Pluto in Wassermann – der Übergang

Pluto in Wassermann

Pluto in WassermannNach rund 15 Jahren Aufenthalt im Steinbock, beginnt 2023 der allmähliche Übergang Plutos in den Wassermann. Dieser Zeichenwechsel vollzieht sich in drei Schritten. 2023 wird Pluto zunächst für etwa sieben Wochen in den Wassermann wechseln, um danach noch einmal etwas mehr als sieben Monate in den Steinbock zurückzukehren. 2024 bleibt er dann bereits mehr als sieben Monate im Wassermann, um im Herbst noch einmal für zweieinhalb Monate in den Steinbock zurückzukehren, von wo er dann am 19. November 2024 endgültig und dauerhaft in den Wassermann wechselt.

Wenn die Transsaturnier Uranus, Neptun und Pluto erstmals in ein neues Tierkreiszeichen treten, kommt es häufig zu markanten historischen Ereignissen, die mit dieser Energie in Zusammenhang stehen. Beispiele dafür wären die Fälle sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche, die ab Mitte der 1990-er Jahre zunehmend publik wurden, als Pluto in den Schützen eintrat, oder das große Erdbeben in Fukushima, das sich zeitgleich mit dem Übertritt von Uranus in den Widder ereignete.

Gerade bei Pluto, der auch für unbewusste Strömungen, Bedürfnisse und Tabus steht, können wir häufig erst im Nachhinein beurteilen, was sich bei seinem Zeichendurchgang wirklich verändert hat. So können wir rückblickend erkennen, dass Pluto im Schützen viel mit dem sexuellen Missbrauch (Pluto) in kirchlichen Einrichtungen (Schütze) zu tun hatte, aber auch mit einer Hochblüte (Pluto) der Globalisierung (Schütze), die mit der Lehmann-Pleite, nahezu zeitgleich mit dem Übertritt Plutos in den Steinbock 2008, einen jähen Dämpfer erlitt. Bei Plutos Durchgang durch den Steinbock sahen wir, dass viele hierarchische Institutionen und etablierte Strukturen in Schwierigkeiten kamen, aber ich würde es derzeit noch nicht wagen, die Auswirkungen Plutos bei seinem Aufenthalt im Steinbock abschließend zu beurteilen. Vermutlich wird das nach Plutos endgültigem Übertritt in den Wassermann sehr viel klarer werden.

Die Daten des Zeichenwechsels

  • Pluto in Steinbock bis 23.3.2023
  • Pluto erstmals in Wassermann: 23.3.2023 bis 11.6.2023
  • Pluto zurück in Steinbock: 11.6.2023 bis 21.1.2024
  • Pluto erneut in Wassermann: 21.1.2024 bis 2.9.2024
  • Pluto zurück in Steinbock: 2.9.2024 bis 19.11.2024
  • Pluto endgültig in Wassermann: 19.11.2024

Nach seinem endgültigen Eintritt in den Wassermann, bleibt Pluto etwa 20 Jahre in diesem Zeichen, bevor er 2043/44 in das Zeichen Fische wechselt. Aufgrund seiner stark elliptischen Bahn wird Pluto seit dem Tierkreiszeichen Schütze in jedem Zeichen langsamer. Während er sich im Skorpion nur 11 Jahre aufhielt, dauerte sein Transit durch das Zeichen Schütze schon 13 Jahre und durch Steinbock etwa 15 Jahre. Am langsamsten bewegt er sich durch die Zeichen Widder bis Zwillinge, mit jeweils etwa 30 Jahren Aufenthaltsdauer.

