Die Achse Krebs-Steinbock

Mondknoten- und Apsidenachse, 15.11.2018

Illustration Achse Krebs-SteinbockDer November 2018 beschert uns astrologisch mehrere Energiewechsel. Zum einen wechselt die Mondknotenachse von fix nach kardinal, zum Zweiten tritt Jupiter in den Schützen ein und zum Dritten wechseln drei Planeten ihre Richtung. Venus wird am 16. November direktläufig, Merkur wird am 17. November rückläufig und Neptun wird am 25. November wieder direktläufig.

Am 7. November findet ein Neumond auf exakt 15 Grad Skorpion statt, laut Michael Roscher einem kritischen Grad mit der Bedeutung einer Venus-Pluto-Opposition. Der Wechsel der Mondknotenachse von fix nach kardinal wird von einigen markanten weiteren Aspekten begleitet, die ihm eine besondere Bedeutung verleihen. Das alles geschieht vor dem Hintergrund einer sich anbahnenden Saturn-Pluto-Konjunktion und mehrerer Jupiter-Pluto-Konjunktionen in Steinbock, die den Durchgang der Mondknoten durch Steinbock und Krebs besonders bedeutsam erscheinen lassen.

Mondknoten auf der Achse Krebs-SteinbockDie Mondknotenachse befand sich seit 9. Mai 2017 im Löwe und Wassermann, mit dem nördlichen Knoten in Löwe und dem südlichen in Wassermann. Am 6. November wechselt der (wahre) nördliche Mondknoten in den Krebs und damit der südliche in den Steinbock. Die Mondknoten werden sich von  6.11.2018 bis 5.5.2020 auf dieser Achse befinden.

Begleitaspekte des Mondknoten-Wechsels

Dieser Mondknotenwechsel ist in mancher Hinsicht etwas Besonderes. Zum einen wechselt am 6. November nicht nur die Mondknotenachse, sondern auch Priapus von Löwe nach Krebs und zum Zweiten wird die Mondknotenachse den ganzen Herbst über von Uranus und Venus begleitet, die laufend Quadrate zur Mondknotenachse bilden. Es ist sogar so, dass Uranus ebenfalls am 6. November zurück in den Widder wechselt und exakt an diesem Tag das Quadrat mit der Mondknotenachse genau wird. Venus bildete am 16. September ihr erstes Quadrat mit den Mondknoten (4°42‘ Skorpion/Löwe), am 30. Oktober das zweite (0°38‘ Skorpion/Löwe) und das dritte und letzte am 28. November (28°03‘ Waage/Krebs).

Mondknoten Ingress Krebs, 6. November 2018

Abb. 1. Mondknoten-Ingress Krebs, 6.11.2018.

Abbildung 1 zeigt uns ein ungewöhnliches Bild. Im Abstand weniger Stunden wechseln die Mondknoten, Uranus und Priapus nach kardinal, gleichzeitig bilden Chiron und Jupiter sehr genaue Trigone auf diese Position 30 Grad Krebs. Es ist, als wiese alles auf diesen Punkt im Tierkreis hin.

Das sabische Symbol für den 30. Grad Krebs hat zu tun mit einer Glorifizierung der Vergangenheit und mit der Wahl eines Weges, der vollkommen die Tradition verkörpert und verherrlicht (Rudhyar, 1993). Es ist auch jene Position im Tierkreis, die 1938 und 1939 Pluto einnahm, ehe er im Juni 1939 endgültig in den Löwen wechselte. Nach Roscher ist dieser Punkt auch ein kritischer Grad mit der Bedeutung einer Sonne-Mond-Konjunktion, also eines Neumondes. Zusammen mit der Mondknotenachse selbst, die eine Spannung zwischen Krebs und Steinbock herstellt, könnte es hier auch um eine Integration von Gefühlen (Mond) und Verstand (Sonne sowie Saturn) sowie des Mütterlichen und Väterlichen gehen.

