein oder zwei Einführungsbücher gelesen haben und gleich Beratungen anbieten und am anderen Ende des Ausbildungs-Spektrums gibt es jene mit Psychologie-Studium oder Lebensberater-Ausbildung und zusätzlich zwei- oder dreijähriger Astrologie-Ausbildung. Hier mehr Homogenität reinzubringen oder Mindeststandards hinsichtlich der Ausbildungen zu schaffen, dürfte eine Herkulesaufgabe sein.

Wie haben andere Berufe das geschafft? Nun, was beispielsweise die Psychotherapie angeht, war die Situation bis in die 1980-er Jahre ähnlich der der Astrologen. Die Psychotherapie war im Bereich der Esoterik angesiedelt und ständig vom Kurpfuscherei-Paragrafen bedroht. Erst 1991 trat das Psychotherapie-Gesetz in Kraft, das die Ausbildung der Psychotherapeuten klar regelte und einen Titelschutz beinhaltete. Und erst jetzt, 25 Jahre später, werden Psychotherapeuten in der öffentlichen Diskussion einigermaßen ernst genommen und es ist auch garantiert, dass jeder Psychotherapeut heute eine zweiteilige und mindestens 6-jährige Ausbildung absolviert hat.

Wer in Österreich Astrologe werden will, benötigt dazu nur eines, nämlich seinen Reisepass oder Personalausweis. Die Astrologie ist ein sogenanntes Freies Gewerbe für das keinerlei Ausbildungen benötigt werden.

Vergleichen wir uns hier mit anderen Berufen, so haben wir es hier mit den beiden Extrempunkten eines ganzen Spektrums an Berufsvoraussetzungen zu tun. Auf der einen Seite stehen wir Astrologen und andere freie Gewerbe, die überhaupt keine wie auch immer geartete Ausbildung benötigen und am anderen Ende des Spektrums stehen jene Berufe die oft bis zu 10-jährige und längere Ausbildungen benötigen und so streng geschützt sind, dass jeder sich strafbar machen würde, der auch nur den Anschein erweckt, diesen Beruf auszuüben (z.B. Ärzte, Rechtsanwälte, Psychologen, Psychotherapeuten).

Illusion Astrologen-Gesetz

Einen ähnlichen Weg wie beispielsweise die Psychotherapeuten zu gehen, und ein Astrologen-Gesetz anzustreben, erscheint mir in der heutigen gesellschaftlichen Realität vollkommen illusorisch. Sollte so etwas überhaupt machbar sein, dürfte es wohl einige Jahrzehnte dauern. Es ist auch anzunehmen, dass die Berufsgruppe der Astrologen zahlenmäßig zu klein ist, um soetwas überhaupt nur anzustreben.

Ordentliches Astrologie-Studium

Meine Lieblings-Vision im Zusammenhang mit der Schaffung einer astrologischen Identität, wäre ein richtiges Universitäts-Studium mit regulärem Bachelor- und Master-Abschluss. Global betrachtet gibt es das schon in einigen Ländern (z.B. Wales/Großbritannien, Washington/USA). Für Österreich halte ich auch das für aussichtslos. Selbst Privatuniversitäten würden wohl um ihren Ruf fürchten, wenn sie ein Astrologie-Studium anböten. Schon ein WIFI-Kurs (WIFI = Wirtschaftsförderungs-Institut, eine Ausbildungseinrichtung der Wirtschaftskammer) für Astrologie verursachte vor einigen Jahren massive Proteste.

Gebundenes Gewerbe oder Freier Beruf

Die Astrologie ist ein sogenanntes Freies Gewerbe für das keinerlei Ausbildungen benötigt werden. Würde man das ändern wollen, müsste man die Astrologie zu einem gebundenen Gewerbe oder freien Beruf (ähnlich Rechtsanwälten, Ärzten, Psychotherapeuten) machen. Letzteres erforderte aber wieder eine gesetzliche Grundlage in Form eines Astrologen-Gesetzes und ist deshalb ebenso unwahrscheinlich.