Pluto wurde im Jahr 1930 entdeckt, als er gerade auf 18 Grad Krebs stand. Das bedeutet auch, dass kein heute lebender Mensch jemals einen Pluto in den Tierkreiszeichen Wassermann bis Zwillinge erlebt hat. Das ist deshalb wichtig, weil wir in der Mundanastrologie davon ausgehen, dass neue Himmelskörper dann entdeckt werden, wenn die Menschheit eine bestimmte Bewusstseinsschwelle überschritten hat. Das Plutonische trat 1930 in den Blickpunkt der kollektiven Aufmerksamkeit. Zwar wird es (das Plutonische) gerne mit dem Aufstieg der Nationalsozialisten und mit der Kernspaltung (Plutonium) in Verbindung gebracht und vorwiegend negativ gedeutet. Allerdings glaube ich inzwischen, dass das ein wenig zu oberflächlich ist. Pluto hat vor allem mit Vorstellungen, mit Bildern, Verstrickungen und Tabus zu tun. Je unbewusster ein Mensch ist, desto gefährdeter ist sein Leben und desto gefährlicher ist er mitunter für andere. Für das Kollektiv der Menschheit könnte die Entdeckung Plutos vor allem mit der Erforschung des Unbewussten zu tun haben.

Wo immer Pluto im individuellen Horoskop transitiert, bekommen wir es mit abgespaltenen Persönlichkeitsanteilen, mit Schattenprojektionen und mit all dem Hässlichen in uns selbst zu tun. Erst wo wir das gar nicht aushalten können, brauchen wir die psychologischen Mechanismen der Abspaltung und der Feind-Projektion. Und vor diesem Hintergrund dürfte auch das Phänomen totalitärer Ideologien erklärbar werden. Auch der Verfolgungswahn, das Wittern von Verschwörungen und das generelle Misstrauen gegenüber anderen Menschen hat oft deutlich mehr mit individuellen Ängsten, erlittenen Demütigungen und Kränkungen zu tun, als mit äußeren Feinden. Macht- und Ohnmachtsgefühle sind ebenso eine Domäne Plutos. Dort wo ich mich selbst besonderes ohnmächtig fühle, wittere ich gerne Verschwörungen, weil ich auf diese Weise das Gefühl der Macht, des Klüger seins und der Selbstwirksamkeit wieder herstellen kann.

Ein erster Deutungsversuch

An Pluto in Wassermann scheinen sich sehr viele Erwartungen zu knüpfen. Während die einen den endgültigen Niedergang und die Zerstörung unserer Kultur erwarten, sind die anderen voller Hoffnung im Hinblick auf ein angeblich anbrechendes Wassermannzeitalter, in dem alles nur noch voller Harmonie und Liebe sein würde. Solche Erwartungen oder Prognosen sagen sehr viel über die Menschen aus, die sie machen, aber so gut wir gar nichts über die astrologischen Zusammenhänge.

Sehr schnell wird im Zusammenhang mit Pluto im Wassermann auch auf die Französische Revolution verwiesen, die beim letzten Aufenthalt Plutos im Wassermann stattfand. Allerdings fand die Französische Revolution erst 12 Jahre nach dem ersten Eintritt Plutos in den Wassermann statt. Und es ist auch ein wenig seltsam, dass Astrologen einen Negativitätsbias zu haben scheinen. Als Bias bezeichnet man in der Wissenschaft einen systematischen Fehler. Wenn Astrologen mundanastrologische Konstellationen deuten, sehen sie zuerst in den Ephemeriden nach, wann es diese Konstellation früher schon einmal gegeben hat. Daran ist nichts falsch, denn das machen die Menschen, soweit wir wissen, seit mindestens 4000 Jahren. Allerdings scheinen die meisten Mundanastrologen bei den Ereignissen der Vergangenheit immer nur nach Kriegen, Aufständen, Revolutionen, Seuchen und Naturkatastrophen Ausschau zu halten. Kaum einer fragt sich, was das positive Ergebnis der historischen Konstellation war und was das Potenzial gewesen sein könnte. Letzteres ist die eigentlich interessante Frage, wenn wir sie als Astrologen stellen. Ansonsten laufen wir nämlich Gefahr immer nur unsere eigenen Projektionen, Wünsche, Ängste und Befürchtungen in die Zukunft zu projizieren.