Ein Zusammenfallen der Apsidenachse mit der Mondknotenachse bedeutet astronomisch, dass sich der Mondknoten dort befindet, wo der Mond der Erde am nächsten (ca. 363.000 km) oder fernsten (ca. 406.000 km) ist. Im konkreten Fall am 6. November 2018 fällt Priapus mit dem nördlichen Mondknoten zusammen, daher befindet sich der aufsteigende Mondknoten dort, wo der Mond der Erde am nächsten kommt. Ein Neumond an dieser Stelle ergäbe jetzt eine totale Sonnenfinsternis.

In der astrologischen Deutung weist ein Zusammenfallen von Priapus mit dem aufsteigenden Mondknoten darauf hin, dass jetzt die Zeitqualität ein Entwickeln von neuen Lösungen deutlich begünstigt. Es ist jetzt viel Energie vorhanden, um Muster der Vergangenheit (südlicher Mondknoten), die oft eine gewisse Zwanghaftigkeit aufweisen, zu überwinden.

Die Mondknotenachse

Astronomisch ist die Mondknotenachse jene Gerade, die entsteht, wenn die Ebene der Ekliptik, auf welcher sich die Erde bewegt, die Ebene der Mondbahn schneidet. In der Astrologie unterscheidet man den nördlichen (oder aufsteigenden) und den südlichen (oder absteigenden) Mondknoten, die einander im Tierkreis exakt gegenüber liegen. Die Mondknotenachse wandert in ungefähr 18 Jahren einmal im Uhrzeigersinn (also rückläufig) durch den gesamten Tierkreis. Sie ist unter anderem wichtig für die Vorhersage von Finsternissen.

Für ein vertieftes Verständnis des aufsteigenden und des absteigenden Mondknotens empfiehlt es sich, beide als Achse zu deuten, da sie sich stets in gegenüberliegenden Tierkreiszeichen und Häusern befinden. Die Mondknotenachse braucht ca. 1 ½ Jahre, um durch ein gegenüberliegendes Tierkreiszeichen-Paar zu wandern. Aufgrund der relativ langen Dauer des Mondknotentransits durch ein Zeichen, ist für eine individuelle Deutung neben der Zeichen- auch die Häuserstellung der Mondknoten im Horoskop von Bedeutung.

Im Transit weisen der aufsteigende Mondknoten und seine Hausposition darauf hin, in welchem Lebensbereich wir aktuell etwas lernen können und in welchem wir alte Muster überwinden sollen. Sehr wichtige Zeiten sind insbesondere jene, in denen die Mondknoten auf ihre Radix-Position zurückkehren oder jene, in denen der nördliche den südlichen Mondknoten trifft und umgekehrt. Manche Menschen erleben diese Transite wie eine Art „philosophische Krise“, in der wichtige Werte unseres bisherigen Lebens in Frage gestellt werden und wir vieles zu hinterfragen beginnen, was uns bisher nie Anlass war darüber nachzudenken.

Die Apsidenachse

Anders als die Mondknotenachse wird die Apsidenachse in der Deutung von kaum einem Astrologen berücksichtigt. Als Apsidenachse wird die Achse der beiden Extrempunkte der Mondbahn um die Erde bezeichnet. Der eine Pol, der den erdnächsten Punkt des Mondes darstellt, ist Priapus, der andere Pol, der den erdfernsten Punkt des Mondes markiert, ist Lilith. Irritierend für viele Astrologen mag die Tatsache sein, dass wir mit der Kenntnis der Lilithposition (Erdferne) nicht automatisch die Priapusposition kennen und umgekehrt, da diese beiden Pole bis zu 25 Grad, also fast ein ganzes Tierkreiszeichen, voneinander abweichen können (mehr dazu im Artikel Lilith und Priapus).

Abb. 2. Die Mondknoten- und Apsidenachse beispielhaft für den 15.11.2018.