Ethikrichtlinie als Grundlage astrologischen Handelns

Einstweilen bleibt uns nur die freiwillige Verpflichtung zur Einhaltung der Ethikrichtlinie, die ich, weil sie mir so überaus wichtig erscheint, hier vollständig wiedergeben möchte (Quelle: Wirtschaftskammer Wien).

Für das Ansehen des Berufsstandes ist die Einhaltung ethischer Grundsätze von größter Bedeutung. Für die Horoskopinterpretation gelten folgende Richtlinien:

Die Astrologin (der Astrologe) erklärt ausdrücklich, dass sie (er) nach bestem Wissen und Gewissen

  • das Wohl der Klienten immer in das Zentrum des Interesses stellt
  • den Klienten mit Empathie und Respekt begegnet, ihre Willensfreiheit anerkennt
  • Entfaltungs- und Handlungsmöglichkeiten gemäß dem astrologischen Modell der Zeitqualität aufzeigt und sie ermutigt, ihre Entscheidungen eigenverantwortlich zu treffen
  • moralisch wertende Urteile ebenso selbstverständlich unterlässt wie die Behauptung, eine astrologische Konstellation sei „von Natur gut oder schlecht“
  • niemals Klienten durch Horoskop-Interpretationen unter Druck setzen oder ängstigen will und im Bewusstein der Grenzen astrologischer Aussagen darauf hinweist, dass jede astrologische Konstellation auf vielerlei Arten und in hilfreicher Entsprechung ausgelegt werden kann
  • immer alle persönlichen Informationen über die Klienten streng vertraulich behandelt, es sei denn, sie (er) wird von ihnen davon ausdrücklich entbunden
  • sich immer angemessen und klar gegenüber den Klienten hinsichtlich der persönlichen Bedürfnisse und Ziele abgrenzt, seien sie z.B. emotionaler, finanzieller oder sexueller Art
  • das astrologische Know-how ständig überprüft und weiterentwickelt
  • es nur innerhalb der Grenzen der Fachkompetenz anwendet, und Klienten gegebenenfalls an Fachleute anderer Disziplinen weiterempfiehlt

Die Astrologin (der Astrologe) erklärt, dass sie (er) nach bestem Wissen und Gewissen dem Geist dieser ethischen Prinzipien entspricht und zustimmt, mit der Schlichtungskommission der Berufsgruppe im Falle einer Beschwerde respektvoll zusammenzuarbeiten.

Offizielle Astrologen-Liste

Ein gangbarer Weg wäre vielleicht noch das Führen einer offiziellen Liste von Astrologen, veröffentlicht im Internet, ähnlich wie es das auch für Supervisoren und Mediatoren gibt. In diesen Berufsgruppen – die hinsichtlich Berufsbezeichnung nicht geschützt sind – verhält es sich so, dass grundsätzlich jeder sich Supervisor oder Mediator nennen kann. Als zusätzlichen Qualitätsstandard gibt es beispielsweise für Mediatoren die Möglichkeit, sich in die offizielle Liste des Justizministeriums aufnehmen zu lassen. Dafür müssen dann jedoch gewisse Mindestausbildungen und Praxiserfahrung nachgewiesen werden.

Das wäre eine verhältnismäßig leicht zu realisierende Variante für Astrologen. Nach wie vor könnte jeder, der das möchte, sofort einen Gewerbeschein für Astrologie lösen. Wer aber in die offizielle Liste der Astrologen (zum Beispiel bei der Wirtschaftskammer) möchte, müsste dafür eine mindestens zweijährige Ausbildung, supervidierte Beratungen und eine Mindestanzahl an astrologischen Beratungen nachweisen. Denkbar wäre auch eine Prüfung vor einer offiziellen Kommission vergleichbar mit der DAV-Prüfung in Deutschland. Auf jeden Fall verpflichtend sollte eine Basis-Ausbildung in lösungsorientierter Beratung und das Unterschreiben der Ethikrichtlinie sein!