Wassermann hat astrologisch mit dem Thema Veränderung zu tun. Ging es im Steinbock um feste Strukturen, Gesetze und Regeln, so geht es im Wassermann um Regelbrüche, das Ausgleichen von Unterschieden, um Gerechtigkeit und Freiheit. Betrachten wir beispielsweise die Folgen des letzten Durchganges von Pluto durch den Wassermann (1777/78 bis 1798), dann brachte er ein Ende der Ständegesellschaft, eine klare Trennung von Staat und Kirche, es wurden Menschen- und Bürgerrechte formuliert und die Gewerbefreiheit eingeführt. Für die Herrschenden dürfte das damals eine recht ungemütliche Zeit gewesen sein. Die Idee der Freiheit und Gleichheit verbreitete sich über die ganze Welt und veranlasste einige Königshäuser dazu, noch restriktiver und brutaler gegen die eigenen Untertanen vorzugehen. Ganz ähnlich wie wir das heute etwa im Iran oder in Russland erleben. (Anmerkung: Über die Entwicklungen im Iran schreibe ich auch in der Mundan Review der Fachzeitschrift Meridian von Januar 2023).

Wir dürfen meines Erachtens nicht den Fehler machen, einzelne historische Ereignisse herauszugreifen und sie als alleinige Manifestation einer bestimmten astrologischen Konstellation zu betrachten. Die Geschichte und der Mensch selbst sind viel komplexer. Mit dem Eintritt von Pluto in den Wassermann wird nicht sofort das totale Chaos ausbrechen und auch nicht der ewige Weltfrieden und die pure Glückseligkeit. Plutos Eintritt in den Wassermann bringt uns neue Ideen, neue Themen und Schwerpunkte. Wir werden verstärkt auf Ungleichheit und Ungerechtigkeit aufmerksam. Unser Fokus wird auf Unabhängigkeit und Freiheit liegen, auf Emanzipation, Erneuerung, Dezentralisierung und Vernetzung.

Wir werden viele bisherige Werte in Frage stellen, dazu gehören Staatsformen, Hierarchien in Firmen, bisherige bürokratische Abläufe, internationale Verträge, aber auch die Struktur der Welt selbst. Mit letzterem meine ich den Blick der Physik auf die Natur der Dinge. Und ja, wenn das Ungleichgewicht mancherorts zu groß ist, könnte das auch zu Revolutionen und Aufständen führen. Wir könnten auch die Struktur des Internets und der Sozialen Medien als wassermännisch auffassen. Zwar gibt es auch hier Bemühungen, Daten zu zentralisieren oder gar Informationen im Internet unter Kontrolle zu bringen. Da aber alles jederzeit sichtbar werden kann, gelingt das meist nicht sehr lange. Pluto könnte dergestalt auch das Internet selbst revolutionieren und die besonders hässlichen Seiten dieser neuen Technologie aufzeigen und im günstigsten Fall überwinden helfen.

Im allerbesten Fall wandelt sich die Menschheit selbst zu einer kooperativen Gemeinschaft. Vielleicht begreifen wir endlich, dass Kriege nicht funktionieren, dass Austausch, Kommunikation und Solidarität die besseren Lösungen sind. Vielleicht sind ja die gegenwärtigen Krisen (Corona, Energiekrise, Inflation, Arbeitskräftemangel, Klimakrise) Anlass genug zu erkennen, dass wir mit gemeinsamen Anstrengungen mehr erreichen. Wir wissen aber aus der Psychologie, dass Wandlung und Entwicklung nur dann geschehen können, wenn wir uns ehrlich und ohne Scheuklappen ansehen, was gerade jetzt der Fall ist. Solange wir so tun als gäbe es keine Probleme oder uns über uns selbst etwas vormachen, kann auch keine Wandlung geschehen.

Der gegenwärtige Uranus-Pluto-Zyklus

Abb. 1. Uranus-Trigon-Pluto (1. Mal). 18.7.2026.

Wir erlebten in den Jahren 2012 bis 2015 ein siebenmaliges Uranus-Pluto-Quadrat. Es war dies die Durchbruchskrise eines Zyklus, der 1966/67 im Tierkreiszeichen Jungfrau begann. Mit Plutos Eintritt in den Wassermann bekommen wir es mit einer ähnlichen Energie zu tun, nicht nur weil Pluto im Wassermann an sich schon das Planetenthema Uranus-Pluto beinhaltet, sondern auch, weil Pluto ab 2024 fast sechs Jahre lang im Trigon mit Uranus steht. Dieses Trigon befindet sich ab dem Sommer 2024 in einem Orbis von weniger als 5 Grad und verlässt diesen erst im Sommer 2029. Von 2026 bis 2028 wird das Trigon insgesamt fünf Mal exakt, allerdings ist das Trigon auch im Sommer 2025 bereits so eng, dass nur noch 7 Bogenminuten zur Exaktheit fehlen. Wir können also mit gutem Recht sagen, dass das Uranus-Pluto-Trigon, neben anderen wichtigen Konstellationen, wie die Saturn-Neptun-Konjunktion 2025/26, ab Sommer 2024 den ganzen Rest des Jahrzehnts prägen wird.