In Abbildung 2 sehen wir beispielsweise die Position der Mondknoten- und der Apsidenachse vom 15. November 2018. Wir erkennen, dass sich die Mondknoten auf etwa 29° Krebs/Steinbock genau gegenüberstehen, während die Apsiden etwa 22° von der exakten Opposition abweichen. Priapus (Mondnähe) steht auf etwa 20° Krebs, während Lilith (Mondferne), sich auf etwa 12° Wassermann befindet. Diese Abweichung hat mit der „torkelnden“ Bahn des Mondes um die Erde zu tun. Priapus und Lilith stehen etwa alle drei Monate, nämlich immer dann, wenn die Sonne eine Konjunktion oder ein Quadrat mit Lilith oder Priapus bildet, exakt in Opposition. Für 2018 war das am 6. April, am 20. Juli und am 1. November der Fall, für 2019 wird das am 10. Februar, 24. Mai, 7. September und 17. Dezember der Fall sein.

Da sowohl die Mondknotenachse als auch die Apsidenachse mit dem Verhältnis von Mond, Erde und Sonne zueinander zu tun haben, wäre es spannend, eine integrative Deutung dahingehend zu entwickeln, dass wir uns zunächst die Radixpositionen von Mond und Sonne ansähen, diese präzise deuteten und dann zusätzlich die Mondknoten- und die Apsidenpositionen hinzunähmen. Insbesondere für karmische und esoterische Astrologen dürfte das überaus fruchtbar sein.

Die meisten Astrologen gehen davon aus, dass wir im südlichen Mondknoten mit einer gewissen Zwanghaftigkeit handeln, während die Qualitäten des aufsteigenden Mondknotens allmählich erst von uns entwickelt werden müssen. Mit der aktuellen Stellung ginge es also darum, uns von bestehenden Strukturen zu befreien und mehr zu unseren Gefühlen zu kommen.

Die Deutung der Apsidenachse ist mir persönlich immer noch nicht ganz klar. Eine an die astronomischen Grundlagen angelehnte Deutung würde nahelegen, dass wir in der Lilith-Position wenig Zugang zu unseren Gefühlen haben. Wir sind hier „entfernt von unseren Gefühlen“, was eine gewisse Verwandtschaft mit einem Mond-Wassermann-Aspekt nahelegen würde. Im Priapus-Pol dagegen wären wir unseren Gefühlen und Bedürfnissen sehr nahe, an diesem Pol dürften wir auch ganz besonders schöpferisch und kreativ sein (Priapus war in der Antike ein Fruchtbarkeitssymbol), möglicherweise auch überwältigend und heißblütig. Die Aufgabe dürfte lauten, zu unserer vollen Schöpferkraft und Begeisterungsfähigkeit zu gelangen oder von Isolation und Autonomie, hin zum vollem Kontakt mit uns selbst und mit anderen. Lilith alleine zu deuten, dürfte in jedem Fall unvollständig sein, so als würden wir immer nur den südlichen Mondknoten deuten.

Rückblick auf die Löwe/Wassermann-Achse

Im Artikel „Die Löwe-Wassermann-Achse“ schrieb ich: „Wenn wir die Ereignisse des letzten Mondknotendurchgangs durch Löwe/Wassermann betrachten, können wir vielleicht auch mit einer gewissen Technik-, Globalisierungs- und Vernetzungsfixiertheit rechnen.“ Die Richtung der Mondknotenachse von Wassermann nach Löwe berücksichtigend, könnten wir auch sagen, es geht möglicherweise vom Humanismus (Wassermann) in Richtung Egomanie (Löwe). Und in der Tat erlebten wir im letzten Jahr zahlreiche Politiker, die eher autoritär auftraten und der Rücksichtslosigkeit und Entsolidarisierung das Wort redeten. Beispielhaft möge hierfür etwa der Ausstieg der USA aus dem Pariser Klimaabkommen stehen.