Eine solche Liste würde einerseits unsere Identität als Astrologen stärken und wäre andererseits eine Orientierung für potenzielle Klienten, die eine wirklich lösungsorientierte Beratung wünschen und zu einer echten Persönlichkeitsentwicklung motiviert sind. Denn mir ist natürlich schon klar, dass es einen Markt für jene Astrologen gibt, die den Klienten das Denken abnehmen und ihnen nur sagen, dass alles gut wird. Dergleichen Erwartungen kommen ja selbst in Psychologen- oder Psychotherapeuten-Praxen vor.

Menschen, die Veränderung nur von außen erwarten und nicht bereit sind, an sich zu arbeiten, werden mit einem gut ausgebildeten, lösungsorientierten, sich den Ethikrichtlinien verpflichteten Astrologen wahrscheinlich überhaupt nichts anfangen können.

Unterscheidbarkeit von Ausbildungen

Eine Diskussion, die auch jenseits der Astrologie schon lange geführt wird, ist die über die Vergleichbarkeit von Ausbildungen. Auch am regulären Arbeitsmarkt macht es einen Unterschied, ob jemand Hauptschulabschluss und einen zweimonatigen Personalverrechnerkurs, eine HAK-Matura oder eine BWL-Studium aufweisen kann. Die persönliche Eignung und Sympathie des Bewerbers ist dann noch einmal ein anderes Kapitel. Vielleicht sollten wir in Erwägung ziehen, eine solche eindeutige Unterscheidbarkeit auch für Astrologen einzuführen, wie immer man das dann im Einzelfall nennen wollte.

Einladung

Ich möchte interessierte Leserinnen und Leser einladen, eigene Gedanken beizusteuern und mir entweder per Mail zu schicken oder als Kommentar zu posten. Den vorliegenden Artikel verstehe ich so gesehen als work in progress und ich werde den einen oder anderen sachlich neuen Gedanken mit Angabe der Urheberschaft gerne in diesen Artikel einfügen.

Persönliche Beratung

Astrologische Beratung Stefan HofbauerEine astrologische Beratung ist in vielen Lebenssituationen hilfreich, insbesondere dann, wenn Sie sich in einer Phase der Neuorientierung befinden oder wenn Sie das Gefühl haben, mehr aus Ihrem Potenzial machen zu können. Für eine individuelle Beratung bereite ich mich ausgiebig vor und beantworte, so gut es mir möglich ist, alle Fragen Ihres konkreten Anliegens. Weitere Informationen zu Ablauf und Kosten einer Beratung finden Sie hier.

Bildnachweis

Die Bilder stammen von pixabay.com, die Astro-Grafiken wurden mit der Software Sarastro erstellt.

Dieser Beitrag hat 1 Kommentar.

  1. Lieber Stefan
    Herzlichen Dank für deinen sehr spannenden Beitrag. In der Schweiz befinden wir uns in einem „Zwischenstadium“. Der Schweizer Astrologenbund SAB – der Berufsverband für Astrologinnen und Astrologen – veröffentlicht die Liste der beratenden Fachmitglieder. Fachmitglieder sind Personen, welche eine fundierte Ausbildung und Praxis gemäss den Anforderungen für die SAB-Anerkennung als Fachmitglied erfüllen. Alle vom SAB empfohlenen beratenden Fachmitglieder treten für eine psychologisch orientierte Astrologie ein, wenden sich gegen Scharlatanerie und Wahrsagerei und arbeiten gemäss dem Kodex des SAB. Details dazu siehe https://www.astrologenbund.ch/sab/zweck-kodex.
    Auch mein persönlicher Lieblingswunsch wäre natürlich die Schaffung eines ordentlichen Astrologie-Studiums an der Universität. Wünschen darf man ja immer…
    Herzliche Grüsse
    Heinz Rickli, Steffisburg (Schweiz)

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