Pluto-Uranus ist eine Energie der Extreme. Unter solchen Konstellationen wollen wird das Bestehende auf gar keinen Fall beibehalten. Denken wir an die revolutionäre Energie der 1960-er Jahre! Die Gleichstellung der Geschlechter, der ökologischere Blick auf die Welt, ein freierer Umgang mit Sexualität, eine sehr breite Ablehnung des Krieges und das Thema Spiritualität, waren einige Themen von damals. In manchen Bereichen wurde viel erreicht, in anderen sind wir auf einem guten Weg. Aber selbstverständlich ist noch viel zu tun. In den Jahren 2024 bis 2029 dürften hier besonders viele konstruktive Schritte möglich sein. Beim zunehmenden Trigon eines Zyklus geht es um den kreativen Ausdruck und die konkrete Anwendung im Äußeren. Die Energien von Uranus und Pluto fließen hier deutlich harmonischer ineinander, als das bei einem Quadrat der Fall wäre (Rudhyar, 1994).

Pluto im Wassermann führt uns besonders deutlich vor Augen, wo es Ungleichheit, Ungerechtigkeit und Unfreiheit gibt. Wir leben außerdem in einer kollektiven Plutokratie, wo nicht mehr die Politik bestimmt, was geschieht, sondern sehr mächtige Konzerne. Einige dieser Strippenzieher im Hintergrund sind der Öffentlichkeit noch nicht einmal bekannt. Mit Plutos Eintritt in den Wassermann wird das nicht alles automatisch besser werden, aber der Fokus der Welt wird sich auf diese Themen verlagern. Am Ende eines harten Weges dürfte die Welt dann deutlich gerechter, gleichberechtigter und freier sein als sie das bis Anfang der 2020-er Jahre war.

Ich wollte mit diesem Artikel vorerst nur einen ersten Eindruck vermitteln, wie sich die Energie von Pluto in Wassermann anfühlen könnte und gehe davon aus, dass ich dazu noch weitere vertiefende Artikel verfassen werde.

Persönliche Beratung

Astrologische Beratung Stefan HofbauerWenn Sie wissen möchten, wie sich der Durchgang Plutos durch den Wassermann auf Ihr Geburtshoroskop auswirkt, empfiehlt sich eine persönliche Beratung. Eine astrologische Beratung ist in vielen Lebenssituationen hilfreich, insbesondere dann, wenn Sie sich in einer Phase der Neuorientierung befinden oder wenn Sie das Gefühl haben, mehr aus Ihrem Potenzial machen zu können. Für eine individuelle Beratung bereite ich mich ausgiebig vor und beantworte, so gut es mir möglich ist, alle Fragen Ihres konkreten Anliegens. Weitere Informationen zu Ablauf und Kosten einer Beratung finden Sie hier.

Bildnachweis

Die Bilder stammen von pixabay.com, die Astro-Grafiken wurden mit der Software Sarastro erstellt.

Literatur

Rudhyar, Dane und Leyla (1994). Astrologische Aspekte. Der Schlüssel zur Deutung planetarer Beziehungen. Hier und Jetzt Verlag.

Sasportas, Howard (1991). Uranus, Neptun, Pluto im Transit. Knaur Verlag.

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare.

  1. Ganz herzlichen Dank für diese Einführung.

    Das fühlt sich richtig nach dem Zunehmen der Geburtswehen für die neue Zeit an. Ich gehe mal davon aus, es wird ein richtig gesundes und schönes Kind, was sich da ins Leben gebären will.

  2. Freue mich wieder von dir zu Lesen!  Sehe deine Beiträge immer als Anregung zum Nachdenken und Informieren. 

Antworten