Letzter Durchgang des Nordknotens durch Krebs

Der letzte Durchgang des Nordknotens durch das Zeichen Krebs fand von 9. April 2000 bis 13. Oktober 2001 statt. Astrologisch gab es in dieser Zeit einige Parallelen zu unserer Zeit, nämlich:

  • eine Jupiter-Saturn-Konjunktion
  • einen Saturn-Pluto-Aspekt (damals Opposition, heute Konjunktion)
  • einen Uranus-Saturn-Aspekt (damals Quadrat, heute Trigon)
  • einen Jupiter-Uranus-Aspekt (damals Quadrat, heute Trigon)
  • einen Jupiter-Pluto-Aspekt (damals Opposition, heute Konjunktion) und
  • einen Jupiter-Neptun-Aspekt (damals Trigon, heute Quadrat)

Das dramatischste und weltveränderndste Ereignis dieses Durchgangs waren aber sicherlich die Anschläge auf das World Trade Center am 11. September 2001. Aus heutiger Sicht kann man vielleicht sagen, dass die westliche Welt damals, nach dem Fall des Kommunismus, ein neues Feindbild gefunden hat, nämlich den Islam bzw. die arabische Welt. Daran hat sich bis heute nicht viel geändert.

Bei der Mondknotenachse Krebs/Steinbock geht es um die Überwindung bisheriger Strukturen in Richtung auf mehr Mitgefühl. Wir hängen hier mit einer gewissen Zwanghaftigkeit an Strukturen, an Vorschriften, an althergebrachten Traditionen und bürokratischen Abläufen, sind jedoch aufgefordert, nach innen zu gehen, in unser eigenes Wesen, unsere Wahrnehmung und Gefühle.

Vielleicht werden wir uns auch diesmal aufgrund dramatischer Ereignisse am Althergebrachten festklammern, versuchen Grenzen noch höher zu ziehen und die bröckelnden Gebäude allzu starrer Strukturen behelfsmäßig kitten, ohne zu begreifen, dass wir sie abreißen müssten, weil sie nicht mehr zu retten sind. Es ist auch eine Spannung zwischen Ratio und Gefühl und in der Tat sind viele Menschen in unseren reichen westlichen Ländern vielleicht auch deshalb so unglücklich, weil wir in einer allzu rationalen, aber sinnentleerten Welt leben. Es ginge jetzt gerade darum, zu uns zu kommen, nach innen zu schauen und zu fühlen, zu spüren, „im Herzen zu bewegen“ und jene Strukturen, die uns nicht mehr dienlich sind, hinter uns zu lassen.

Letzter Durchgang des Südknotens durch Krebs

Vom 21. August 2009 bis 3. März 2011 ging der nördliche Knoten durch Steinbock und der südliche durch den Krebs. Damals ging es also eher darum, Gefühle zu spüren, innere Bilder aufsteigen zu lassen und daraus eine Struktur, einen Fokus zu bilden. Die Explosion der Ölbohr-Plattform Deepwater Horizon, die die schlimmste Ölkatastrophe in der Geschichte der USA darstellte, mag vielleicht archetypisch für diesen Mondknotendurchgang stehen. Durch diese Katastrophe wurden schlimme Ängste (Krebs) heraufbeschworen, die dazu führten, Strukturen (Steinbock) zu überdenken. Vielleicht nicht für die USA selbst, aber für viele andere Länder mag das die Notwendigkeit einer Abkehr vom Erdöl verdeutlicht haben.

Bei der Oppositionsstellung ab November 2018 können wir möglicherweise auch überprüfen, was seit damals erreicht wurde, welche Strukturen es wert sind, beibehalten zu werden und welche noch nicht oder überhaupt nicht tragfähig sind.

Die Finsternisse auf der Krebs-Steinbock-Achse

Relevant ist die Mondknotenachse vor allem auch für die Finsternisse in der Zeitperiode der nächsten 18 Monate (der nördliche Mondknoten befindet sich von 6.11.2018 bis 5.5.2020 auf der Achse Krebs/Steinbock). Wobei auf der Zeichenachse Krebs-Steinbock insgesamt fünf Sonnenfinsternisse und drei Mondfinsternisse (hier fett gedruckt) stattfinden werden, nämlich:

  • eine partielle Sonnenfinsternis am 13.7.2018 auf 20°42‘ Krebs
  • eine totale Mondfinsternis am 27.7.2018 auf 4°45‘ Wassermann/ Löwe
  • eine partielle Sonnenfinsternis am 11.8.2018 auf 18°41‘ Löwe
  • eine partielle Sonnenfinsternis am 5.1.2019 auf 15°26‘ Steinbock
  • eine totale Mondfinsternis am 21.1.2019 auf 0°51‘ Löwe/Wassermann
  • eine totale Sonnenfinsternis am 2.7.2019 auf 10°38‘ Krebs
  • eine partielle Mondfinsternis am 16.7.2019 auf 24°04‘ Steinbock/Krebs
  • eine ringförmige Sonnenfinsternis am 26.12.2019 auf 4°07‘ Steinbock
  • eine Halbschatten-Mondfinsternis am 10.1.2020 auf 20°00‘ Krebs/Steinbock
  • eine Halbschatten-Mondfinsternis am 5.6.2020 auf 15°35‘ Schütze/Zwillinge
  • eine ringförmige Sonnenfinsternis am 21.6.2020 auf 0°21‘ Krebs
  • eine Halbschatten-Mondfinsternis am 5.7.2020 auf 13°37‘ Steinbock/Krebs

Grün markiert sind hier jene Finsternisse, bei denen die Mondknotenachse noch nicht oder nicht mehr auf der Krebs-Steinbock-Achse transitiert. Dass hier dennoch Finsternisse in den Zeichen Krebs oder Steinbock stattfinden können, hängt mit dem zulässigen Orbis bei Finsternissen zusammen. So kann sich die Mondknotenachse beispielsweise noch auf 25° Löwe/Wassermann befinden, aber dennoch bereits eine Eklipse auf 5° Krebs und/oder Steinbock stattfinden.

Zahlreiche Finsternisse auf dieser Achse nehmen direkt das Thema der Saturn-Pluto-Konjunktion auf, indem sie entweder in recht genauer Opposition oder in Konjunktion stattfinden. Hervorzuheben ist hier etwa die partielle Mondfinsternis vom 16. Juli 2019, die in genauer Konjunktion mit Pluto stattfindet (vergleichbar der partiellen Sonnenfinsternis vom 13. Juli 2018, die in genauer Opposition mit Pluto stattfand).

Auch die Halbschatten-Mondfinsternis vom 10. Jänner 2020 ist hier wichtig, weil sie lediglich zwei Tage vor der einzigen Exaktheit der Saturn-Pluto-Konjunktion stattfindet. Der Abstand der Sonnenposition zu Saturn und Pluto beträgt hier weniger als 3 Grad Orbis.

Wichtig ist vermutlich auch die einzige totale Sonnenfinsternis auf dieser Achsenstellung, nämlich jene am 2. Juli 2019. Zwar findet die Sonnenfinsternis in sehr weiter Opposition zu Saturn statt (7 Grad Orbis), aber Saturn befindet sich bei dieser Finsternis fast bogenminutengenau auf dem absteigenden Mondknoten, was auf geradezu grotesk zwanghafte Verhaltensmuster hinweisen könnte, die mit viel Mitgefühl ausgeglichen werden wollen (Neumond in Krebs, Neptun Trigon nördlicher Mondknoten).

Polaritäten

Auf der Mondknotenachse haben wir es mit Polaritäten zu tun, die sich wechselseitig ergänzen. Wie oben bereits erwähnt, ging es auf der Löwe-Wassermann-Achse um die Polarität Freiheit und Selbstausdruck oder etwas klarer, um eine transpersonale, humanitäre Vision versus pure Egomanie. Der Löwe möchte in der eigenen Herrlichkeit schwelgen und seine Macht genießen, während der Wassermann die Gesellschaft verändern möchte, selbst dann, wenn er dabei selbst unter die Räder kommen sollte. In der positivsten Entsprechung bringen große Visionäre mit zahlreichen Ideen diese mit einer zentrierten Herzlichkeit in die Welt.

Auf der Achse Krebs-Steinbock geht es um Strukturen, die mit Mitgefühl und Menschlichkeit implementiert werden, oder auch um Meisterschaft, die unser innerstes Wesen berührt. In der positivsten Entsprechung bringen echte Autoritäten und Meister (politische, wirschaftliche und spirituelle) eine Herzöffnung in uns zustande, die uns menschlich über uns selbst hinauswachsen lässt.

Auch wenn das vordergründig so erscheint, handelt es sich hier nicht um Gegensätze, sondern um einander ergänzende Pole einer einzigen Achse. Sehr spirituell ausgedrückt, muss ich zuerst ein meisterhaftes Können (Steinbock) entwickelt haben, um es anschließend transzendieren zu können, im Hinblick auf wahre Mitmenschlichkeit, Hilfestellung und Behutsamkeit. Ansonsten bin ich nämlich einfach nur starr, eiskalt und zwanghaft, was dem nicht erlösten Zustand des Steinbocks entspräche. Wo immer wir uns nur für einen Pol entscheiden und den anderen radikal bekämpfen, ändert sich gar nichts. Denn wir bekämpfen im außen nur uns selbst, da immer beide Pole in uns angelegt sind.

Beispiel Elisabeth Kübler-Ross

Radix Elisabeth-Kübler-Ross

Abb. 3. Elisabeth Kübler-Ross, 8.7.1926, 22:45 Uhr, Zürich/Schweiz.

Das Beispiel einer großen Schweizerin möge das Gesagte verdeutlichen. Elisabeth Kübler-Ross wurde am 8. Juli 1926 um 22:45 Uhr in Zürich geboren. Die Sonne stand bei ihrer Geburt im Krebs, der Aszendent in den Fischen. Es handelt sich hier um einen Menschen, der zu großer Hingabe fähig ist und zupacken kann (Herrscher von 1 sind Neptun und Mars). Mit Neptun in 6 prädestiniert sie ihre Anlage zum Helfen und Heilen, aber auch zur präzisen Analyse. Die Verwirklichung (Sonne) findet im 5. Haus statt, dem Haus des Ausdrucks, der Lebendigkeit und der Lebensfreude.

Bemerkenswert ist das Thema ihres Lebens, der Tod. Was einerseits mit einer engen Sonne-Pluto-Konjunktion zu tun haben dürfte, andererseits aber auch mit dem absteigenden Mondknoten im Steinbock, dessen Dispositor (Zeichenherrscher) und Herrscher (Häuserherrscher) Saturn ist. Saturn wird in alten Darstellungen oft auch als der Schnitter oder Sensenmann dargestellt. Das hat einerseits mit dem Kronosmythos zu tun, in dem Kronos seinen Vater Uranus mit einer Sichel entmannte und andererseits auch damit, dass Saturn vor allem in der römischen Antike auch als Fruchtbarkeitsgott galt, zu dessen Ehren um unsere heutige Weihnachtszeit, die Saturnalien gefeiert wurden. Offenbar wussten die Menschen der Antike um den engen Zusammenhang zwischen Tod und Leben.

Bei Elisabeth Kübler-Ross hat nun dieser Saturn eine herausragende Bedeutung. Die Beschäftigung mit dem Tod dürfte hier fast obsessiv gewesen sein (Südknoten in Steinbock), während gleichzeitig ein neuer Umgang damit gefunden werden sollte, einer mit mehr Mitgefühl und Menschlichkeit (Nordknoten im Krebs).

Berücksichtigen wir, wie oben vorgeschlagen, sowohl Sonne, Mond als auch Mondknoten- und Apsidenachse, so sehen wir zunächst, dass Sonne und Mond in den Häusern ihrer mundanen Zugehörigkeit stehen. Mond in 4 und Sonne in 5. Mond steht obendrein noch in seinem eigenen Zeichen Krebs. Gefühle und ihr Ausdruck sind hier also sehr wichtig. Die Mondknotenachse weist darauf hin, dass hier ein zwanghaftes Bedürfnis besteht, die Welt zu verbessern (Südknoten in 11) und die Horoskopeignerin zu mehr Subjektivität und Lebendigkeit finden soll (Nordknoten in 5). Im Bereich der eigenen Gesundheit und der alltäglichen Pflichten könnte Frau Kübler-Ross ihre Bedürfnisse am wenigsten gespürt haben und hier auch eine große Unabhängigkeit angestrebt haben (Lilith in 6), wohingegen der Drang nach Drüben, dem Jenseits, sie geradezu beflügelte und zu einer intensiven Hingabe veranlasste (Priapus in 12).

Ihr Lebenswerk führte dazu, dass wir heute gänzlich anders mit Sterbenden umgehen, als noch vor einigen Jahrzehnten (Herrscher von 10 in 12 und Neptun Trigon MC), wenngleich in diesem Bereich noch einiges zu tun bleibt.

Aspekte während des Krebs/Steinbock-Durchganges

Mundanastrologisch gibt es zahlreiche wichtige Konstellationen, während des Aufenthalts der Mondknoten auf der kardinalen Achse. In chronologischer Reihenfolge sind das:

  • 13.1.2019, Jupiter-Neptun-Quadrat
  • 4.4.2019, Pluto Konjunktion südlicher Mondknoten
  • 20.4.2019, Saturn Konjunktion südlicher Mondknoten
  • 16.6.2019, Jupiter-Neptun-Quadrat
  • 4.7.2019, Saturn Konjunktion südlicher Mondknoten
  • 21.9.2019, Jupiter-Neptun-Quadrat
  • 28.9.2019, Saturn Konjunktion südlicher Mondknoten
  • 8.1.2020, Jupiter Konjunktion südlicher Mondknoten
  • 12.1.2020, Saturn-Pluto-Konjunktion auf 22°47′ Steinbock
  • 5.4.2020, Jupiter-Pluto-Konjunktion auf 24°53′ Steinbock
  • 5.5.2020, Wechsel der Mondknotenachse nach Zwillinge/Schütze
  • 30.6.2020, Jupiter-Pluto-Konjunktion auf 24°07′ Steinbock
  • 12.11.2020, Jupiter-Pluto-Konjunktion auf 22°52′ Steinbock
  • 21.12.2020, Jupiter-Saturn-Konjunktion auf 0°26′ Wassermann

Die Anhäufung wichtiger Konstellationen in den kommenden 1 ½ Jahren wirkt überwältigend. Drei wichtige Zyklen (Saturn-Pluto, Jupiter-Pluto und Jupiter-Saturn) gehen in dieser Zeit zu Ende und es beginnen neue Zyklen dieser Langsamläufer. Dass diese Zyklen zum Teil in der Nähe des absteigenden Mondknotens beginnen, könnte darauf hinweisen, dass hier alte Strukturen, Denkweisen und Hierarchien endgültig zusammenbrechen. Im Angesicht großer Katastrophen pflegen wir als Spezies regelmäßig über uns hinauszuwachsen und zu gewärtigen, wie viel Potenzial an Menschlichkeit, Mitgefühl und gegenseitiger Unterstützung in uns steckt. Wahrscheinlich werden die nächsten zwei Jahre alles andere als einfach. Gerade in den dunkelsten Zeiten aber sollten wir uns darauf besinnen, dass der aufsteigende Mondknoten Lösungen für uns bereit hält, wenn wir nach innen gehen, unsere Gefühle zulassen und in der Tiefe dieses Brunnens unsere Menschlichkeit wieder entdecken.

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Bildnachweis

Die Bilder stammen von pixabay.com, die Astro-Grafiken wurden mit der Software Sarastro erstellt.

Literatur

Bachmann, Verena (2012). Mondknoten. Lebensweg und Entwicklung im Geburtshoroskop. Edition Astrodata.

Reinhart, Melanie (1999). Die Mondknoten. Das innere Gleichgewicht im Horoskop. Edition Astrodata.

Rudhyar, Dane (1993). Astrologischer Tierkreis und Bewußtsein. Eine Interpretation der 360 Tierkreisgrade. Kailash Verlag.

Sasportas, Howard (2003). Die Mondknotenachse. Der Schlüssel zum Horoskop. Chiron Verlag.

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